Warum wir Frauenpolitik brauchen

Wie üblich verfügen nur die Grünen über eine Spitzenkandidatin, während man den Wahlkampf ansonsten auf Hahnenkämpfe reduzieren kann. Daran ändern weder quotierte Listen auch bei SPÖ und ÖVP etwas noch diverse Quereinsteigerinnen. Vielleicht kann man daran aber gut illustrieren, was Frauenpolitik bedeutet und welchen anderen und wichtigen Zugang Frauen zur Politik haben. Es fällt z.B. auf, dass Männer sich mehr an medial vermittelte Bilder von Politikern halten, diese daher total ablehnen oder unkritisch verteidigen. Frauen haben hingegen einen Blick für Nuancen, spüren Zwischentönen nach und erkennen daher leichter, welchen Spielraum ein Akteur hat und ob er unter Druck ist. Und es sind Frauen, die eher andere auf etwas ansprechen ohne Garantie, damit auch auf Anhieb Erfoilg zu haben, während Männer Angst vor möglichen „Versagen“ haben.

Wie man im Interview mit Ulrike Lunacek sieht,  macht es einen gewaltigen Unterschied, ob viel von Politikerinnen die Rede ist oder sich alles um Männer dreht und etwaige Frauen von Männern abhängig sind, die sie nominiert haben. Frauenpolitik ist leider medial verkürzt oft auf Gender, Quoten und Kampf gegen Hasspostings reduziert, statt zu sehen, wo konkreter Handlungsbedarf im Interesse aller Frauen besteht. Spricht man mit Mitarbeiterinnen von Frauenberatungsstellen oder Gewaltschutzzentren, so beklagen sie, dass Gewalt in der Wahrnehmung nur ein zugewandertes (Flüchtlings-) Problem sein soll- Wie sehr Gewalt Alltag und nach wie vor tabuisiert ist, sieht man besonders am Land, wo Frauen oft mit ganz anderen Fragen zur Beratung kommen und dann ihr eigentliches Anliegen ansprechen. Bis zu einem gewissen Grad ist es in Generationenproblem, da jüngere Frauen meist berufstätig sind, während ältere oft immer zu Hause waren und Angst haben, alleine dazustehen.

Interview mit Ulrike Lunacek

Patriarchale Vorstellungen sind kein abstrakter Terminus bei Gender Studies, sondern Realität und zwar nicht nur wegen muslimischer Zuwanderung. Beratungseinrichtungen sind allen Ernstes als „männerfeindlich“ verschrien, weil nicht nur Berufsorientierung geboten wird, man mit dem AMS zusammenarbeitet, und werden trotz steigender Kosten oft über viele Jahre gleich dotiert. Zwar sind solche Einrichtungen gut vernetzt, doch das Lobbying trifft auf Politikerinnen, die sich häufig nicht wirklich engagieren. Selfies ohne Ende von Politikerinnen mit Politikern dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass man immer nach konkretem Einsatz fragen muss. Es ist kein Zufall, dass jene politischen Kräfte, die bei jedem afghanischen Belästiger das Abendland untergehen sehen, häufig gegen die Förderung von Frauenhäusern etc. auftreten. Zugleich muss man sich fragen, was alle Emanzipationsdebatten gebracht haben, wenn Frauen sich leidenschaftlich dafür ins Zeug werfen, dass sich andere Frauen der Männer wegen verschleiern sollen.

Was das obige Lunacek-Interview betrifft, diskutierte übrigens die „Österreich“-Redaktion danach und Isabelle Daniel, die mit Wolfgang Fellner die Fragen stellte, sah die Grüne als Siegerin gegenüber einem vergleichbaren Pilz-Auftritt. Auch andere betrachten den medial massiv gehypten Pilz als relativ schwach; umso mehr, wenn man bedenkt, in welcher Lage Lunacek durch die plötzliche Konkurrenz ist. Ein deutlicher Kontrast ist Lunaceks sachliche Argumentation, die auch dezidiert eine Absage an Populismus sein soll. Im Wahlkampfreigen um Christian Kern, Sebastian Kurz, Heinz Christian Strache, Matthias Strolz und eben auch Peter Pilz fehlen andere weibliche Stimmen weitgehend, sieht man von Elisabeth Köstinger (ÖVP) und Irmgard Griss (Plattform mit den NEOS) ab. Bei Ego-Kämpfen gehen Inhalte meist unter und es geht nur darum, sich mit anderen zu matchen.

Über Genderklischees

Es hat sicher viel mit den Grünen zu tun, dass Politikerin heute ein selbstverständlicher „Frauenjob“ ist, denn die SPÖ zehrt da in erster Linie vom Ruf Johanna Dohnals. Mit Spitzenkandidatin und Parteichefin entsteht anders als in anderen Parteien der Eindruck, dass Frauen die Linie vorgeben, statt dass sie Männern an der Spitze sekundieren sollen. Und es gibt Unterschiede zwischen Frauen, da Lunacek stärker als  Vorgängerin Eva Glawischnig auf internationale Politik geprägt ist, was z.B. beim Thema Migration von Vorteil ist. Vorbildwirkung sieht Lunacek selbst aber vor allem darin, dass sie sich lange vor vielen anderen outete und sagte, dass sie mit einer Frau zusammenlebt. Es gibt viele Bereiche, in denen Frauen immer noch Pionierin sein können, etwa bei bisherigen „Männerthemen“.

Dies ist der Fall bei Militär und Sicherheitspolitik, doch auch der offensive Umgang mit Gewalt lässt auf sich warten. Denn dann würden sofort Männer aufschreien und es als pauschale Unterstellung verstehen und Frauen müssten mit Durchhaltevermögen standhalten. Ironischer Weise hat da die FPÖ einmal Recht, denn Gender und Binnen-I sind für Frauen, die starke Frauenpolitik brauchen, absolute Peanuts. Von „Innen“ hat keine Hausfrau vom Dorf, die sich aus einer repressiven Beziehung befreien will, die nötige Power und entsprechende Rahmenbedingungen. Dies ist übrigens das „typische“ ländliche Beispiel, während in Ballungszentren immer mehr auch junge Frauen mit Migrationshintergrund das Gewaltschutznetz beanspruchen. Es ist kein genaues Abbild der Betroffenheit, da andere Städterinnen oft mehr Optionen haben. „Frauenrechte“ sprechen übrigens auch die Grünen nur am Rande an, was sie mit anderen Parteien gemeinsam haben.

PPS:  Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

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8 Gedanken zu “Warum wir Frauenpolitik brauchen

  1. einer fehlt in dieser aufzählung und das ist herr düringer mit der liste gilt.

    er hat vor ein taxi flottzumachen, das normale menschen in das hohe haus bringen soll…

    mit den stimmen derer, die bisher ungültig wählten, weil sie von den sich selbst für berufen einschätzenden entäuscht sind…

    http://derstandard.at/2000061469048/DueringerWir-brauchen-diese-Parteien-nicht-mehr

    eine wohltat eigentlich, wenn man sieht was berufspolitiker anrichten, um ihr ego auszuleben.

    frauen die mit männern in konkurrenz stehen, sind oft nichts anderes als selbst die „besseren“ männer.

    übrigens melden sich auch dort weit weniger frauen für die mitfahrt im taxi.

    das liegt vielleicht daran, dass fauen über ihren realen einfluss in der politik bescheid wissen.

    schließlich üben sie ihr leben lang einfluss auf die männer und frauen in ihrer umgebung aus.

    und das ganz ohne sich einer öffentlichen wahl stellen zu müssen…

    ganz im gegenteil, die partner glauben auch noch sich frei entschieden zu haben.

    so einfach funktioniert politik für frauen, die sich darauf einlassen.

    das ist auch genau der grund, warum frauen mit kopftüchern gefährlich für eine offene gesellschaft sind.

    sie sind strikt dagegen, dass andere frauen ihnen konkurrenz um „ihre“ männer und ihren einflussbereich machen…

    und werden alles tun um ihren einfluss zu nutzen, das tunlichst zu unterbinden…

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      1. Das Interesse der Standard-Leser ist zwar in den letzten Monaten mächtig angewachsen und es gibt auch schon mehr Leute, die Düringers Intentionen verstehen. Leider sind dort aber PSIRAM*-Gläubige in der Mehrzahl. Doch ich schätze, daß sich unter der Standard-Community nur wenige Nicht- oder Ungültig-Wähler befinden. Daher befürchte ich, daß die zumeist an Politik nicht sehr interessierten Nichtwähler von Düringers Botschaft kaum erreicht werden. Der ORF z.B. ‚kennt‘ und präsentiert D. ja nur als Kabarettisten.

        *) Auch ersichtlich an diesem Artikel plus Kommentaren.
        https://derstandard.at/2000061073637/Selbsternannter-Krebsheiler-Hamer-wird-in-Deutschland-begraben

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      2. Wenn ein Forum als Rückhalt dienen kann, ist das ja schon viel. Ich habe mir Düringer mal bei einer Buchpräsentation in Wien angehört, Eindruck war zwiespältig, manches, was er sagt, hat Hand und Fuss, bei anderem fehlt im Hintergrundwissen. Aber damals war ich mies drauf, Wohnung verloren (dass es noch schlimmer kommen kann, weiss ich jetzt, nicht nur weil der Kater immer noch verschwunden ist).

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      3. Was vielleicht etwas unangenehm wirkt, ist, daß D. kaum ein persönl. Risiko eingeht, da er selbst sich dabei raushält und G!lt als „Kunstprojekt“ bezeichnet. Scheitern also ausgeschlossen…..?! Dies wirkt auf viele nicht seriös. Liegt mE aber auch daran, daß die Leute stets menschliche Projektionsflächen brauchen.

        Normalerweise müßte es so sein, daß die anteiligen Sitze der Nicht-/Ungültig-Wähler im Parlament nicht „besetzt“ werden dürften. Es wäre billiger und was noch wichtiger wäre: Die Regierung und Parlamentarier würden ständig daran erinnert werden, daß sie eigentlich nur für einen relativ kleinen Teil der Bevölkerung sprechen. Aber die Herrschaften dürfte dies eh kaum jucken.

        *****
        Was Athos betrifft, habe ich das Wort „Regenbogenbrücke“ wohl mißverstanden. Es besteht also immer noch Hoffnung, daß er wiederkehrt.

        Die besten Wünsche Dir und dem lieben Anhang!

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  2. edwige, du hast es schon richtig verstanden, ich will nur die hoffnung nicht aufgeben, weil katzen hier oft einige tage unterwegs sind, anderswo fressen, mäuse fangen und weiter laufen können als man denkt. gefunden habe ich ihn dort eben nicht wo er zuletzt immer wieder war.

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