Mit Wehmut – Willy Wimmer über Helmut Kohl

Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl ist im Alter von 87 Jahren verstorben; sein Weggefährte Willy Wimmer erinnert sich an Gespräche, die er mit ihm nach dessen Ausscheiden aus der Politik geführt hat. Vielen brachte Wimmer in den letzten Jahren einen anderen Blick auf Helmut Kohl nahe, da er überzeugend vermitteln konnte, dass es z.B. den Kosovokrieg mit ihm nicht gegeben hätte:

2006 unterschied sich als Jahr nicht von dem, was ich zuvor gesehen hatte. Seit seinem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag kam ich regelmäßig und in kurzen Abständen mit dem Bundeskanzler zusammen. Sein Büro „Unter den Linden“ war ein sicherer Gesprächsort. Vorher waren es die Amtsräume im Kanzleramt in Bonn. Zu jener Zeit trieb uns wieder einmal die Sorge um einen weiteren Krieg um, ein Krieg gegen den Iran. Mit Helmut Kohl als deutschem Bundeskanzler hätte es schon nicht den völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien gegeben. Mit den dazu gehörenden Vier-Augen Gesprächen mit dem jugoslawischen Präsidenten Milosevic hatte der Bundeskanzler mich betraut.

Sondersendung zum Tod Kohls

Jetzt drohte nach einer gemeinsamen Einschätzung der nächste Krieg und ich erlebte in unseren Diskussionen wieder den Bundeskanzler, wie ich ihn als Vorsitzender der CDU-Niederrhein mit ihren damals 27000 Mitgliedern und später als Kabinettsmitglied
erleben konnte. Es kannte die Geschichte, ihm waren die Motive geläufig, Akteure schätzte er ein, die Scharniere der Welt waren ihm vertraut. Ich sagte ihm, daß nach meiner Einschätzung die Nation in der Stunde der Not – und das würde dieser Krieg bedeuten – zwei Persönlichkeiten vertrauen würde: Helmut Schmidt (mit dem er nicht redete) und er. Beide müßten sich in dieser Lage an die Nation wenden und ich regte dazu an, daß ich das Gespräch mit seinem Amtsvorgänger suchen wolle, um das zu bewerkstelligen.  Ohne jedes Zögern sagte er nur:“ Mach“. So kannte ich ihn über Jahrzehnte.

 

Kohl-Biografie 2015

Er war präzise, immer zu erreichen und bei seinen Aufträgen eindeutig. Von ihm erfuhr ich in zwei Punkten, worauf es ihm ankam und er überließ es mir, das Ergebnis zu erreichen. Die Gespräche mit seinem Amtsvorgänger Helmut Schmidt fanden in seinen Räumlichkeiten im Verlag der „Zeit“ in Hamburg statt. Sie zogen sich über Stunden hin, weil es keinen Aspekt in der weltpolitischen Beurteilung ergab, den wir nicht teilten. Aber zwei Sätze, die Bundeskanzler Helmut Schmidt mir zum Schluß unseres ersten Gespräches mit auf den Weg gab, haben sich bei mir eingebrannt. Auch deshalb, weil ich das viele Jahre andauernde  Schweigen zwischen beiden Persönlichkeiten kannte: „Sagen Sie bitte Ihrem Herrn Bundeskanzler, daß ich für Gespräche zur Verfügung stehe. Und sagen Sie ihm weiter, daß er bei der Wiedervereinigung alles richtig gemacht hat.“ Vor seiner ersten Knieoperation hat Bundeskanzler Helmut Kohl seinen Vorgänger im Amt, Bundeskanzler Helmut Schmidt, in Hamburg aufgesucht. Deutschland hat in einem kurzen Abstand Helmut Schmidt und Helmut Kohl verloren. Was bleibt unserem Vaterland?

Willy Wimmer, Staatssekretär a.D., 16. 6. 2017

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4 Gedanken zu “Mit Wehmut – Willy Wimmer über Helmut Kohl

  1. Tja sowas Nichtssagendes! Was soll dieser Artikel ? Und es ist eigentlich eher bekannt und belegt, dass es Kohl war der den Jugoslawienkrieg angebahnt hat. Wenn es gegen die SPD/Grünen nicht geht, dann sollten sie es eben machen, weil es so gewollt war von der deutschen Wirtschaft. Laut Monitor hat er schon ca. 1996 seit Geiger, eine riesige Niederlassung des BND in Tirana, Albanien aufbauen lassen, und die „Führungsstruktur“ der UCK, der angeblichen „Kosovo-Ber´freiungsbewegung aufbauen lassen, Ausrüstung geliefert und trainieren lassen. Laut entweder MONITOR oder „The European“ (habs vergessen) Laut Jugo-Geheimdienst hat Kohl 850 Millionen nach Jugoslawien eineschleust ür den Umstutz unter Nutzung der NATO-GLADIO nazi-Organisation. (Siehe z.B. Youtube.com bzgl. Prof. Gansers Gladio Videos) Eigentlich war die UCK nur eine Drogendealerbande die in eine „Befreiungsorganisation“ umgewandelt wurde.

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    1. gibts links dazu? mirist bekannt, dass in der vorbereitung des kosovokrieges der damalige verteidigungsminister volker rühe eine rolle spielte, das wird aber nicht zwangsläufig heissen, dass er dabei unterstützung kohls hatte…

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  2. Erinnert werden soll, dass die Balkanisierung Jugoslawiens bereits in den 1980ern begann und separatistische Bestrebungen seitens des Westens befördert worden waren. Genscher, der damalige Außenminister unter Kohl, forcierte dann eine Politik, die auf die Abspaltung Sloweniens und Kroatiens zielte. Gleichsam drängte Genscher auf deren Anerkennung durch die westliche Wertegemeinschaft.
    Deutschland wollte freie Hand haben, um seine Vormachtstellung in ganz Mitteleuropa auszubauen. Der weitere Gang der Ereignisse bestätigt diese Politik. Jugoslawien als föderative souveräne Republik musste zerstört werden, da sie nicht den Erwartungen der zukünftigen EU (und damit Deutschlands) entsprach.
    Dass es mit Kohl keinen Jugoslawienkrieg gegeben hat, liegt einfach daran, dass dessen Zeit objektiv abgelaufen war.

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