Pokert Peter Pilz zu hoch?

Die Medien und damit auch die Gunst der Stunde scheinen auf der Seite von Peter Pilz, der morgen bekannt geben will, mit wem er bei der Wahl antreten wird. An der Oberfläche war er ja durchaus erfolgreich, da er 31 Jahre auf einem Ticket der Grünen im Nationalrat und für ein paar Jahre im Wiener Landtag saß. Und auch jetzt scheint sich vieles nur darum zu drehen, was seine Kandidatur für die Grünen, die SPÖ und überhaupt für den Wahlkampf bedeutet. Dabei wird übersehen, dass er mit einem Putsch gegen eine gewählte Liste 1986 ins Parlament kam und sein Auftrag aus Täuschung besteht. Als er Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil in eine Anzeige gegen Airbus (und das Verkünden des Ausstiegs aus dem System Eurofighter) hineinhetzte und Ex-Minister Norbert Darabos anzeigte, verfasste ich auch eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien.

Diese beschäftigt  sich mit den Zuständen im Ministerium, als Darabos den Vergleich mit Eurofighter abschloss und erklärt, was verdeckte Aktionen sind. Dabei spielt auch Peter Pilz eine Rolle, den ich u.a. aufgrund von Erfahrungen in den Grünen früher als „non-official cover“ mit Fragezeichen bezeichne, also als Agenten, der nicht unter diplomatischem Cover von der US-Botschaft aus operiert. Unsere Beurteilung der Causa Eurofighter ist davon geprägt, wie sie uns via Pilz vermittelt wird, weil wir daran glauben sollen, dass er tatsächlich ein „Aufdecker“ ist. Als er in den 1990er Jahren in den Grünen mit medialer Unterstützung dauernd die Parteibasis attackierte, dachten viele an „Streit um Asterix“, wo der besonders intrigante kleine Römer Tullius Destructivus  jede Menschengruppe im Nu spaltet. Wem Pilz zuzuordnen ist, wurde mir 1992 klar, als er mit allen Mitteln Parteichef werden musste und für eine US-Militärintervention in Bosnien lobbyierte. Jetzt sammelt Pilz Enttäuschte in diversen Parteien und appelliert damit nicht an politische Verantwortung, sondern an niedere Instinkte.

Passender Song von Chris de Burgh

Ohne darauf hier näher eingehen zu wollen, möchte ich auf unterschiedliche Konzepte des „Bösen“ hinweisen, etwa wenn Antroposophen davor warnen, dass man „Böses“ leichter erkennt, das direkter agiert und das sie Ahriman zuordnen. Hingegen tarnt sich „Böses“ a la Luzifer besser, es erscheint licht und arbeitet mit Intelligenz und Intellekt. Da Pilz keine Skrupel kennt und auch mit von der Partie ist, wenn seine Herren Menschen selbst damit unter Druck setzen, dass sie andere lieben, ist er samt seinem Listenprojekt für mich luziferisch. Man kann es auch faustisch nennen, da er bislang von seinem Pakt profitierte und damit scheinbar auch „Gutes“ für Österreich bewirkt hat (Leichen pflastern seinen Weg). Als Pilz am 25. Juni 2017 nicht den gewünschten Listenplatz erhielt, ging er sofort in Frontstellung zu den Grünen, die inzwischen sagen, dass er bereits vorher schon bei manchen sondierte, ob sie für ihn kandidieren wollen. Wie im Rausch waren Medien auch gleich an seiner Seite, und die Wogen gingen in den sozialen Medien hoch.

Nur wenigen war bewusst, dass Pilz nie für Österreich tätig war, sondern für das Eliminieren echter und integrer Grüner aus der Politik steht, für das Opfern von Sündenböcken, für das Ablenken von Skandalen und von Schmeicheln bis Drohen das gesamte Repertoire der Manipulation draufhat. Die Party wird eines Tages  vorbei sein, auch wenn jetzt viele dem entgegenfiebern, was er morgen vorstellen wird.  Auch andere Kandidaten inszenieren sich oder präsentieren Quereinsteiger und man fragt sich, ob Inhalte wirklich die Rolle spielen, die ihnen verbal gegeben wird. Hier aber geht es um eine ganz andere Dimension, da offenbar Enttäuschte eingesammelt werden, mit denen man bis zur Wahl mit Medienunterstützung ihren bisherigen Parteien zusetzen kann. Das ist ein noch viel größeres Spaltungspotenzial als innerhalb der Grünen Abgeordnete und Basis gegeneinander auszuspielen. Es scheint ganz leicht, Personen dafür zu gewinnen, es ihren Parteien noch einmal so richtig zu zeigen, egal wie lange diese immerhin zu 183 Abgeordneten im österreichischen Parlament gehören durften.

Carl Orff: O Fortuna

Was geht z.B. in der (Noch-) SPÖ-Abgeordneten Daniela Holzinger vor, der schmeichelt, dass sie als zukünftige Pilz-Mandatarin gehandelt wird? Sie war im Eurofighter-U-Ausschuss, in dem auch zur Sprache kam, dass der von Pilz angezeigte Darabos via Kabinettschef abgeschottet wurde, also sein Amt nicht verfassungsgemäß ausüben konnte. Zur Ehrenrettung einiger muß man sagen, dass ihre Namen zwar kolportiert wurden, sie jedoch schon öffentlich abgewunken haben. Pilz mag jetzt andere umschmeicheln, zum Beispiel manch eine Journalistin, er hat jedoch z.B. mit Frauenrechten nichts am Hut, wie er auch nie für Inhalte stand, sondern immer einer voranzutreibenden Agenda diente. Vor zwei Jahren konfrontierte ich ihn als Spionageexperten (wie er sich gerne sieht) bei einer Neutralitätsdiskussion in der Diplomatischen Akademie mit den Möglichkeiten eines fremden Geheimdienstes, das Verteidigungsministerium unter Kontrolle zu bringen: den Minister zur „Kooperation“ bewegen, eine Agentin auf ihn ansetzen, dafür sorgen, dass ein Ahnungsloser das Amt übertragen bekommt oder einen Intelligenten, der nicht „kooperationswillig“ ist und den man daher abschottet, unter Druck setzt, rundum überwacht. Pilz antwortete darauf nicht, tat aber plötzlich so, als sei er gegen US-Interventionen, was allen als komische Reaktion auffiel.

Nun bietet er all denen, die über bestimmte Parteien oder die Politik im Allgemeinen enttäuscht sind, ein Ventil, als ob nicht Leute wie er zu genau den Zuständen beigetragen haben, die Politik(ern) kaum Spielraum lassen. Die Grünen hat er selbst zu einer Partei gemacht, in der man sich fast nur mit wenig kontroversen Themen halten kann, weil alles Brisante von ihm vereinnahmt, abgebogen, kanalisiert und verdreht wurde. Auch sein zur Schau gestellter Zynismus zeigt, in welche Richtung es geht: Gehässigkeiten, Rachegelüste, Ressentiments, Ängste und Machtdemonstrationen.  Wie einfach es für ihn ist, Leute für die Agenda einzuspannen, der er dient, sieht man gut an Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil. Wer durch Pilz-Gefolgschaft in die Bredouille gerät, ist damit freilich allein gelassen; zudem kann man in der SPÖ offenbar damit um Mandate kämpfen, dass man ja andernfalls zu Pilz wechseln könnte. Wer auch immer damit liebäugelt, sollte sich z.B. von (Ex-) Grünen erzählen lassen, wie er mit Menschen umgeht, die vielleicht naiv sind, die anderen vertrauen wollen, für die eine Partei auch etwas Emotionales ist und die Schuldgefühle kennen. Eines Tages ist die Party vorbei, auch wenn Mephisto die Pilz-Liste verführerisch im medialen Schein glänzen lässt, um den Frontalangriff auf das politische System zu verschleiern.

PS:  Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

5 Kommentare zu „Pokert Peter Pilz zu hoch?

  1. Wenn die Massenmedien für den Namen Peter Pilz Werbung machen so geht es letztlich um den Charakter eines Menschen und aus meiner Sicht hat Pilz keinen Charakter, ganz gleich welcher Partei er angehört oder angehören wird. Auf diese Art werden die Menschen die Lügen und Manipulation erkennen immer mehr. Denn in unserer Zeit fallen die Masken.
    Karl

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    1. sehe ich auch so – ich würde dem einfach als wählerin oder wähler nicht auf den leim gehen und wen ich mit etwas unzufrieden bin, das die SPÖ betrifft, mit jemandem dort reden wollten, detto bei der ÖVP oder wo auch immer.

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  2. Hier ein Kurier-Leserkommentar von gestern:

    @Schnauze Voll

    Vorsicht! Könnte auch eine Finte sein! Die Lunacek und die Fellipe ziehen das extrem linke, realitätsferne und EU-hörige WillkommensklatscherInnenlager ins Boot, während Pilz die Proteststimmen um die Mitte einsammelt. Nach der Wahl gehen die zusammen zu einer „Kooperative Pilz und die Grünen“! Dementsprechend blockieren sie im Parlament alles „gegen Rechts“. Würde mich wundern, wenn die PappnäsInnen so klug wären, aber auszuschließen ist es nicht, vor allem, wo die EU in dieser Wahl ihre dreckigen Finger mit drin hat!

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      1. Links, zwo drei vier…..

        Da spricht ein User von einer Spaltung, die die Linke gerade durchmacht. Nämlich in

        – sjw-Linke (social-justice-warriors) und

        – non-pc-Linke.

        Bezieht sich wahrscheinlich auf Deutschland, aber die Entwicklungen sind eh
        ziemlich synchron.

        Sind zwar wieder neue Schubladen, aber ohne geht’s wohl nimmer…..

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