Wie Medien mit Politikern umgehen

Innerhalb von einer Woche sind ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner und Grünen-Chefin Eva Glawischnig zurückgetreten; beide kritisierten in ihren Abschiedsreden auch den Umgang der Medien mit Politikern. Dies führt dazu, dass manche Kommentatoren nun nachdenklich wirken, was ernst gemeint sein und bedeuten kann, dass erzielte Effekte bisher tatsächlich nicht bewusst waren. Es kann auch dafür stehen, dass scheinbares Einlenken nur der Deckmantel dafür ist, weiterhin je nach Agenda zu pushen oder zu bashen, nun aber mit dem Tarnanstrich der Aufrichtigkeit versehen. Niemand kann ernsthaft behaupten, nicht begriffen zu haben, dass Medien der Filter sind, durch den die Bevölkerung Politik wahrnimmt.

Wer vom gewollten Narrativ zu weit abweicht, sich damit auch selbst ins Out begibt, steht ebenso im Visier wie Politiker, die vom Mainstream gebasht werden, weil sie keinen fremden Herren dienen wollen. Dies finden Medienorganisationen bislang ebenso in Ordnung wie diverse Redaktionen, die Lesern und Sehern sonst erklären müssten, dass sie massiv desinformiert haben. „Wie wäre es mit ein bisschen mehr Ponyhof?“ nennt „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak seinen Leitartikel zum „harten Politikerberuf“, an dessen Ende ein „bitterer Abschied“ steht: „Unter dem Druck der eigenen Partei, angesichts schlechter Umfragedaten und von den Giftpfeilen aus klassischen und sozialen Medien verletzt haben innerhalb eines Jahres Werner Faymann, Reinhold Mitterlehner und nun Eva Glawischnig aufgegeben. Alle drei nannten nicht nur die Heckenschützen in den eigenen Reihen, sondern auch persönliche Gründe für die Entscheidung. Allen dreien sah man die Erleichterung nach dem Schritt deutlich an.“

Rücktritt von Vizekanzler MItterlehner, 10. Mai 2017

Nowak blendet aus, dass Glawischnig nur deswegen als Quereinsteigerin ins Parlament kommen und Parteichefin werden konnte, weil die Partei vorher ohne den geringsten Anflug von Menschlichkeit von jenen gesäubert wurde, die keiner fremden Agenda dienen wollten. Er sieht die Ex-Klubchefin als Opfer von Männerintrigen: „Alte, giftige, frustrierte Männer, deren politische Lebensaufgabe darin besteht, andere schlechtzumachen und ihnen zu schaden. Im Idealfall jene aus der eigenen oder einstigen Partei. Die Entfernung dieser Dinosaurier aus Ämtern und Parteien wäre übrigens eine dankenswerte Forderung des anlaufenden Frauenvolksbegehrens gewesen. Die Debattenkultur würde schnell besser und sachlicher werden.“ Dies folgt der Linie, mit der die Grünen Ulrike Lunacek als Spitzenkandidatin und Ingrid Felipe als Bundessprecherin verkaufen, denn geteilte Funktionen werden da als Lösung betrachtet, die männlicher Machtakkumulation entgegensteht.

Wiederum ist das politische Gedächtnis schlecht, da Peter Pilz 1992 mit allen Mitteln als erster Bundessprecher durchgesetzt wurde, als er Mandatar in Wien war, was erforderte, die vorher geltende Trennung von Amt und Mandat aufzugeben. Da Pilz damals aber auch Propaganda für eine US-Militärintervention in Bosnien machte, der Parlamentsklub sofort brav folgte und gegen widerspenstige „Basis“ vorgegangen wurde, ließ sich eruieren, wer die Grünen steuert, was mir dann zum Verhängnis wurde. Glawischnig sprach von „zutiefst sexistischen Machos“, was Nowak so aufgreift: „Manchen Kollegen, Postern und Schreibern scheint jedes Augenmaß abhandengekommen zu sein, jeder Respekt im Umgang miteinander verloren gegangen zu sein.“ Und er schreibt: „Dass dieser vor der Privatsphäre Einzelner, die in Österreich immer geschützt wurde, auch nicht mehr haltmacht, ist ein besonders bedrohliches Zeichen. Politiker sind davon mehr betroffen als andere. Geht die Entwicklung so weiter, werden wir bald nicht mehr nur mittelmäßiges Personal für diese Jobs finden, sondern gar keines mehr. Und nein, das ist keine Verteidigung des Systems, sondern eine Verteidigung der Spielregeln.“

Rücktritt von Werner Faymann am 9. Mai 2016

Dabei vergisst Nowak, dass Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos u.a. über das Forum der „Presse“ bedroht wurde unter Verweis auf seine Familie und man ihn dazu aufforderte, sich Ex-Kabinettschef Stefan Kammerhofer zu fügen. Der Verfassung nach hat der Minister das Weisungsrecht und die Befehls- und Verfügungsgewalt über das Bundesheer, während der Kabinettschef ausschliesslich echte Ministerweisungen eins zu eins weitergeben darf. Die „Presse“ machte aber auch eifrig mit beim üblichen Darabos-Bashing und dachte nie laut darüber nach, ob er vielleicht deshalb nicht einmal für den Generalstabschef zu sprechen ist, weil er nicht nur abgeschottet wird, sondern auch – da er sich wie gesagt „fügen“ muss, sich dies also gefallen lässt  -, Druck und Überwachung im Spiel sind. „Presse“-Innenpolitik-Redakteur Thomas Prior meinte mal zu mir, dass er selbst sich nicht auskenne in Fragen der Landesverteidigung oder der Bundesverfassung und dass es auch in der SPÖ heiße, Darabos werde „halt abgeschirmt“.

Was da vor sich geht, wie das möglich ist, was dies bedeutet waren und sind aber auch angesichts des Eurofighter-Ausschusses, in dem Darabos am 1. Juni aussagen soll, für „Presse“ und Co. keine Themen. Weit schlimmer als ein paar negative Kommentare über lange gehypte Politiker ist es, wenn Medien ein falsches Bild erzeugen und so zu Handlangern derer werden, die Politiker bedrohen. So lächerlich es ist, Darabos als „Ex-Zivi, der sich nicht fürs Heer interessiert“ darzustellen, so leicht geht es bei der Masse der Oberflächlichen und der stark emotional Gesteuerten hinein. Letztere können sich durchaus für intellektuell und gebildet halten; wenn bei ihnen aber persönliche Eitelkeit eine große Rolle spielt, beleidigt es sie, wenn jemand nicht mit ihnen redet und sie verstehen nicht, was es bedeutet, dass so viele andere die gleiche Erfahrung machen.

Drohposting in der „Presse“ ist für diese absolut okay

Die „Härten“ der Politik haben zwar auch etwas mit Gender zu tun (dies zeigt ja auch die „Ex-Zivi“-Falle), doch nicht in dem Ausmaß, wie es manche gerne hätten. Denn die „starken Frauen“ der Grünen (so die Selbstbeschreibung) halten sich brav an die Bereiche, zu denen sie Stellung nehmen sollen (etwa „refugees welcome„); Sicherheitspolitik gehörte nie zu den Fragen, wo Frauen sich auskennen sollen; dies war auch meine frühere Erfahrung. Es bleiben stattdessen Zweifel, ob Frauen beim Abgang der Parteichefin die Fäden mit-gezogen haben, auch wenn Flora Petrik von den Jüngen Grünen scheinbar eine aktive Rolle spielte. „Daten, Umfragen und Angst vor Ehrlichkeit“ nennt „Kurier“-Herausgeber Helmut Brandstätter seinen Kommentar: „Emotionen zeigen, das lassen Frauen und Männer in der Politik manchmal bei Amtsantritt und oft beim Abschied zu: Jubel, Umarmungen, Tränen.

Da wirken sie dann für einen kurzen Augenblick echt, zwischendurch wird eine ‚Authentizität‘ antrainiert, die genauso fremd wirkt wie dieser Ausdruck. Und entsprechend befremdlich wirken Politiker bei vielen Auftritten, also meistens, weil ihr Leben ja inzwischen ständig öffentlich ist, und sei es nur über die (un)-sozialen Medien. Aber warum ist Ehrlichkeit in der Politik so selten? Und ist sie wirklich gefährlich?“ Letzteres kann man, siehe Beispiel Darabos, in manchen Fällen mit JA beantworten. Was das Verhalten gegenüber den Medien betrifft, wissen mehr Politiker als es den Anschein hat, dass diese etwa beim Schönredeń und Forcieren illegaler Masseneinwanderung einer Agenda dienen. Gäbe es tatsächlich Pressefreiheit und keinen massiven Einfluß von außen, könnten Akteure auf der politischen Bühne authentisch sein, da sie dann an ihren Leistungen gemessen würden und es Thema wäre, wenn der Eindruck entsteht, dass sie unter Druck gesetzt werden.

Rücktritt von Eva Glawischnig, 18. Mai 2017

Darabos war als Befehlshaber des Heeres auch „militärisches Rechtsgut“, welches das Abwehramt entgegen seinem Auftrag nicht schützen wollte, was bedeutet, dass der eigene Chef im Stich gelassen wurde – diese und andere Fakten habe ich immer wieder thematisiert, wurde dafür bis zum Wohnungsverlust schikaniert und stieß etwa beim Frauennetzwerk Medien auf verschlossene Türen. Dies ironischer Weise zu einem Zeitpunkt, als die derzeitige grüne Pressesprecherin Karin Strobl Vorsitzende war und noch für die Regionalmedien arbeitete. Man kann die scheinbare Einsicht in den Redaktionen, dass sich der Umgang mit Politikern ändern muss, jetzt auf die Probe stellen. Wer ist bereit,  die eigene Berichterstattung und die anderer im Hinblick auf den Eurofighter-Ausschuss neu zu bewerten und neue Recherchen anzustellen? Und wer setzt auch den zweiten Schritt,  diese neuen Betrachtungen zu veröffentlichen und so seit vielen Jahren zum ersten Mal ehrlich und aufrichtig zu sein? Während Bashen einschüchtert, isoliert, den Menschen auch in der eigenen Partei falsche Vorstellungen vermittelt, wiegt Pushen in falscher Sicherheit.

Dies musste auch Reinhold Mitterlehner erleben, dem man nach seinem Amtsantritt an der ÖVP-Spitze einen „Django-Effekt“ zuschrieb. Als er abmontiert wurde, waren aber die Medien und andere Parteien ebenfalls mit an Bord. Wie Personen emporgehoben werden, sieht man auch daran, wie der „Standard“ Ingrid Felipe porträtiert: „Seit Felipe als Vize an der Seite von ÖVP-Landeshauptmann Günther Platter reüssiert, ist sie untergriffigen Anfeindungen ausgesetzt. Im stockkonservativen Tirol hatten viele ein Problem damit, dass plötzlich eine junge Alleinerzieherin mitregiert.“ Zahlreiche User verwehren sich empört gegen die Vorstellung, dass Tirol so hinterwäldlerisch sein soll, was dann z.B. so klingt: „Der Artikel liest sich ein bisschen wie ein Facebookprofil. Immerhin habe ich jetzt viel Triviales über sie erfahren. Gegenwind hat sie erfahren, weil sie Alleinerzieherin im stockkonservativen Tirol ist? Woher bezieht der Autor sein Weltbild? Aus Franz Antel-Filmen??“ Bejubelt wurde auch Christian Kern, den Andreas Unterberger recht nüchtern darstellt: „Offenbar fehlt ihm halt doch jedes politische wie taktische Gespür, jede Erfahrung. Offenbar fehlt ihm auch die Intelligenz, um auch nur zwei Spielzüge vorauszudenken. Offenbar ist er ziemlich hilflos, wenn er im Zeitdruck allein und ohne Vorbereitungen von Spin-Doktoren agieren muss.“

PS: Auch Bundespräsident Alexander Vań der Bellen fordert jetzt „Runter mit den Gehässigkeiten„, also Achtsamkeit im Umgang miteinander. Für ihn bzw. seine Adjuntatur ist es aber in Ordnung, dass ich weit mehr als nur „Gehässigkeiten“ ausgesetzt bin,weil ich Mißstände im Bereich BMLVS thematisiere…

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6 Gedanken zu “Wie Medien mit Politikern umgehen

  1. Der Nowak sollte sich schön mit seinen linxgrünen Kommentaren zurück halten. Wo war seine Empörung als Mitterlehner medial zerlgt wurde? Letztes Jahr haben er und seine Tintenstrolche Norbert Hofer täglich mit Hass überschüttet. Vom Hass gegenüber Trump rede ich erst gar nicht.
    Komischerweise meldet er sich dann zu Wort wenn es um eine GrünIn geht.
    So sind die heutigen MSM-Tintenstrolche, Opportunisten durch und durch.
    Dass die Presse von Soros finanziert wird braucht man hier nicht extra erwähnen.

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  2. und zum Thema Ponyhof..Politiker bekommen massenhaft Abfertigungen, und gehen mit einer nicht ASVG gedeckelten Pension ..DAS IST PONYHOF PUR
    von wem wird der Nowak geschmiert?

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