Im Agentenfieber

Angeblich haben „die Russen“ die US-Wahl gehackt, deshalb wurde Hillary Clinton nicht Präsidentin, die Russland lieber gestern als morgen militärisch angegriffen hätte. Beliebt ist auch, Donald Trump als russischen Agenten zu bezeichnen bzw. auf der anderen Seite von „rogue elements“ in der CIA zu sprechen, die gegen Trump putschten. Clinton fühlt sich auf vom FBI verfolgt, während sie besagte Elemente bei der CIA auf ihrer Seite hat. Und in Österreich hat es für die SPÖ etwas von KGB, wenn die FPÖ ein Abkommen mit Wladimir Putins Partei schliesst.

Was die CIA betrifft, widmet sich Alex Jones von Infowars.com gerne der Rolle, die der Geheimdienst zur Abwechslung mal im Inland spielt, wo man diese Art Einflussnahme doch nur aus der Aktivität im Ausland kennt. Er erntet dafür einiges an Kritik, gegen die ihn Paul Craig Roberts verteidigt: „Alex is certainly correct to stress that elements in the CIA, or someone claiming to be CIA, are planting stories in the media that Russia hacked Hillary’s emails and used the damning information to elect Trump.“ William Binney ist als NSA-Whistleblower bekannt und meine durchaus logisch, dass die NSA Beweise hätte, wenn Russland tatsächlich eingegriffen hätte.

yeltsin

Facebook-Fund: TIME einst und jetzt

Paul Craig Roberts schreibt auch: „What is striking about this controversy is that it is the CIA, not Russia, that is interfering in American elections. The CIA is supposed to be concerned with foreign intelligence. It is not supposed to interfere in US affairs. Yet it is the CIA that is using fake news to delegitimize a president-elect. One member of this operation, Bob Baer, has called for a new election on the basis of the claim that Trump was elected by Russian interference.“ Wer tatsächlich versucht hat, die meist elektronische Wahl zu hacken, ist jedoch das Department of Homeland Security, wie etwa Beschwerden aus dem Bundesstaat Georgia zeigen. Neben diesem Bericht kann man auch einen Artikel über Vermutungen lesen, dass Russland die Wahl beeinflusst habe.

Mit Desinformationskampagnen via Medien hat man erreicht, dass Mitglieder des Electoral College selbst nach einem Geheimdienstbriefung rufen und sich immerhin 62 Wahlpersonen von der CIA beraten haben lassen. Selbstverständlich sind Fake News das Geschäft der Geheimdienste, zumal Medien ja mit diesen eng verwoben sind. So ist auch nachvollziehbar, dass um Trumps tägliche Briefings auch eine Fake News-Debatte entstand, denn er verlässt sich lieber auf Firmen wie Booz Allen Hamilton (wo  bekanntlich Edward Snowden arbeitete) als auf die CIA. In Großbritannien gibt es auch Studien darüber, dass mehr als die Häfte der Auslandskorrespondenten auf der Payroll des MI 6 stehen. Auch Bezahlung durch die CIA kommt nicht nur in Großbritannien oft vor, nicht nur im Journalismus, ebenso in der Wirtschaft bzw. bei Banken.

Jonathan Cook, zu dessen Artikel ich verlinkt habe, fasst zusammen, warum Journalisten für Dienste so attraktiv sind: “ They attempt to recruit journalists to spy on other people or themselves attempt to go under journalistic ‚cover‘. They allow intelligence officers to pose as journalists ‚to write tendentious articles under false names‘.  And ‚the most malicious form‘: they plant intelligence agency propaganda stories on willing journalists who disguise their origin from readers.“ Letzteres bedeutet, dass Redakteure mauern, während sie bei anderen Geschichten, die auch Desinformation sein können, zumindest ein wenig zugänglich sind. Da Journalismus bedeutet, immer Fragen zu stellen und an allem interessiert zu sein, stellt er tatsächlich eine gute Tarnung dar.

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Das heißt, es war bisher so, da nun der Mainstream mit Fake News in Verbindung gebracht wird und selbst Fakes überall sonst, nur nicht bei sich selbst sieht. Welch ungeheure Überheblichkeit in der Blase des embedded journalism entstanden ist, zeigen die nachsichtigen Minen dieser Interviewer, als Team Stronach-Klubobmann Robert Lugar Lügen über Aleppo korrigiert. Klar, dass Lugar dafür auch Kritik in den sozialen Medien von jenen erntet, die auch die Wahrheit über die White Helmets nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Das führt uns wieder zurück zu Behauptungen des Clinton-Lagers, zu dem die erwähnten „rogue elements“ in der CIA gehören, und die etwa vom ehemaligen britischen Botschafter in Usbekistan und heutigen WikiLeaks-Mitarbeiter Craig Murray widerlegt wurden, der die „DNC Hacks“ in Form von Mails  von Insidern bekommen hat.

Dass Memes von Trump und Putin als schwule Männerfreundschaft durch die sozialen Netze geistern, erinnert an Putin-Bashing zu den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotchi und dann zum Putsch in der Ukraine. Dieser ist dank Geheimdienst-Mainstream nur Kritischen als Putsch im Gedächtnis, während sich andere auf die „Annexion der Krim“ fixieren ließen. Paul Craig Roberts beschreibt die Strategie von Obama und Co., die Soros-finanzierte Demonstrationen gegen Trump, den üblichen Intellektuellen-Auftrieb, die Aktivitäten von Michael Moore und anderen ergänzen: „If the effort tomorrow (  = electoral college) fails, President Obama has put in motion a second shot at blocking Trump’s inauguration with his order to the CIA to produce a report on Russian election meddling prior to January 20. This report could be used to delay the inauguration or to convey to the Amerian public and peoples abroad so many doubts that Trump’s effectiveness as a leader would be undermined.

And of course, the constant assaults on Trump can result in his assassination by a ‚lone nut‘  patriot incensed over having in office a president declared by the New York Times to be a Putin stooge and useful idiot for the Russians. This is the newspaper of record’s characterization of the president chosen by the American people. Professor Michel Chossudovsky of Global Research adds another dimension to the struggle—a fight between rival oligarchic interests. Trump and his announced Secretary of State want the business deals that result from normal relations with Russia. The military/security oligarchs want the immense budgets and power that comes from positioning Russia as a dire threat. Even if Trump survives the CIA’s challenge to his election, his cabinet appointees will have to survive confirmation fights and, if they do, ongoing challenges to their efforts to change policies from policies that favor oligarchs enriched by war to policies that favor oligarchs enriched by peace.“

redesignTwitterfund: Trump macht das Weiße Haus zum Kreml

Der Autor Ed Klein sieht die Gefahr, dass Obama sich weiter einmischen will: „For the past 100 years every president who is outgoing has packed up his stuff, gone home and not criticized his successor. This is not what the Obamas are planning to do. They rented an eight-bedroom mansion in the Kalorama section of Washington from Joe Lockhart, who is Bill Clinton’s last press secretary. In that house there’s enough room for Valerie Jarrett as well as Michelle and the kids. A place for ten cars to park. They are setting up what they are calling a shadow government. Klein warnt, dass sich Obama zu vielen Fragen artikulieren und zahlreiche Interviews geben wird. Michael Moore ist bereits dabei, Massenkundgebungen für den Tag von Trumps Inauguration zu organisieren.

Aus der Sicht von Moore und anderen hat Trump kein Recht, das Weiße Haus als Präsident zu betreten, denn er hat kein Mandat. Dabei geht es Moore um die behaupteten Beziehungen zu Russland, sodass er sich paradoxer Weise auf die Seite der in seinen Kreisen sonst kritisierten CIA stellt. Nicht nur der alte TIME-Titel mit Jelzin weist darauf hin, dass die Beeinflussung von Wahlen anderswo für die CIA vollkommen normal ist, auch wenn damit die Souveränität anderer Staaten verletzt wird. Obama selbst soll übrigens gewollt haben, dass die USA versuchen, Putins Wiederwahl zu verhindern. Es wirkt auch seltsam, wenn der FPÖ eine Reise nach Moskau und ein Abkommen mit einer russischen Partei vorgehalten werden, arbeiten doch auch andere Parteien mit russischen Partnern zusammen.

Der Bundesgeschäftsführer der SPÖ Georg Niedermühlbichler muss da gleich an Geheimdienst-Connections denken: „Ein bissl an KGB erinnert das schon. Es ist fraglich, ob die Russen da wirklich die FPÖ brauchen, aber das so in einem Vertrag drinnen zu haben, da haben die Freiheitlichen wohl null nachgedacht. Offenbar ist die FPÖ-Spitze seit der Wahlniederlage von Norbert Hofer noch so umnachtet, dass sie wenig bis gar keine Zeit zum Nachdenken hatte.“ Dass gerade der überstandene Bundespräsidentenwahlkampf Beispiel für den Einsatz Schwarzer Propaganda war und Methoden verwendet wurden, die zum Handwerkszeug von Geheimdiensten gehören, wird ihm nicht bewusst sein, ist er doch dadurch beinflusst, ohne dies zu ahnen.

hackerangriffeDie NZZ auf Twitter

Es ist bezeichnend, dass die SPÖ zur Frage schweigt, ob in ihren eigenen Reihen Einflussnahme etwa der CIA vorliegt oder wie es dazu kommt, dass einer ihrer Spitzenpolitiker, der frühere Verteidigungsminister und nunmehrige Landesrat Nobert Darabos, „Aufpasser“ hat und wahrnehmbar unter Druck steht. Einen Zusammenhang mit seinen Aussagen, die dem „Shadow State“ des US-militärisch-industriellen Komplexes nicht genehm sind, können echte Journalisten durchaus herstellen. Denn politische Berichterstattung bedeutet, sich das jeweils erforderliche Hintergrundwissen anzueignen, etwa im Bereich Geopolitik und Sicherheitspolitik. Übrigens war zu Darabos‘ Ministerzeiten der damalige CIA-Vizechef Mike Morell (einer der Clinton-Leute) mehrmals in Wien, unter anderem dann, als die SPÖ plötzlich ihren Kurs von Wehrpflicht auf Berufsheer änderte.

Zum „Shadow State“ oder „Deep State“ gehört auch der bereits erwähnte Milliardär George Soros, der Masseneinwanderung u.a. nach Europa pusht, gegen Staatsgrenzen agitieren lässt, wie gesagt Demos organisieren lässt und Internet-Zensur mitfinanziert. Eines von Niedermühlbichlers Tabus betrifft einen Besuch von Alexander Soros im Juli bei Kanzler Christian Kern, denn der Sohn reist im Auftrag des Vaters herum und pflegt auch zahlreiche Kontakte zu den US-Demokraten. Der erwähnte CIA-Mann Morell bezeichnet die angeblichen russischen Hacks als „politisches Äquivalent zu 9/11„, was zeigt, wie er an Clintons Rhetorik etwa in TV-Debatten anknüpft. Wie jeder und jede weiss, die / der sich mit Internationalem befasst, wurde 9/11 dazu verwendet, den NATO-Bündnisfall nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags auszurufen.

Clinton wiederum brachte in direkter Konfrontation mit Trump dauernd Russland ins Spiel, sprach von Cyber-Attacken und forderte eine No-Fly-Zone in Syrien, deren Durchsetzung Krieg mit Putin bedeutet hätte. Wie man bspw. am Twitter-Feed des Mainstream sieht, wird immer das unbesehen geglaubt, was von Clinton (und der CIA) kommt, egal ob es um Aussagen im Wahlkampf geht oder jetzt darum, Trump als vermeintlichen „russischen Agenten“ zu verhindern. „The Russians Did It“ wandert schon als Meme durch Facebook z.B. mit einem Hund, der neben einem Haufen zerfetztem Papier sitzt. Es passt aber auf der ernsten Ebene zum beständigen Schüren von Stimmung und dazu, dass der Aufmarsch der NATO gegenüber Russland weitergeht, solange Obama noch Präsident ist.

gefahrfuerreuropa„Österreich“ mit Hugo Portisch gegen Trump

Bei Rainer Mausfeld kann man nachlesen bzw. Videos sehen, in denen er das Empörungsmanagement erklärt, mit dem die Meinungen der meisten gesteuert werden. Sie lassen sich über Gefühle lenken, da z.B. die Millionen Toten auf dem Konto der USA durch Dekontextualisierung und Fragmentierung verschwinden, man sich also die Fakten selbst zusammensuchen muss. Zu beachten ist auch, dass aus der Traumaforschung Wissen darüber abgeleitet wird, wie man Menschen über Trigger manipulieren kann, auf die wiederum rein emotional reagiert wird. Daran muss man denken, wenn man sich selbst wohl eher dafür interessiert, welche Hintergründe der Mord am russischen Botschafter in der Türkei hat oder der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin mit bislang neun Toten.

Selbst wenn man selbst nicht vor Gefühlen für unbekannte Menschen überströmt, kann man Gefahr laufen, Ereignisse falsch einzuordnen. Denn was auch immer dahinter steckt, beides passt zur steigenden Angst vieler vor dem Islam, denen sich andere entgegenstellen, für die alles (Achtung, Trigger!) rassistisch und unmenschlich ist, das Zuzug begrenzen soll. In unseren Breiten sollte die Bedeutung von Weihnachten nicht nur als christliches Fest, sondern auch als Zeit der Ruhe bei nüchterner Analyse eine Rolle spielen. Was die Türkei betrifft, gehört das Attentat ins Syrien-Kriegszenario, das sich ja nach der Befreiung Aleppos wieder ausweiten kann. Und was uns Journalisten unter CIA und BND Einfluss erzählen, sollten wir stets selbst bewerten und unsere Meinung aus vielen Quellen bilden. Wenn Fake News attackiert werden, so geht es natürlich nicht um Mainstream-Lügen, sondern um alternative Nachrichtenangebote im Internet.

Unter diese haben sich auch Seiten gemischt, die wirklich Fake News verbreiten, jedoch bislang nur geringe Reichweite haben. Umso mehr werden Angebote angegriffen, die von Pseudolinken als „rechts“ eingestuft werden, wozu Norbert Häring auch die Werke echter Linker zählt, die er sarkastisch „neurechts“ nennt. Er verortet zudem eine „Nichtmitte“:“Diese nicht genannte Nichtmitte ist die Heimat der guten, politischen Gesinnung und der Wahrheit. Wer die Politik und die Botschaften dieses Lagers kritisiert ist rechter oder neurechter Verschwörungstheoretiker oder gebraucht Argumente, die auch die AfD gebraucht. Rechts und neurechts, das steht neuerdings für Populismus, Fake News, Hetze, Radikalismus, Menschenfeindlichkeit.“

Abgekupfert aus den USA (PropOrNot) gibt es nun auch in Deutschland eine schwarze Liste von angeblich rechtspopulistischen Angeboten, die man als guter Mensch keinesfalls durch Inserate unterstützen darf. Der neue McCarthyism wendet sich natürlich auch gegen vermeintliche (und echte) Unterstützung aus Russland, die uns US-Think Tanks wie das Atlantic Council u.a. puncto Propaganda zur US-Wahl erklären. Allerdings ruft das Council auch zum Cyber Warfare gegen Russland auf, was in Alternativmedien noch am ehesten kritisiert wird. Seltsam, dass niemand beim ständigen „The Russians Did It“ laut „Verschwörungstheorie“ ruft, der Kritiker gerne als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet.

Österreichische Medien, die Regierungsparteien und andere verhalten sich hinsichtlich der Beziehungen der FPÖ zu Russland genau so, wie es das Atlantic Council in einem Papier über „Trojanische Pferde“ des Kreml vorgibt. Diese Veröffentlichung dient übrigens auch als Schützenhilfe für EP-Präsident Martin Schulz, damit er seinen SPD-Konkurrenten Vizekanzler Sigmar Gabriel verdrängen kann. Gerade Gabriel kann man kaum als besonders mutigen Politiker bezeichnen, trägt er doch von Willkommenskultur bis Russland-Sanktionen alles brav mit, was transatlantisch gewollt ist. Als ich Schulz im EU-Wahlkampf 2014 auf verdeckten US-Einfluss in die Sozialdemokratie ansprach (und das Beispiel des damaligen Wahlkampfmanagers in Österreich Darabos brachte), reagierte mit einem unwirschen „das ist alles nicht wahr!“ und wandte sich ab.

Wie der ehemalige Redakteur der Tagesschau Volker Bräutigam im Video oben bemerkt, beschäftigt allein das Pentagon 29.000 Leute zum Erfinden von Nachrichten. Dort endet auch die Kette an Informationen, auf denen z.B. die Öffentlich-Rechtlichen Anstalten aufbauen. Auch die „Clowns in Action“, wie sie Bräutigam nennt, mischen natürlich beim Kreieren von Geschichten mit. Tatsächlich ist das Pentagon extrem aufgeplustert, da auf einen Soldaten auch ein Beschäftigter kommt, also eine Million Angestellte einer Million in der Truppe gegenüber stehen. Eines der größten Probleme für Trump sind Geheimdienste, die nicht nur unter Bürokratie leiden, sondern auch wegen „Group Think“ ihrer eigentlichen Aufgabe nicht nachkommen. Und an diesem Punkt wird es vollends absurd, denn man muss sich mit denen befassen, die bei uns dauernd intervenieren, um zu verstehen, was uns auch daran hindert, dem etwas entgegenzusetzen. Wo ist in unseren Breiten die nüchterne Analyse des Vorgehens anderer Geheimdienste (auch ausgelagert an eine instrumentalisierte Zivilgesellschaft, an Think Tanks und NGOs und natürlich die Presse)?

 

 

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