Wie wir in den Krieg gehetzt werden

Seltsamerweise gleichen einander derzeit US-Alternativmedien und der von ihnen so sehr kritisierte Mainstream; es scheint, dass überall Kriegshetzer am Werk sind. In den traditionellen Medien wird Präsident Trump plötzlich nur mehr mit halber Kraft gebasht, kaum dass er „America First“ anscheinend vergessen hat. „Irre“ und „wahnsinnig“ ist er jedenfalls nicht mehr, während vielfach vom „irren Kim“ die Rede ist. Kaum wurde eine „Megabombe“ in Afghanistan abgeworfen, scheint ein Angriff auf Nordkorea bevorzustehen.

Manchen bleibt als Trost, dass alles mit Clinton noch wesentlich ärger wäre, da sie im Wahlkampf dauernd mit Bodentruppen in Syrien und zumindest einer Cyberattacke auf Russland drohte. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, dass sie die Kandidatin der Neocons und des deep state war, denn sie muss sich „als Frau“ auch als besonders tough erweisen. Da Trump ohnehin als Obermacho gebrandmarkt wurde, der dauernd seine Muskeln spielen ließ, besteht eine gewisse Chance, dass seine Aktionen bislang nur Drohgebärden sind, denen nicht unbedingt mehr folgen wird. Abseits der allgemeinen medialen Hysterie muss man aber ganz nüchtern fragen, ob Nordkorea überhaupt erfolgreich Atomwaffentests absolviert hat, da es nicht viel mehr als seismische Beweise gibt.

Webseite von „Österreich

Wer sich informieren will, findet eine Menge neuerer Artikel, die auch verneinen, dass Nordkorea die USA mit Atomwaffen bedrohen kann. Derlei globale Beachtung wird dem als „irre“ beschriebenen Diktator natürlich schmeicheln, während vernünftige Stimmen wie Willy Wimmer auf die Geschichte des Landes und die Folgen des (US-) Koreakrieges hinweisen. Manche meinen, Nordkorea könne Japan, China, Südkorea und eine der vielen US-Basen in der Region treffen; außerdem geht es natürlich um Bodenschätze. Was die größte nicht-nukleare Bombe im US-Arsenal betrifft, klärt Steve Pieczenik auf, der früher für das US State Department arbeitete: „On April 12, 2017, DOD dropped a 21,600 pound GBU-43/B on ISIS tunnels in Nanghar province, Afghanistan. The bomb is officially titled: ‚Massive Ordinance Air Blast [MOAB]‘ It is informally known as the ‚Mother of All Bombs‘ and was used in the fifteen year war in Afghanistan.“ (DOD steht für Department of Defense)

Im Twitterfeed von Journalisten und Journalistinnen und in Medienkommentaren fällt auf, dass „Mother of All Bombs“ als zynisch betrachtet wird; eine Journalistin kann sich nicht überwinden, „Mutter“ zu sagen und verwendet lieber den Begriff „Vater“. Dies erinnert an „Fathering the Unthinkable: Masculinity, Scientists, and the Nuclear Arms Race“, eine 1983 veröffentlichte Analyse von Brian Easlea (deutsch: „Väter der Vernichtung“). Lange ehe es Gender Studies gab, war Easlea einer von wenigen patriachatskritischen Wissenschaftern, der etwa thematisierte, dass die Entwicklung und der Bau von Atomwaffen für die beteiligten Männer so etwas wie Vaterschaft war, samt Geburtserlebnis (Söhne, wenn ein Test glückte, Töchter, wenn er fehlschlug). Er entdeckte Metaphern vom „schwangeren Phallus“, da es diesen Männern auch darum ging, Frauen ihre „Macht“ über die Natur (Gebärfähigkeit) streitig zu machen.

Ebenfalls in den 1980er Jahren veröffentlichte Carol Cohn ihre Studie „Sex and Death in the Rational World of Defense Intellectuals“, die mit diesen Worten beginnt: „Lauscht man den Reden jener, deren Beruf die intellektuelle Beschäftigung mit militärischer Verteidigung ist, so verblüffen die emotionalen Untertöne in diesem von Männern beherrschten Diskurs. Doch wer selbst ihre Sprache erlernt, bemerkt zwangsläufig, wie abstrakt Denken werden kann – so abstrakt, daß das Überleben von Waffen das Überleben von Menschen dominiert.“ So überraschend ist dies nicht, sind doch auch beim österreichischen Bundesheer maßgebliche Männer höchst emotional und sehr oft auch sexistisch unterwegs, was sich nicht mit Vorstellungen rationaler militärischer Lagebeurteilung verträgt.

Auf der Webseite von Infowars

Nach einem 1984 besuchten Seminar tauchte Cohn in die Welt der Verteidigungsintellektuellen ein: „Als Leserin war mir die sonderbare Sprache im Zusammenhang mit dem Atomkrieg schon zuvor begegnet. Doch war es etwas anderes, sie gesprochen zu hören. Zunächst fällt der häufige Gebrauch von abstrakten Begriffen und Beschönigungen auf, mit deren Hilfe nahezu endlose Diskussionen über den nuklearen Holocaust geführt werden können, ohne je den Sprechenden zu zwingen oder den Zuhörer zu befähigen, mit der hinter den Worten liegenden Realität in Berührung zu kommen.“ Sie analysierte, wie Sprache Wirklichkeiten schafft, was ja auch bei Kriegshetze der Fall ist: „Daß Reagan die MX-Rakete in ‚Peacekeeper‘ umtaufte, trug ihm reichlich Spott aus den Reihen der Verteidigungsexperten ein: gleichwohl sind es dieselben Experten, die diese Waffe als ‚Schadensbegrenzungswaffe‘ bezeichnen.“

Solche  Beispiele „zeigen die erschreckende Kluft zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, die die technostrategische Sprache auszeichnet. Sie verweisen überdies darauf, in welch furchterregendem Maße die Existenz von Kernwaffen unsere Wahrnehmung verzerrt und unsere Welt neubestimmt hat. Der Ausdruck ’saubere Bomben‘ suggeriert, die Radioaktivität sei das einzig ‚Schmutzige‘ am Töten von Menschen. Es fällt schwer zu glauben, daß derart gesäuberte Abstraktionen nicht die Funktion erfüllen, die unkontrollierte Schmutzigkeit der Tatsachen zu leugnen, die zu schaffen man im Begriff ist. Wir haben nicht nur ’saubere Bomben‘, sondern auch ‚chirurgisch saubere Schläge‘: ‚Counterforce‘-Angriffe mit dem Ziel, die Waffen oder Befehlszentralen eines Gegners ‚auszuräumen‘ – soll heißen: zu zerstören –, ohne anderweitig nennenswerte Schäden zu verursachen. Nur, daß das chirurgische Werkzeug nicht ein mit Umsicht geführtes Skalpell, sondern ein atomarer Sprengkopf ist – da bleibt einem das Lachen im Halse stecken.“

Spätestens seit dem Golfkrieg 1991 und der Allgegenwart von CNN sind „chirurgisch saubere Schläge“ als höhnischer Euphemismus ins allgemeine Bewusstsein gedrungen. Cohn erwartete, dass sie Männer unbemerkt belauschen müsse, um sie ungeniert vom Leder ziehen zu hören, doch weit gefehlt: „Nichts wies darauf hin, daß feministische Kritik jemals die Ohren dieser Männer – von ihrem Bewußtsein ganz zu schweigen – erreicht hatte. Die militärische Abhängigkeit der USA von Kernwaffen wurde unter anderem mit den Worten: ‚Überwältigend! Du kriegst mehr Bums für’s Geld‘ (‚more bang for the buck‘) erklärt. Feierlich wurde doziert: ‚Abrüsten heißt, Du verschleuderst Dein ganzes Zeug‘ (‚To disarm is to get rid of all your stuff‘). Ein Professor begründete die Unterbringung der MX-Rakete in den Silos der neuesten Minuteman-Raketen damit, daß sie da im hübschesten Loch sind – man nimmt doch nicht die hübscheste Rakete, die man hat, und steckt sie in ein mieses Loch. Andere Vorträge strotzen vor Erörterung über Abschüsse aus vertikal aufgerichteter Position (‚vertical erector launchers‘), das Verhältnis von Stoß und Gewicht, sanftes Hinlegen, tiefes Eindringen und die Vorteile eines hinausgezögerten gegenüber einem spasmischen Angriff – oder das, was ein Militärberater des nationalen Sicherheitsrates ‚Entladen von 70 bis 80 Prozent unserer Megatonnage in einem orgiastischen Stoß‘ nannte.“

Tatsächlich ist in diesen Kreisen von „Raketenstreicheln“ die Rede und davon, dass US-Atomwaffen in Europa stationiert sind, „damit unsere Verbündeten sie streicheln können“. In Los Alamos hieß die Atombombe „Oppernheimers Baby“, während man die Wasserstoffbombe in Lawrence Livermore „Tellers Baby“ nannte. Kriegstreiber in Medien und Politik verwenden keine Metaphern von Sexualität und Geburt, verschleiern ihr Tun aber in verbaler Kraftmeierei und Dominanzgesten. Und auch jene, die einfach schweigen oder sich ausschließlich für Kinderbilder siehe Syrien interessieren, die ebenfalls zu Propagandazwecken verwendet werden, tragen ihren Teil bei. Der eingangs zitierte Steve Pieczenik meint, es sei Unsinn, mit der „Mother of all Bombs“ einen verheerenden psychologischen Effekt auf den Gegner zu verbinden:

„This useless bomb has cost us American taxpayers billions of dollars. It was created by Albert L. Weimorts at the McAlester Army Ammunition Plant [Oklahoma] in 2003 in support of the failed ‘shock and awe’ strategy of the Iraq War. There is no amount of firepower or new bombs that will make any of the CIA/MI created Taliban, Al Qaeda, and ISIS groups recoil from anything other than that they have been funded and nurtured by ourselves, the Saudis, Jordan and our best ally in the Middle East—Israel.“ Ohne die USA gäbe es weder Al Qaida noch den IS und auch keinen seit Jahren in Syrien versuchten regime change.“ Wie viele andere hat Pieczenik Trump unterstützt, weil er ein Gegner der dauernden Einmischung in andere Länder und der ewigen Kriege war. Immerhin wird aus Trumps Umfeld versichert, dass Syrien 2017 für die neue Administration nicht Irak 1991 und 2003 ist.

Wenn sich Trump dem deep state, dem militärisch-industriellen Komplex ergibt, wurde er davor aber einige Monate mit allen Mitteln geprügelt, was bis zu u.a. Soros-finanzierten Umsturzversuchen reicht. Medien zu beiden Seiten des Atlantiks als Sprachrohre der Rüstungsindustrie trugen das Ihre dazu bei, denn sie belegten den neuen Präsidenten mit allen nur denkbaren negativen Bezeichnungen, äußerten Morddrohungen und Putschwünsche und übertrafen einander mit „kritischen“ Titelbildern. Nun wusste Trump natürlich, worauf er sich einlässt, doch alle, die bedenkenlos am Bashing mitwirkten, können jede kommende militärische Eskalation auch auf ihre Kappe nehmen. Es lässt niemanden auf Dauer unberührt, wenn er oder sie einem solchen Trommelfeuer ausgesetzt ist, zumal Trump als einer beschrieben wird, der gerne mit Menschen zu tun hat, was Medienvertreter einschließt, die ihn zu seiner Enttäuschung als Feind betrachten. Übrigens kehrt Talkshow-Host Chelsea Handler die beschriebenen Metaphern um, indem sie Trump „Donnie Schwanz“ nennt. Und natürlich hat das verbale Kräftemessen zwischen den USA und Nordkorea auch etwas Phallisches

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5 Gedanken zu “Wie wir in den Krieg gehetzt werden

  1. Versteifen wir uns nicht darauf das es Bodenschätze gibt. Ein Land kann noch so reich an Bodenschätzen sein, es muss sie auch über Handelswege an den Mann oder die Frau bringen können.

    Siehe bei Syrien und Iran genau hin und erkenne den komplizierten Sachverhalt der eine Gefahr ist für den Petrodollar.

    Umgeht eine Pipeline in Syrien mit Gas aus dem Iran und nicht aus Qatar, die Militärische Macht der USA und wird Gas und Öl nicht in Dollar abgerechnet, so ist der Petrodollar nichts mehr wert.

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  2. Wenn Trump die Islamisten in Syrien bombt, dann schäumt die linke Lügenpresse vor Wut.

    Wenn Trump aber Assad angreift, dann wird Trump von der gleichen Presse als Held gefeiert. Die gleiche Presse, die vor wenigen Tagen Trump noch mit Hitler vergleichen hat.

    Das sagt doch alles aus.

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    1. es ist nicht mehr so, dass man „die“ medien sagen kann, das wurde schon durcheinander gewirbelt. weil manche trump jetzt loben, die andere ihm aber weiterhin zb unberechenbarkeit vorwerfen…

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  3. Manchen bleibt als Trost, dass alles mit Clinton noch wesentlich ärger wäre
    ————
    Es wäre auch bestimmt alles viel schlimmer mit Clinton gewesen. Mit Trump weiss man wo man dran ist. Der Mann ist direkt. Man kann auch sagen er ist ein Verrückter. Er wird bestimmt auch noch verrückte Sachen machen aber nicht zum Schaden seines Volkes. Er wird auch mit Russland und China kein Krieg machen. Mit Trump wird es keinen Atomkrieg geben auch wenn er viel bla bla macht.Syrien war eine Show. Russland war informiert.Man konnte vorher Maßnahmen treffen. In Afghanistan in einem verlassenen Gelände hat Trump dem Irren Kim die Bombe gezeigt. Der Irre Kim muss jetzt überlegen was er macht. Ich sage Trump macht mit dem bald kurzen Prozess ohne das es zum Atomkrieg kommt.Das wird dann alles in echt sein nichts getürktes.Ich glaube die Menschen in N.Korea werden auch froh sein, wenn sie mal frei sind.
    Bei Trump wird die Suppe nicht so heiß gegessen wie sie gekocht wird. Narzisten sind zwar nachtragend man kann aber auch gut auskommen mit Ihnen wenn man weiss wie.Russland und China wissen wie. Die EU noch nicht.

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    1. würde sagen, abwarten – und dem mainstream wie bisher misstrauen. es ist schlimm, dass im bereich medien nichts besser wird; wäre es anders, wäre ich entlastet

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