Der Kampf der First Ladies

Eine neue Front wird um Bundespräsidentenwahlkampf eröffnet, da man(n) in den letzten Tagen vor dem 4. Dezember noch schnell auf Verena Hofer und Doris Schmidauer setzen will. „First Ladys sollen die Wahl entscheiden“ titelt „Österreich“ am 24. November, um dann über „Frauen als Geheimwaffen“ zu berichten. Dabei soll strategischer Vorteil daraus gezogen werden, dass mehr Frauen als Männer Alexander Van der Bellen wählen, während Norbert Hofer bei Männern besser ankommt als bei Frauen.

Dazu passend versucht man, Verena Hofer als traditionell und altbacken hinzustellen, während Doris Schmidauer den Kandidaten als modernen Mann verkaufen soll. Dabei kennen wir die Hofers zwar selbst von einer Homestory auf Video (bei „Österreich“), während die Beziehung von Van der Bellen und Schmidauer seltsam vage, blass und unkonkret bleibt. Dazu passend wurde jetzt ein Clip von zweieinhalb Minuten lanciert, wo „darf sich mich vorstellen?“ fragt, sich spazierend präsentiert und erklärt. dass sie ihren Mann wählen wird. Zuvor stand sie rund um die dann aufgehobene Stichwahl im Focus, als es Artikel wie diesen gab:

„Dass sich das Umfeld der Kandidaten medial zurückhält, ist in Österreich durchaus üblich. Vor allem im Vergleich zu anderen Ländern (siehe den Wahlkampf in den USA) werden Familienmitglieder nicht vor den Vorgang geholt. Es sei denn, die Kandidaten oder ihre Angehörigen entscheiden sich dafür. Selbst als Van der Bellen und Schmidauerim Dezember 2015 heirateten, wurde nur sehr vorsichtig darüber berichtet. Vielmehr wurde die Hochzeit als wichtiges Indiz für eine Kandidatur gesehen.“ Spätestens seit Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde (und sich Medien jeden Tag weitere Sticheleien gegen Gattin Melania ausdenken), wird aber auch mit Trump-Hofer-Vergleichen um sich geworfen.

firstladys„Österreich“, 24.11.2016

Zur medialen Perfidie gehört auch, Frauen zu unterstellen, dass sie für Männer, die aufgrund ihrer Position Rückhalt brauchen, diesen mangels Talent und Fähigkeiten nicht bieten können. Dies bekommt Mrs. Trump zu spüren, doch auch nach einer weitestgehend banalen Homestory der Hofers verbreiten einige Häme über die Altenpflegerin Verena Hofer. Auch in deutscher Presse wird betont, wie aufgeschlossen das Paar sein soll: „Eine Rolle als First Lady will seine aktuelle Frau nicht übernehmen, kündigte Van der Bellen an: ‚Meine Frau ist berufstätig und will das auch weiterhin bleiben.'“ Zum Vergleich  von Verena und Dors wird auf den erwähnten Clip verwiesen und die Homestory bei „Österreich“, der jedoch keine mit Van der Bellen und Schmidauer auf der Couch folgte.

Selbst Geschichten, die Schmidauer in den Mittelpunkt stellen, bleiben unkonkret; zumal man Van der Bellen, Schmidauer und Wahlkampfmanager Lothar Lockl beziehungslos in die Ferne starren sieht. Erst nach „langer Verweigerung“ gab es einen „Ehe-Talk“ mit beiden gemeinsam, so die Gratiszeitung „Heute“, die auf „News“ verweist, wo der Kandidat meinte, sie ließen sich interviewen, „weil es nichts zu verstecken gibt“. Verena Hofer war es gewohnt, Politik aussen vor zu lassen, da ihr Ehemann als Abgeordneter und 3. Nationalratspräsident zu Hause gerne seine Ruhe davor hat. Inzwischen sieht man sie auch bei Wahlkampfveranstaltungen, und sie hat sich überlegt, wo sie sich als First Lady engagieren möchte. Via Facebook und vom Mainstream (was bis zur taz reicht) reflektiert kritisiert die Initiative „Frauen gegen Hofer“ das Frauenbild des Kandidaten, der beim Schwangerschaftsabbruch möchte, dass Frauen ein paar Tage Bedenkzeit nehmen müssen.

Zitate anderer FPÖler (oder auch nicht so exakt wiedergegebene Sager) müssen herhalten, um ein düsteres Bild von seinen Ansichten zu zeichnen. Dabei wird auch das Video-Interview mit „Österreich“ genüsslich zitiert, ohne realisieren zu wollen, dass uns eine entsprechende Bellen-Schmidauer-Story nach wie vor abgeht. Bei Trump-Hofer-Vergleichen wird auch gerne vergessen, dass Bellen und Schmidauer ebenfalls großer Altersunterschied trennt, so gesehen also Hofer der Modernere ist. Gerne wird dem Kandidaten vorgeworfen, dass er Schmidauers Plan kritisiert, weiterhin berufstätig zu sein – dabei geht es hier schlicht um Unvereinbarkeiten. denn ein angeblich unabhängiger Bundespräsident kann wohl kaum Ehemann der Geschäftsführerin des Grünen Parlamentsklubs sein.

geheimwaffen„Österreich“, 24.11.2016

Man kann natürlich auch Bilder der beiden Frauen vergleichen, auf denen Frau Hofer meist so posiert, als würde ihr Mann sie beschützen, während Frau Schmidauer nur selten auf einer Ebene mit Herrn Bellen erscheint. Soll heissen, sie lächelt in die Kamera, während er in eine nur ihm bekannte ferne Welt schaut. Ein Bild eines aufeinander bezogenen Paares findet man dann, wenn auch über Van der Bellen und seine erste Ehefrau berichtet wird. In der Filterblase derer, die Van der Bellen als intellektuell, als besonnenen Politiker, als mutigen Mahner feiern (und die dabei seine tatsächliche Performance ausblenden), ist es sowas von retro, dass Frau Hofer ihren Job mag, Teilzeit arbeitet, sich um Haushalt und Tochter kümmert. Hingegen scheint Frau Schmidauer, die spärlichen Infos in der Presse zufolge sehr an ökologischen Fragen interessiert ist, eine ideale Partnerin zu sein.

Als sie Referentin im Grünen Klub war, wirkte sie eifrig daran mit, gegen jene Postionen vorzugehen, die nicht NATO-kompatibel waren. Dies bekam ich als integre Grüne, gegen die viele Verleumdungen und Intrigen gerichtet waren, ebenfalls zu spüren, etwa als Schmidauer und Co. die Umsetzung grüner Bundeskongressbeschlüsse zur EU sabotierten. Sie war geradezu außer sich, dass ich es wagte, mich (als zeitweilige Referentin bei den Wiener Grünen) selbst mit dem EU-Vertrag und den Implikationen eines Beitritts und da besonders mit der militärischen Dimension zu befassen. Damals wusste ich, dass die Grünen unterwandert und gesteuert sind und wurde schliessluch dann auch hinausgemobbt, weil politisch bewusste und anständige Leute als Systemfehler betrachtet werden. Selbstverständlich ist Van der Bellen der Kandidat des US-Kriegsestablishments und der Globalisten, denen Staatsgrenzen ein Dorn im Auge sind.

strongerGleiches Motto wie Clinton

Mit dem sorgsam aufgebauten professoral-bedächtigen Image kommt Bellen recht weit, wie ich auch bei einer Veranstaltung im Haus der EU in Wien im Winter beobachten konnte. Nur wenige im Publikum werden wohl begriffen haben, was der Kandidat wirklich sagt und welche Zukunft er uns allen zugedenkt, wenn er sich einen von der EU-Kommision regierten Staat Europa wünscht, in dem die bisherigen Staaten „vielleicht nicht einmal ein Veto haben“. Frau Schmidauer war auch anwesend und saß exakt so, dass sie ihm gegenüber in der ersten Reihe platziert war und wartete dann am Rand des Saals, bis Van der Bellen aufbrach. Wie es wohl für Frau Hofer ist, wenn ihr Mann spricht? In einer sicher nach wie vor männerdominierten FPÖ wird sie „die Verena“ sein, die auch dazugehört und die wie die Tochter unter Anfeindungen zu leiden hat, die eigentlich Norbert Hofer gelten.

Eine echte Altenpflegerin ist für jede Gesellschaft natürlich wichtiger als eine Klubmitarbeiterin, die seit Jahren einer fremden Agenda dient. Jedwede Bildung, jeder Intellekt verpufft auch in jene Szene, die scheinbar kritisch agiert, sich aber ganz leicht dirigieren und dazu verführen lässt, „Obergrenzen“ für „unmenschlich“ zu halten, obwohl jedes Staatsgebiet Grenzen auch puncto Finanzen, Wohnraum, Jobs usw. hat. In „Österreich“ meint der (US-affine) Politikwissenschafter Thomas Hofer, dass die Einbeziehung der Ehefrauen in den Wahlkampf problematisch ist, denn so wird „die Kampfzone“ ausgeweitet. Damit wolle man signalisieren, dass die Frauen und ihre Männer „einer von euch“ sind, also volksnah agieren. Verbunden mit Angriffen auf Hofer von Frauen wird es doch darum gehen, mehr Stimmen bei Wählerinnen zu gewinnen, den bestehenden Gender Gap zu vergrößern.

Freilich wird die FPÖ inzwischen längst nicht mehr vor allem von Männern gewählt, sondern die Unterschiede haben sich verkleinert. Ob die Rechnung diesmal noch aufgeht, zumal viele Frauen gerade von den öffentlich lautstark präsenten Frauen im Stich gelassen fühlen, die Übergriffe „Schutzsuchender“ und Vollverschleierung verharmlosen? Wenn zugleich auch „der weiße, mittealte, heterosexuelle Mann“ ins Visier genommen wird, wird dies nicht auf Zustimmung treffen, sondern manchen einmal mehr bestätigen, dass Medien einer Agenda folgen und auch im Wahlkampf höchst parteiisch berichten. Und wer sieht sich noch Kundgebungen an, bei denen Aktivistinnen wie die KPÖlerin Heidi Ambrosch Hofer mit Zitaten aus den 1930er Jahren in Verbindung bringen? Schliesslich nimmt kaum mehr jemand an solchen Veranstaltungen teil, die vor allem der Selbstbestätigung einer gewissen Szene dienen.

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