Politisches Engagement – ist es den Preis wert?

Als Journalistin, die aus der Politik kommt, verstehe ich meine Artikel immer auch als politisch; freilich ist die Sicht auf Parteien und Themen etwas anders, als wenn ich noch in einer Partei aktiv wäre. Ein wesentlicher Unterschied ist auch, dass ich viel mehr ausdrücken kann als nicht nur durchschnittliche Parteimitglieder, sondern ebenso Spitzenpolitiker. Außerdem ist Schreiben selbst ein Erkenntnisprozess, bei dem vieles klarer wird, als wenn man es nur abstrakt durchdenkt. Sinnvolles Engagement, das nicht in Leerlauf endet oder bedeutet, im Kreis zu rennen, kann aber einen hohen Preis fordern.

Es ist wenig zielgerichtet, Mißstände nur zu beklagen oder zu pauschalieren, sondern man sollte versuchen, einen Hebel zu finden. Dies ist  nicht ohne Wissenserwerb, Kontakte und Ausdauer möglich und verlangt insofern Distanz, als dass man Akteure und Situationen objektiv beurteilen sollte. Zu den Mustern, die man erkennen sollte, gehört auch das regelmässige Auftauchen von Reizen, auf welche die Wähler reagieren und dabei vergessen sollen, dass alles schon des öfteren dagewesen ist. Im anlaufenden Wahlkampf ist nahezu nichts neu, vom Setzen auf Quereinsteiger, provokanten Facebook-Postings bis zu sich überbietendem Populismus hinsichtlich der sogenannten Mittelmeerroute. Lässt man Revue passieren, was nach Terror irgendwo in Europa geschah, nutzen ihn immer auch heimische Politiker für Forderungen und zur Profilierung.

Kontakt mit den Wählern (SPÖ Burgenland)

 

Spätestens seit dem langen Bundespräsidentenwahlkampf ist die Wählerschaft gespalten und vielfach nicht bereit, Politiker egal welcher Richtung gemeinsam mit Fragen zu konfrontieren, bei denen Handlungsbedarf besteht. Soziale Medien könnten dafür eine Plattform sein, werden von vielen aber nur dazu verwendet, die eigenen Ansichten endlos zu wiederholen und bestätigt zu bekommen. Leider findet bei einigen, die z.B. gegen Islamismus und gegen Masseneinwanderung sind, ein negativer Spin statt, der sich auf ihre Kommunikationsfähigkeit auswirkt. Wer Informationen abseits des Mainstream sammelt und verbreitet, muss dazu zunächst auf Distanz zum Gewohnten gehen, sollte aber nicht die Fähigkeit verlieren, mit denen zu sprechen, die anders drauf sind. Dies ordne ich ebenso unter „sinnlos“ ein wie x-fache Facebook-Postings mit Ärger über Jobs für „Flüchtlinge“, dieses oder jenes Projekt oder über Übergriffe auf Frauen. Auf der anderen Seite ist natürlich auch vieles aufgesetzt und ein mit der Masse schwimmen, was z. B. zur „Ehe für alle“ gepostet wird.

Wahlkampf bedeutet auch, dass Hoffnungsträger kreiert werden wie Sebastian Kurz, dessen Fans dann über Umfragen jubeln können. Oder man sehe sich mal an, wie Peter Pilz selbst beim Packen im Grünen Klub von Medien über die Schulter geschaut wird und wie über die Folgen für die Partei berichtet wird. Es ist erschreckend, wie sehr dabei etwa auf Facebook Häme mitspielt, statt offen darüber zu diskutieren, was die Grünen einmal sein wollten und welche Rolle eben z.B. Pilz dabei spielte, sie in eine andere Richtung zu lenken. Bei destruktiver Kritik geht es genauso ums Ego wie bei Selfie-Inszenierungen von Kandidaten mit den jeweiligen Partei-Oberen, denn es ist ein Zeichen des Dazugehörens. Mit politischer Substanz hat dies nicht unbedingt zu tun und schon gar nicht mit Hintergrundwissen, das man sich nur gegen den Strom aneignen kann und wo man einige Antworten nur dann bekommt, wenn man schon viel weiß.

Bericht über Kurz (Facebook)

Entscheidend ist aber vor allem die Bereitschaft, das geschminkte, gestylte medial vermittelte Bild nicht als Abbildung der Realität, sondern als Inszenierung zu verstehen. Wie es hinter den Kulissen zugeht (und wie wirklich mit Menschen umgegangen wird), kann man von vielen Ankerpunkten aus recherchieren und erkennen. Ich habe dies in den letzten Jahren in den Bereichen Sicherheit und Landesverteidigung getan, was immer mit Interesse für internationale Zusammenhänge verbunden war. Weil eine Causa leicht zum Dreh- und Angelpunkt politischer Verhältnisse wird, ist dies auch eine Machtfrage; andernfalls wäre ich nie attackiert worden. Die große Herausforderung ist dann nicht so sehr,  Ausdauer und Durchhaltevermögen zu beweisen als vielmehr,  Mensch zu bleiben und das auszubauen, wo man wachsen und lernen will, aber Grundsätzliches (wie persönliche Integrität) zu bewahren. Und Korrekturen in der eigenen Vorgehensweise anzubringen, ohne alles über Bord zu werfen, was beim Kampf gegen Windmühlen nur zu verständlich wäre.

Als letzte Aktion meiner bisherigen Strategie habe ich eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien zu Anzeigen zum Bereich Eurofighter gemacht, die auf früheren Recherchen aufbaut und auf den U-Ausschuss Bezug nimmt. Dies ist der Höhepunkt und zugleich der Abschluss einer Zeit, in der ich verfassungs- und rechtswidrige Zustände im Verteidigungsministerium thematisierte und deswegen nachhaltig schikaniert wurde, so oft auf Mauern gestoßen bin. Das aber wird dann auch zur Prüfung für das eigene Mensch Sein: resigniert man oder versucht man es anders? Geht man vom Verhalten vieler in einer Weise aus, die jedes weitere Gespräch sinnlos erscheinen lässt oder schnauft man durch und findet dann andere Zugänge? Kämpferinnen und Kämpfern fällt es oft schwer, die Zügel auch mal schleifen zu lassen, während andere sich nicht dazu aufraffen können, am Ball zu bleiben, sondern beim geringsten Widerstand aufgeben. „Dinge anders betrachten“ ist z.B., nicht jede Wiederholung im Wahlkampf zu kommentieren und auch die Hahnenkampf-Ego-Schiene einfach vorbeiziehen zu lassen.

PPS:  Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

 

Ein Kommentar zu „Politisches Engagement – ist es den Preis wert?

  1. Die Erkenntnis reift mit der Zeit. Es geht nicht darum Haltung zu bewahren oder Mensch zu bleiben sondern andere aus der Fassung zu bringen. Viele Leuchten leuchten den Weg. Man trifft sich im Leben zweimal, deswegen darf das Gegenüber beim ersten Mal schon nicht mehr aufstehen. So läuft der Hase.

    Bewegungen sind kollektivistisch motivierte Sauhaufen – höflicher formuliert. Wie der Herr Kern sagte, ‚Die SPÖ war schon immer eine Bewegung von Anfang an‘. Wurde die SPÖ gar unterwandert?

    Es ist eigentlich egal ob die Sozialdemokratie von den Fabianern unterwandert wurde oder nicht. Die SPÖ hat sich entweder diesen Hang zur Umverteilung von Inflation behalten oder abgeschaut.

    Jeder der in eine Richtung argumentiert dieses Umverteilen von Inflation zu gefährden wird schnell zum Antisemiten gestempelt.

    Spätestens in Kombination mit UNO und den Entwicklungen in der E.U. braucht es keine Unterwanderung durch Fabianer & Co damit deren Ziele Wirklichkeit werden.

    Bei der UNO weiß man nie so genau, ist die ‚linke‘ Spinnerei, die späte Umsetzung oder die damit einhergehende wandelnde Interpretation der Papers (welche an sich von Haus aus nicht leicht zu interpretieren sind) die Ursache für das verursachte Elend.

    Gleich vorweg. Es gibt keinen Plan – die Typen sind einfach stinkdämlich und/oder experimentierfreudig.

    Der Standard bashed grad wieder gegen die FPÖ. Deswegen fiel mir diese und folgende etwas längere und doch unvollständige Aufbereitung ein.

    Was wollen Sie denn am Internet resp. den sozialen Medien diskutieren?

    Facebook war gut oder zumindest unterhaltsam zu der Zeit als Politik und Gesellschaft Facebook noch links liegen hat gelassen. Heute ist das Medium wertlos bezüglich Informationsweitergabe.

    Man lernt schon einiges. Wenn einer nicht mitbekommt wieviel ‚Unsinn‘ im Standard steht, so liest er oder sie diesen zurecht. In den Artikeln finden sich korrekte Aussagen, welche erst interpretiert werden können, wenn man in etwa eine Ahnung hat worum es geht.

    Mir ist im Rahmen des Bashings der FPÖ (Umvolkung) schon in den Sinn gekommen, dass just jene die damals die Anti Baby Pille haben promotet nicht unbedingt über das Verhältnis anderer zu der industriellen Massenvernichtung von Leben sollten Stellung beziehen.

    Hinter der Anti Baby Pille stehen 2 eher wenig bekannte Strategien
    a) Anpassung der Bevölkerungsanzahl an die ökonom. Leistungsfähigkeit (Konsumgesellschaft der ‚Holocaust‘ (der nach Marx) im Vorfeld)
    b) Das Verdecken der notwendigen Abwanderung der weniger Qualifizierten in Wirtschaftsräume mit passendem Preisniveau, sobald ihre Einkommen nicht mehr über Umlagen finanziert werden können.
    b1) Jene die nicht abwandern müssen sind im Westen die Babys die nicht geboren werden. Eine Begleiterscheinung der Konsumgesellschaft?

    Ich habe allein eher erschreckend gefunden, dass Menschen im Kommentarbereich von Kern von Menschrechten schwärmten den Industriekommunismus als Alternative ansehen.

    Selbst unter der Annahme von Sozialdarwinismus in der ‚bösen Marktwirtschaft’/Kapitalismus hat zumindest jeder eine theoretische Chance – in der Welt des Sozialismus haben einige willkürlich gewählt in der Praxis verloren.

    Unter Annahme dass b1) nicht stimmt, was heißen die Völkerwanderungen.

    Der Standard schreibt von Anhängigkeit zu Verschwörungstheorien und nennt die Umvolkung als Beispiel im gleichen Atemzug mit ‚Freimaurern‘ usw.. Neo-klassische Nazikeule und wieder der Hinweis auf die sog. Anbiederung zum Rechtsextremismus.

    Die Frage die sich ein deutscher ‚Rechtsextremer‘ zurecht stellt ist , ‚Warum kommen eine Mio. Menschen und bei uns fehlen die Kinder‘. Dem ist nicht klar, dass Kinder gegen Autos wurden getauscht.

    Die Papers der UNO und E.U. in weiterer Folge zur strategischen Migration kann man ja nachlesen. Der Prozess der ‚Umvolkung‘ ist unbestritten, allein der der Begriff hängt vom unterstellten Motiv ab. Der laufende Prozess nicht, der lässt sich nicht mehr leugnen.

    Politik geht davon aus, dass Menschen in Österreich resp. Deutschland all diese Themen diskutieren (in der Freizeit). Die daraus folgenden Konsequenzen rücken schon sehr stark das kommunizierte Bild selbst des sog. ’schönen Österreichs‘ in ein anderes Licht.

    Es ist unmöglich wie die ‚Linken‘ sich mal dachten Güter an alle zu verteilen. Das ist die Ursache des Übels. Die ‚Rechten‘ räumen sich dabei die Taschen voll. Aber an (potentielle) Leichen kann keiner umverteilen.

    Ähnlich wie im Umfeld der Technologien ist es wenn ‚alle‘ kommen Zeit sich zu verrollen.

    Das Leben hat ohne Risiko zu nehmen nichts zu bieten. Das wollte und will nach wie vor kaum einer hören. Zu leben heißt zu anderen zu sagen ich will sehen und dabei 5 Asse auf den Pokertisch zu knallen, den Finger am Abzug zu haben und just diesen Moment zu genießen.

    Auch wenn der Weg zuvor ein weiter und beschwerlicher ist, der Moment in dem die Würfel fallen und Luft in höchster Spannung knistert – für den Moment muss man leben und es ist wert ihn zu leben.

    Sozialdemokratie ist schon der Prozess der Wandlung einer Gesellschaft weg von Eigenverantwortung hin zu Kommunismus nicht über Revolution sondern Reformen. Das ändert nichts am Endziel. Der Prozess ist ein Begleitprozess eines logischen Verfalls.

    Die Übergabe, spätestens in der Industrielinie an den Konsumenten, in der in Ermangelung eines Marktplatzes die Güterübergabe die unsoziale Handlung respräsentiert wird im zwingend vorhanden ideologischen Überbau so getan als würde sozial gehandelt – jeder wird gezwungen so zu tun. Dem Herrn Kern und dem Herrn Kurz geht es nicht anders – aber leid tut mir keiner von beiden. Sie wollen noch nicht mal ihr eigenes Schicksal ändern.

    Das Gegenmodell wäre das Freiheitliche oder auch die Anarchie. Beide zeichnen sich nicht durch Orchestrierung ‚des Schicksals des Einzelnen‘ aus.

    Blogs sind trotzdem keine schlechte Alternative zur Diskussion. Einen Diskurs anzuregen geht, aber sich interaktiv auszutauschen ist noch immer eher schwierig.

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