Gedanken über guten Journalismus

Liest man Betrachtungen über Journalisten, die im 19. Jahrhundert verfasst wurden, kommt einem alles sehr bekannt vor.  Auch damals gab es die, die wirklich schreiben konnten und Verstand hatten,  jene, die nicht einmal  Hühner von Küken unterscheiden konnten und die, die es schafften, andere für sich schreiben zu lassen, frei nach dem Journalisten Prentice Mulford (1834 – 1891). Wie heute auch nahmen viele Menschen bereits mit ihrer ersten Mahlzeit Negativschlagzeilen zu sich – „ewig gleichförmige Ereignisse als da sind: Morde, Einbrüche, Explosionen, Selbstmorde (Revolver, Rasiermesser, Strick, Gift), Bank- und Taschendiebstähle, Feuersbrünste, platzende Kessel, stürzende Lifts, Unfälle (Gas,  Petroleum, Benzin – Hitze, Kälte – Berge, Meere), Konkurse und was sonst in zivilisierten Gesellschaften jahraus, jahrein immer auf dieselbe Weise geschieht – mit dem einzigen Unterschied, dass Schuft und Opfer immer anders heißen und oft nicht einmal das.“

Beschreibt diese Passage aus dem Essay „Grundsteinlegung“ nicht genau unsere Presse, die all dem noch Flucht- bzw. Migrationshintergrund – so vorhanden – hinzufügt? Auch Mulford verdiente seine Brötchen damit, den Menschen täglich „so einen monotonen und grausigen Katalog des Schreckens“ aufzutischen, der sie erstaunlicherweise stets interesssierte. Er wunderte sich, welchen Vorteil es haben soll zu wissen, „dass ein Strolch vergangene Nacht im Central Park erhängt gefunden wurde oder dass irgendein Idiot sich mit Vitriol vergiftete und auf einer Gartenbank, auf der ich vielleicht morgen sitze werde starb“.  Mulford widmete solchen Stories so wenig Zeit wie möglich und ist uns u.a. durch sein Buch „Unfug des Lebens und Sterbens“ bekannt. Er scheint auch Social Media-Phänomene zu antizipieren, wenn er schreibt: „Wenn eine Gruppe von Leuten über Krankheitserscheinungen spricht, über Todesursachen, Agonien, Sterbeszenen, wenn sie den morbiden Geschmack am Grauenhaften züchtet, lenkt sie einen ganzen Strom ähnlicher Vorstellungsbilder auf sich –  ein Strom, der am Ende unfehlbar Krankheit und Leid mit sich führen wird.“

„Österreich“ zu Unruhen in Hamburg

Heute teilen viele Menschen, die sich als mainstream-kritisch sehen, mit Akribie Links zu Berichten etwa von „Bild“ und „Krone“ zu Übergriffen von „Flüchtlingen“.  Dies provoziert Empörung, hält Leser bei der Stange, schafft „Glaubwürdigkeit“, die man für eine andere Agenda braucht und es ist das von Mulford beschriebene Gerede über Krankheiten. Mulford gehörte zur New Thought-Bewegung, die man als Vorläuferin von allen betrachten kann, die uns heute positives Denken verkaufen. So simpel wie „beim Universum bestellen“ oder in „The Secret“ meinte er es jedoch nicht, sondern verband positive Haltungen mit Handlungen. Nun befinden sich Menschen, die nur über Krankheiten oder über Sündenböcke aller Art reden, zwar in einer Echokammer, sodass sich da Gleiche anziehen. Es ist aber falsch anzunehmen, dass jeder sich jede Lebenssituation ausschließlich durch negatives Denken eingebrockt hat, denn dann hätte jeder Allmacht.

Es ist aber unsere Sache, wie wir Hindernisse, Schicksalsschläge, Mauern und das Verhalten anderer aufnehmen. Wenn wir alles und alle als unabänderlich betrachten, verkörpern wir das Gegenteil von Allmacht, nämlich die Opferrolle. Dabei assistiert uns schlechter Journalismus nicht nur mit einem Katalog des Grauens, sondern auch, indem Politik nicht erklärt, sondern inszeniert wird, es nicht um Macht als Gestaltungsmöglichkeit, aber als persönliche Macht geht. Dabei spielt jene persönliche Macht auch eine Rolle, in deren Besitz sich sogenannte führende Journalisten bzw. Leitmedien wähnen. Mit Verstand und der Fähigkeit zu schreiben kann Journalismus das liefern, was sein eigentlicher Zweck ist: den Menschen, die andere Berufe ausüben, Zusammenhänge nachvollziehbar zu machen und interessante Gesprächspartner dafür zu finden.

Überall das Gleiche (von Twitter)

Vermutlich hat auch Mulford vielfach Gleichklang in diversen Medien beobachtet, sodass die Berichterstattung über wichtige Ereignisse nur in Nuancen voneinander abwich. Heute sehen wir z.B., wie Politiker einförmig gepusht oder gebasht werden und so Personalentscheidungen und Wahlen beeinflusst werden. Zudem gilt es zwar als Highlight des Journalismus schlechthin, etwas aufzudecken, doch vielfach wird nicht der wahre Sachverhalt enthüllt, sondern Medien sind Bestandteil eines Ablenkungsmanövers. Wie sich die Bevölkerung im 19. Jahrhundert von Horrormeldungen fesseln ließ, ohne zu reflektieren, wie sie dadurch gepolt wird, verstehen die meisten heute erst hinterher, dass etwa Russland-Bashing Bestandteil einer Agenda ist.  Wenn aber die gleichen Medien Flüchtlingskriminalität thematisieren, binden sie „kritische“ Leser wieder an sich, die deshalb nicht glauben, dass es auch dabei um Geopolitik geht.

Es ist sicher kein Zufall, dass Mulford mit seinen spirituell geprägten Aufsätzen und einer turbulenten Lebensgeschichte bekannt wurde. Er saß in diversen Redaktionen neben „hochgebildeten, staatlich über- und übergeprüften Männern, deren Hirne Lagerhäuser an Wissen waren, aber wenig sonst“, denn sie „raunzten und schrieben, raunzten und schrieben“, da sie sich nur darüber beklagten, dass ihr Chef mehr verdiente als sie, aber nie aktiv wurden. Sie sahen bessere Chancen für ihre Begabungen, wenn ihnen nur jemand etwas anbieten würde, waren aber nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen. Wieviele in den Redaktionen der Gegenwart erkennen sich da wohl wieder? Und liefern das nächste Mal wieder nur das Gleiche ab, ohne jedes inhaltliche Risiko? Wie viele schreiben dann zum ersten Mal darauf los, wenn sie in der Pension sind, es mit Büchern oder Blogs probieren?

PS:  Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

8 Kommentare zu „Gedanken über guten Journalismus

  1. Es gibt keinen guten Journalismus mehr, liebe Alexandra.
    Was uns heute medial vorgesetzt wird ist die übelste Propaganda, die wir je erlebt haben. Es werden Geschichten erfunden und medial hochgepusht.
    Die Krone spielt dabei eine schmutzige Rolle. Mit Berichten über die Schatzsucher binden sie die kritischen Leser, während sie die Opposition permanent mit Dreck bewerfen.
    Aktuell gräbt man die Antisemiten und die Nazis aus – gleich wie vor jeder Wahl.

    Dass die Linken ihre macht demokratisch abgeben werden gilt als ausgeschlossen. Wenn die Medienpropaganda nichts hilft dann greift man zu Wahlbetrug, wie es bei der BP Wahl passiert ist.

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    1. Brauchst mir nicht sagen – aber differenzieren, denn es GIBT gute Leute, aber sie sind im Mainstream selten. Und doch gibt es auch dort immer wieder gut recherchierte Geschichten…

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      1. Du hast schon recht. Die guten Journalisten haben inzwischen schon alle ihre eigenen Blogs. Der Liestream wurde schon komplett durch Propagandisten unterwandert. Dort sind die guten Leute schon weg.

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      2. Dennoch ist ja nicht alles falsch, was im Mainstream berichtet wird – es ist unvollständig, lenkt ab usw. und man muss sich damit kritisch auseinandersetzen. Kein Mainstream mehr macht leider auch nicht klüger.

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  2. Sportergebnisse und Wetterbericht (mit Einschränkungen) sind im Mainstream zuverlässig berichtet.
    Ansonsten gibt es halt Propaganda – informativ, aber gefärbt dargestellt.
    Man achte mal z.B. auf folgende Formulierungen:
    Regime – Regierung
    Kriegsverbrechen – Kollateralschaden
    usw

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  3. Die Mengen an Unwettern und Überschwemmungen sind heuer richtig auffällig. da liegt der Verdacht nahe, dass unsere „Freunde“ in der USA noch mit HAARP üben.

    Die Zielgenauigkeit lässt noch zu wünschen übrig; einmal haben sie Moskau geschafft.

    Oder aber: BRD ist Zielgebiet. Das würde zu den sonstigen Schädigungen der deutschen Wirtschaft passen. (siehe auch: neue Sanktionen)

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