Hahnenkämpfe vs. weibliche Politik

Nicht nur die Spitzenkandidaten von SPÖ, ÖVP und FPÖ (Christian Kern,  Sebastian Kurz, Heinz Christian Strache) lassen einen Hahnenkampf erwarten; auch der Ex-Grüne Peter Pilz wird auf dieser Ebene mitmischen. Und wie auch immer die Parteien ihre Listen mit welchen Frauenquoten erstellen, in der politischen Auseinandersetzung geht es vor allem um Männer, Männer, Männer. Dazu trägt auch das Verhalten von Politikerinnen bei und dass Journalistinnen kaum ausscheren, ihre Beiträge also nicht viel anders sind als die der männlichen Kollegen. Das Wahlverhalten von Frauen und Männern zeigt mittlerweile kaum mehr Unterschiede, wie eine neue Umfrage zeigt: Männer: 23 % SPÖ, 33 % ÖVP, 26 % FPÖ, 5 % Grüne, 3 % Neos, 7 % Pilz;  Frauen: 23 % SPÖ, 35 % ÖVP, 24 % FPÖ, 7 % Grüne, 5 % Neos, 2 % Pilz.

Mit anderen Worten punkten ÖVP,  Grüne und NEOS etwas stärker bei Frauen, während FPÖ und Pilz bei Männern besser ankommen und der Zuspruch zur SPÖ auf beide Geschlechter gleich verteilt ist. Es wäre vielleicht ein voreiliger Schluss, aber offenbar sehen Frauen bei ÖVP, Grünen und NEOS mehr Konsensorientierung und bei FPÖ und Pilz mehr Konfliktbereitschaft. Wie Männer-geprägt die Politik nach wie vor ist, zeigt ein kritischer Bericht über die SPÖ, verfasst von einer Frau (Daniela Kittner): „Der Kanzler bewahrt Haltung, doch schwingt in seinen Worten auch Abschied mit – ob bewusst oder unbewusst, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass sich die SPÖ mit dem Gedanken anfreunden muss, das Kanzleramt zu verlieren.“ Gemeint ist ein Statement Kanzler Kerns in der letzten Parlamentssitzung, als der Weg zu Neuwahlen freigemacht wurde.

„Krone“ zu grünen Turbulenzen (Facebook)

In den letzten Monaten kam es für die Grünen dicke, da zuerst Parteichefin Eva Glawischnig von den Jungen Grünen öffentlich attackiert wurde (die nach ihrem Rücktritt bschlossen, gemeinsam mit der KPÖ zu kandidieren) und jetzt der vermeintliche „Aufdecker“ Peter Pilz gegen sie antritt. Doch dies schadet auch der SPÖ, wie Kittner meint: „Die SPÖ startet mit einem satten Rückstand auf die ÖVP in diesen Nationalratswahlkampf. Die Kandidatur von Peter Pilz ist ein herber Schlag für die Sozialdemokraten. Bis vor Kurzem lag die SPÖ in seriösen Umfragen knapp unter 30 Prozent, weil sie von der Schwäche der Grünen profitierte. Diese Leih-Stimmen wandern nun zu Pilz, wodurch die SPÖ weit hinter die ÖVP zurückfällt. Und je größer der Abstand, desto schwerer ist er logischerweise aufzuholen.“ Was wäre, wenn-Gedankenspiele mit Pilz bedeuten auch, dass Rot-Blau als inzwischen propagierte Alternative zu Rot-Schwarz rein rechnerisch nicht mehr möglich sein wird.

Kern übernimmt zwar Forderungen der FPÖ betreffend Masseneinwanderung, sieht sich aber damit konfrontiert, dass seine Ehefrau Eveline Steinberger-Kern bei der Anti-FPÖ-Plattform von Hans Peter Haselsteiner mitmacht.  „Auch die Entscheidung der Kanzlertruppe, für Pilz den Eurofighter-Ausschuss aufzubereiten, entpuppt sich als krasser Doppelfehler. Statt dass Pilz, wie von den Roten erhofft, den schwarz-blauen Fliegerankauf aufwärmte, zeigt Pilz Ex-SPÖ-Minister Norbert Darabos bei der Staatsanwaltschaft an. Nicht zuletzt bildete der U-Ausschuss auch die Startrampe für die Pilz-Liste.“ Das mag nun die „Kurier“-Redakteurin überraschen, doch es war logisch,  dass Darabos ins Visier genommen wird – von wem wirklich, erkläre ich in einer Sachverhaltsdarstellung an di e Staatsanwaltschaft Wien. Die SPÖ muss jetzt jedenfalls alle Hoffnungen in ihren „Kampfhahn“ legen, also auf Christian Kern setzen. Der andere Hahn im linksrotgrünen Ring wird medial wie eh und je mit allen Mitteln gepusht, auch indem alte Klischees über „die Basis“ aufgewärmt werden.  Tatsächlich war eigenständige und denkende Basis Pilz immer lästig, wobei gegen diese auch verdeckt vorgegangen wurde.

Ulrike Lunacek im „Falter“

Es ist nachvollziehbar, dass viele Grüne in der Pilz-Show gekränkte männliche Eitelkeit sehen und in Wahrheit schon lange die Nase voll haben von seinem Solotrip. Zwar inszeniert er sich auch mithilfe seiner Medienfreunde als unverzichtbar, doch er hat auch viele in den Grünen gemobbt, die ansatzweise zur Konkurrenz werden hätten können. Da ihm die Presse in der Regel alles nachbetet, gilt er nach wie vor als großer Aufdecker, sodass die seit Wochen von ihm angegriffenen Grünen froh sind, dass er nach seinem Ausscheiden aus dem Parlamentsklub für sie noch den Eurofighter-U-Ausschuss-Bericht anfertigt. Die stärkere Konsensorientierung von Frauen und der Wunsch, eher mit Sachpolitik als mit Skandalisierung zu punkten, ist zwar lobenswert, bedeutet aber auch, den Hühnerhof den Hähnen zu überlassen. Die Grünen haben mit Ulrike Lunacek die einzige Spitzenkandidatin bei dieser Wahl (wie bei vorangegangenen standen sonst Männer vorne), sofern man das Bündnis zwischen NEOS und Irmgard Griss nicht dazu zählt.

Als Pilz 1986 durch einen Putsch gegen die gewählte Liste ins Parlament kam,  blieben dabei Frauen wie die feministische Autorin Erica Fischer auf der Strecke. Außer Freda Meissner-Blau gab es dann nur Männer als Spitzenkandidaten der Grundmandats-  und Reststimmenlisten, sodass eine Frau und sieben Männer ins Parlament kamen. Fischer erinnerte sich in ihrem Buch „mannhaft“ daran und kritisiert, dass zwar Vollsgruppen (über den Kärtner Slowenen Karel Smolle) und Behinderte (durch Manfred Srb) vertreten waren, Srb aber die Frauenagenden ebenfalls wahrnehmen musste. Damals wurde der Bgriff „Bundesnotwendigkeiten“ verwendet, was de facto ein Synonym für angeblich unersetzliche Männer ist. An Treffen, die der Kandidatur bei vorverlegten Nationalratswahlen vorangingen, konnte nur teilnehmen, wer entsprechende zeitliche und finanzielle Ressourcen hatte, doch darüber verfügten auch einige Frauen.

Die derzeit einzige Landeshauptfrau (Google)

Offenbar waren sie strategisch weniger erfahren, konnten sich nicht unentbehrlich machen und ließen sich auch leicht gegeneinander ausspielen. Fischer stellte hier Frauen gegenüber, die eigene (feministische) Inhalte hatten und Frauen, die einfach auch dabei waren ohne besondere Ansprüche zu haben. Die Autorin erinnerte sich an ermüdende Sitzungen, bei denen Männer das Fell des Bären (also die „Macht“) verteilten, noch ehe es einen (vorzeitigen) Wahltermin gab. Am 4. Oktober 1986 wurden Andrea Komlosy von der Alternativen Liste und Erica Fischer an die Spitze der Wiener Liste gewählt, während Peter Pilz nur auf Platz 8 kam. Deshalb wurde die Liste umgestürzt und man warf anderen das eigene Verhalten vor, nämlich einen Putsch inszeniert zu haben. Fischer schrieb darüber, dass Medien einen „dämonischen Mann im Hintergrund als Drahtzieher aufbauten (das lenkte von den „Drahtziehern“ hinter Pilz und Co. ab).

Sie schloß aus diesen Erfahrungen, dass Frauen nicht auf die Solidarität von Männern zählen können, sich leicht gegen andere Frauen benutzen lassen und grüne Männer in Hinkunft wenigstens aus optischen Gründen mehr Frauen aufstellen werden. Fischer sprach auch von „subtil scheinenden, in Wirklichkeit aber äußerst brutalen Mechanismen der Männermacht“, denn alle Frauen „ausgeliefert“ seien. Sie weist auf Fotoseserien zur Körpersprache von Frauen und Männern hin, wo die einen wenig Raum beanspruchen, während die anderen breitbeinig dasitzen. Und sie bringt als Beispiel für weibliches,  Männer unterstützendes Kommunikationsverhalten ausgerechnet eine von Senta Trömel-Plötz analysierte Fernsehdiskussion zwischen Alice Schwarzer und Rudolf Augstein. Er beanspruchte zwei Drittel der Redezeit, sie eines; er nahm Lob und Komplimente an und lobte selbst kaum;  er unterbrach sie dauernd, sie ihn selten, wobei sie aber immer wieder unterstützende Bemerkungen wie mhm, ja, genau machte.

Kampagne der „Brigitte“

Fischer weist auch darauf hin, dass man(n) mit traditionell männlichem Denken, dass auf Konkurrenz und Durchsetzungsfähigkeit ausgerichtet ist, oft total naiv ist gegenüber dem Innenleben anderer. Demzufolge merken Frauen eher, wo etwas ganz und gar nicht stimmt, und erkennen leichter, was in anderen vorgeht. Das sollte auch in der Politik angesagt sein, wo aber viele Frauen (auch unter den Berichterstattenden) dem folgen, wie Männer andere und deren Lage einschätzen. Dass Ulrike Lunacek anders agiert als die Herren Spitzenkandidaten und Pilz, wird ihr medial bereits vorgehalten. Wäre es aber tatsächlich „typisch männlich“, in dieser Situation in die Offensive zu gehen und präsenter zu sin? Wenn Frauen sonst Männern Vorbehaltenes tun, können andere Frauen oft nicht mit und Männer kaum glauben, dass eine Frau sowas macht oder sich mit so etwas beschäftigt. Daran hat sich trotz Quotendiskussionen sehr wenig geändert seit der Zeit erster grüner Listenerstellungen. So geht es auch mir, wenn ich mich mit Sicherheitspolitik befasse (ein Thema, das ich einst in den Grünen entdeckte) oder eine ganz andere, aber faktnbasierte Darstellung der Eurofighter-Causa publiziere als sie andere auf Pilz beruhend verbreiten.

Und da kommt mir zugute, dass ich eben nicht „männlich naiv“ bin, was das Innenleben anderer betrifft und mir vorstellen kann, wie man(n) unter massivem Druck drauf ist. Da ich Zusammenhänge erklären kann, die andere nicht sehen oder gar oft unbeabsichtigt vrschleiern, wird mir natürlich auch zugesetzt. Vor zehn Jahren hatte ich ein geregeltes Einkommen, eine teils abbezahlte Wohnung am Wienerberg, viele Bücher und mehrere Katzen. Dann kam ich mit den hier gegenüber der Staatsanwaltschaft Wien dargestellten verfassungs. und rechtswidrigen Zuständen im Verteidigungsministerium in Berührung und kein Stein blieb auf dem anderen. Gelegentlich gab es Solidarität, aber auch viel Grausamkeit, Brutalität, Mauern, Gleichgültigkeit und Im Stich Lassen. Der letzte Tiefschlag ist, dass mein Kater Athos (14, 5 Jahre alt) zu fressen aufhörte, sich nicht mehr dazu ermuntern ließ, etwas zu sich zu nehmen und verschwand, um zu sterben. Dies macht mir auch deutlich, dass ich mein früheres Leben tatsächlich unwiederbringlich verloren habe, denn dazu war er ein wichtiges Bindeglied.

PS:  Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

 

 

 

 

 

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5 Gedanken zu “Hahnenkämpfe vs. weibliche Politik

  1. in meinem Umfeld wählen alle Frauen FPÖ, aus Zorn wegen der Massenmigration von Muslimen, Afrikanern und anderen Männern aus aller Herren Länder…

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    1. Es wird viele Frauen geben, die das nicht tun – aber dass die FPÖ mehr Zulauf von Frauen hat als frühe ist durchaus plausibel…

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  2. wieder ein guter kommentar! und kopf hoch wegen dem verlust des hauskaters…

    am besten wäre es wenn männer und frauen GEMEINSAM politik machen würden…

    aber oft funktioniert schon eine familie nicht, weil mann und frau nicht an einem strang ziehen können, wenn es um das persönlichste umfeld geht…

    wenn dann mehrere männer und mehrere frauen zusammenspielen sollten, dann ist imponiergehabe und rangordnungskampf in dauerschleife angesagt…

    (es sei denn es geht gerade ums nackte überleben)

    das betrifft männlein wie weiblein gleichermaßen, wenn auch die weibchen oft ein bisschen weniger offensichtlich kämpfen, so sind sie doch meister in der verdeckten kriegsführung…

    deshalb wird hinter nahezu jedem erfolg-reichen mann weiterhin eine frau stehen, die im hintergrund die fäden zieht…

    während das umgekehrt sehr selten der fall sein wird, weil männern es oft zu blöd ist im hintergrund zu agieren (bzw sie tatsächlich zu blöd dafür sind?)…

    so rein menschlich betrachtet, meine ich… 😉

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