Trump, Strache und das Macho-Verhalten

In Wirklichkeit geht es bei der US-Wahl um die Frage, ob es eine militärische Konfrontation mit Russland und damit einen Atomkrieg geben wird. Entgegen allen Versuchen, Donald Trump als durchgeknallt und unberechenbar hinzustellen, ist nicht er, sondern Hillary Clinton Garant für Eskalation. Es hat diesen Hintergrund, dass Trump nun auch als Sexist „geoutet“ wird, was ihn im Übrigen mit anderen Politikern verbindet, die nicht mainstream sind.

Die Strategie ist perfide und geht teilweise auf, weil sich zwar alle etwas unter „angemessenem Verhalten“ von Männern Frauen gegenüber vorstellen, nicht aber sicherheitspolitische Dynamiken und Interessen beurteilen können. Im Gegenteil, wer sich schon länger mit Militärinterventionen und Regime Changes und der Entwicklung nach dem Kalten Krieg befasst, verzweifelt bereits bei Versuchen, mit Unbedarften ernsthaft über Flüchtlinge und den Syrienkonflikt zu diskutieren.

Vor wenigen Tagen stellte die „Washington Post“ ein 11 Jahre altes  Video ins Netz, das Trump in schlechtes Licht rückt – „eine Frauenhelden-Geschichte, die sich manche Männer untereinander erzählen, hinter verschlossenen Türen. Es zeugt von einer mangelhaften Beziehungsfähigkeit. Das Problem ist jedoch, dass die Medien aus dieser dümmlichen Prahlerei ernsthaft einen sexuellen Übergriff konstruieren.“ Tatsächlich geht es aber um Trumps wirtschafts- und außenpolitische Pläne, denn er ist etwa gegen eine Flugverbotszone in Syrien, die zu Krieg mit Russland führen könnte, wie auch die grüne Präsidentschaftskandidatin Jill Stein warnt.

So gut wie alle großen amerikanischen Medien haben sich gegen Trump verschworen,  und auch in Europa bekommen wir entsprechende Propaganda (wie gegen Putin) zu spüren. Dabei werden die Warnungen immer stärker, etwa von Cindy Sheehan, die  bekannt wurde, als sie nach dem Tod ihres Sohnes im Irak an der Zufahrt zu George W.  Bushs Ranch campierte. Sie schreibt: „Some of us see no hope for the mis-leaders here in the U.S. to provide some sanity in its foreign policy. In the last U.S. presidential debate between Hillary Clinton and Donald Trump, the war criminal Clinton reaffirmed her hardcore stance to go to war with Russia, through Syria, if necessary. Clinton also declared her support for a ’no fly zone‘ over Syria, which the chair of the U.S. Joint Chiefs of Staff Joseph Dunford said would require 70,000 U.S. troops to maintain and would definitely mean war with Russia.“

Dabei muss man gar nicht auf Clinton warten, denn das Pentagon spricht von einem „präventiven“ nuklearen Erstschlag gegen Russland, und Noch-Präsident Barack Obama droht seinem Gegenüber  Wladimir Putin ebenfalls mit einem Atomkrieg.  Während der renommierte australische Journalist John Pilger erklärt, warum Clinton gefährlicher ist als Trump, wollen uns andere wie die österreichische Autorin Elfriede Hammerl weismachen, Hillary werde ja bloß als Frau angefeindet, ihr einziges Defizit sei ihr Geschlecht: „Ehrgeizig, kompetent, intelligent? Nein. Verbissen, Streberin, verkopft . So muss das heißen.

Aber sie ist so unsympathisch. Immer wieder, wie das Amen im Gebet: Hillary Clinton wird nicht gewählt werden, weil sie so unsympathisch ist. Ja, Trump ist ein Kotzbrocken, aber Hillary ist auch nicht viel besser. Perfektionistisch. Eine Streberin. Eiskalt. Bill war so charmant, das fehlt ihr. Auch die Frauen lehnen sie ab….So was. Da gibt es eine Kandidatin, die sich seit Jahrzehnten beharrlich und unbeirrbar für Frauenrechte einsetzt. (Ihre Rede ‚Frauenrechte sind Menschenrechte‘, vorgetragen auf der UN-Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking, ist legendär.) Aber die Frauen mögen sie angeblich nicht.“ Es geht in der Tour weiter, ohne je Clintons Tätigkeit aus Außenministerin zu erwähnen.

ownersandpetsFacebook-Fund: Clinton als Soros-Pet

Nach dem erwähnten Video von Herrenwitz-Niveau legte man via „New York Times“ unter dem Motto „Two Women Say Donald Trump Touched Them Inappropriately“ nach. Timothy Alexander Guzman fragt nicht zu Unrecht, warum beide Frauen nichts unternommen haben, sondern erst jetzt erkennen, dass Trumps Berührungen unangemessen waren. Sie haben ihren Angaben zufolge deshalb so lange geschwiegen, weil sie dachten, es sei „ihre Schuld“ gewesen – dies ist schwer nachvollziehbar in einer Gesellschaft, die Frauen seit Jahren dazu ermutigt, sich sexuelle Belästigung nicht gefallen zu lassen. Wenn Männer involviert sind, die mit Macht oder / und Bekanntheitsgrad in Verbindung gebracht werden, können mehrere Faktoren eine Rolle spielen.

Denn es ist (leider) Tatsache, dass sich auch einige Frauen nicht gerade „angemessen“ verhalten, sondern einen Mann genau deshalb umgarnen, was wiederum Männer dazu verleiten kann, Interesse an ihrem Status und ihrem Geld mit Interesse an ihnen als Mensch durcheinander zu bringen. Letzteres ist charakteristisch für Frauen, die ihre eigenen Ziele selbst verwirklichen wollen und niemanden „brauchen“, an dessen Rolle sie partizipieren, die nicht wollen, dass ihnen alles in den Schoß fällt. Es ist vorstellbar, dass gerade die „Macho-Typen“ damit größere Probleme haben – oder aber der Frauen überdrüssig sind, für die nur ihr Status zählt und daher erleichtert über eigenständige Frauen sind.

Vorwürfe gegen Trump erinnern z.B. daran, wie der designierte FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle abgeschossen wurde, weil er zu einer Journalistin sexistische Bemerkungen machte, die dieser zufällig gerade dann einfielen, als man ihn loswerden wollte. Ein Resultat war der #Aufschrei, mit dem die „Netzfeministin“ Anne Wizorek bekannt wurde, die trotz Lügen über Übergriffe am Oktoberfest (zwecks Verharmlosung von Köln) und mit pro Burka-Haltung immer wieder interviewt und eingeladen wird. Brüderle wurde zum Verhängnis, dass er kein Transatlantiker war und z.B. die Rolle der Grünen und deren  Verbindung zu den Bilderbergen im Bundestag anprangerte.

Oben ist jene Rede eingebunden, mit der Michelle Obama Donald Trump angreift, ohne ihn namentlich zu erwähnen. Jede/r kann sich darin irgendwie wiederfinden, doch es wirft auch die Frage auf, warum Frau Obama einspringen muss. Aber dies ist rein rhetorisch gemeint, zumal die Skandale von Bill Clinton längst legendär sind und in der US-Szene auch darüber spekuliert wird, dass der Herr Gatte sich auf Jeffrey Epsteins „Orgy Island“ (oder „pedo island“) austobte, wo den Männern auch Minderjährige (young girls) zur Verfügung standen. Würde sich Frau Clinton Trumps „unangemessenem Verhalten“ entgegenstellen, wäre ihr widersprüchliches Agieren im Focus, da Trump wie ein unaufgeklärter Schüler gegen Bill Clinton wirkt.

Was sagt es  nicht nur über Trump, sondern auch über viele Frauen aus, wenn sich einige ihm seines Geldes wegen angeboten haben? Die „New York Times“ wirft Trump sogar vor, dass er einer Frau in den 1980er Jahren das Kompliment machte, sie könne ein Model sein, wenn sie etwas abnimmt, denn diese Bemerkung machte sie depressiv. Ein ungeheurer Skandal verglichen mit Bill Clintons Flügen mit dem „Lolita Express„, zumal man ja spätestens seit Nabukovs „Lolita“ weiss, welche Macht Frauen schon als Mädchen über Männer ausüben. Paradoxer Weise schwärmen manche Autorinnen geradezu von der „Beziehung auf Augenhöhe“, die die Clintons haben sollen.

Auch wenn nicht jede/r sich zu strikter Monogamie bekennt (und es so etwas wie „Scheidung“ gibt), scheint die „Augenhöhe“ nur darin zu bestehen, dass Hillary Clinton selbst politische Karriere machte, die jedoch auf Erfahrungen an Bill Clintons Seite aufbaute. Somit feiern Frauen, die sich als feministisch verstehen, als großartige Errungenschaft – und Beweis für Hillarys Persönlichkeit und ihre Fähigkeiten -. dass Bill Clinton heute nicht mit einer wesentlich jüngeren Frau in zweiter oder dritter Ehe verheiratet ist. Das ehemalige Model Melania Trump stammt aus Jugoslawien und ist 46 Jahre alt, während Donald Trump (deutsch-schottischer Herkunft übrigens) bereits 70 ist; doch dieser Altersunterschied erinnert an Alexander Van der Bellen (72) mit Doris Schmidauer (53) und Heinz Christian (47) und Philippa Strache (28).

 Donald Trump am 13.10., mit Anklängen an Eisenhower und Kennedy

Man kann in Trumps ständig aktualisiertem Wikipedia-Eintrag schon einiges zu den im Oktober 2016 erhobenen Sexismus-Vorwürfen lesen. Doch die Angriffe verfehlen ihre Wirkung zumindest teilweise, denn bei „Trump“ und „Sex“ werden auf Google zunächst Links dazu angeboten, dass es bei „Sex and the City“ zwei Bezüge zu Trump gab, ohne dass er erwähnt wurde. Diese Serie ist ein gutes Stichwort, denn dort wird einigermaßen deftig und direkt über Männer gesprochen, was man sicher auch als sexistisch betrachten kann, wenn man dies will. Und wenn Hauptperson Carrie Bradshaw davon sehr gut leben kann, eine einzige Kolumne pro Woche zu schreiben, entspricht diese den Pseudo-Beschäftigungen jener Frauen, die sich mit einigem Kalkül an ältere, einflussreichere Männer binden.

Der Fall Trump ist allgegenwärtig: in der Ankündigung der Diskussion bei „Im Zentrum“ im ORF am 16. Oktober „Sex, Lügen und Video- Bremse oder Turbo für Trump?“ (mit Vertreter der US-Botschaft, während man nie dabei war, wenn es um Syrien, Russland oder die Ukraine ging), beim Bericht in der „Kronen Zeitung“ am gleichen Tag unter dem Titel „Trump: Neue Sex-Vorwürfe!“ (er „sieht sich als Verschwörungsopfer“) oder in einer x-beliebigen Frauenzeitschrift. „Trump & Clinton – Na endlich: Kommt der Macho zu Fall?“ prangt auf der Titelseite von „Grazia“ (13. Oktober); innen erklärt der Chefredakteur, dass alle klarerweise zu Clinton halten, damit es endlich eine Präsidentin gibt:

„Die erste Frau im Weißen Haus wäre uns sehr willkommen – mit all ihren Fehlern. Sie ist klug, eloquent, liberal und vermutlich besser auf das höchste Amt der Welt vorbereitet als jeder Kandidat vor ihr.“ (Klingt das nicht nach Elfriede Hammerl?) In einem Artikel wird Trump nicht nur als Sexist hingestellt, sondern man wirft ihm auch vor, dass er – wie Clinton – beim zweiten TV-Duell auf der Bühne herumwanderte. „Grazia“ zitiert Elisabeth Wehling, eine „Kommunikationsforscherin“, die mit den Open Society Foundations des Geirge Soros zusammenarbeitet und mit Soros-Freund George Lakoff das „Little Blue Book“ der Demokraten verfasst hat. Soros, Lakoff und Wehling sind AnhängerInnen von Framing / Reframing, was bedeutet, neue Denkmuster durch neue Begriffe zu etablieren, etwa wenn Wehling ganz im Soros-Sinn den Begriff „Flüchtling“ eliminieren will.

voteontwitterAuf Twitter: Klarer Sieg für Putin

„Trump gab einen sehr harschen Tonfall vor, kreierte eine Stimmung des aggressiven Kampfes“, sagt Wehling aktuell. Denn er „hat den Raum abgeschritten, sich in die Brust geworfen, seine Gegnerin feindlich gemustert. In manchen Momenten schien es, als bereite er sich auf einem Ringkampf vor.“ Natürlich habe Clinton auch die zweite Debatte gewonnen, und laut Wehling geschickt agiert, indem sie Trump  nur mehr mit dem Vornamen anredete, da der Nachname für Triumph steht. „Grazia“ schließt mit den Worten: „Mit seiner vulgären Frauenverachtung, die er der Welt quasi auf dem Silbertablett präsentierte, hat der Kandidat für das Weiße Haus seine letzten Trümpfe mit Sicherheit selbst aus der Hand gegeben.“

Wir sprechen nicht mehr von unterstellten Übergriffen auf Frauen, sondern davon, dass Trump es gewagt hatte, sich in der Fernsehdebatte zu produzieren. Was hätte er denn machen sollen? Nicht kämpfen, nicht kontern, nichts einbringen, weil er ein Mann ist und Clinton eine Frau? Wie stellen sich diejenigen Politik vor, die bereit sind, solche Artikel zu schreiben oder Trump zu attackieren, weil er seine Konkurrentin kritisiert? Man kann aber über das Frauenbild sowohl von Trump als auch von Bill Clinton diskutieren, jedoch unter Berücksichtigung des Selbstbildes einiger Frauen. Hierzu haben wir auch ein aktuelles Beispiel aus Österreich, nämlich „Straches Königin“ Philippa, die mit 19 Siegerin bei einem Model-Wettbewerb der „Österreich“-Beilage „Madonna“ war.

Dann heuerte sie beim „Team Stronach“ an, dessen Gründer Frank Stronach sich gerne mit wesentlich jüngeren blonden Frauen umgibt, und kam schließlich zu „Österreich“: „Die inzwischen 28-Jährige wechselte zum IP-TV der Tageszeitung Österreich und präsentierte dort das Wetter. Schnell wurde sie zur Society-Moderatorin und lächelt von nahezu jeder Werbung für den Online-Shop des Verlagshauses. Mit einem Fächer Geld in der einen Hand und einem Einkaufssackerl in der anderen soll sie den Lesern die Kaufentscheidung erleichtern.“ 2015 lernte sie dann FPÖ-Chef Strache kennen, zumal sie auch „FPÖ-TV“ moderierte, mit einen rund zehn Minuten langen wöchentlich produzierten Videoclip und einigen Beiträgen im Wahlkampf; vor kurzem wurde geheiratet.

philippaÖsterreich“ am 16. Oktober 2016

Beck nennt auf ihrem Facebook-Account immer noch „Österreich“ als Arbeitgeberin und wird dort auch als neue Frau Strache gefeiert, von „Madonna“ über „Österreich“ bis zu einem Videointerview von mehr als einer Stunde Länge. Man könnte fast meinen, Beck arbeitet noch für „Österreich“, das auch die inszeniert wirkende Geschichte um „Society-Reporterin“ Sandra Hrnjak und Ex-Minister Gerald Klug stets treu begleitete. Sowohl Beck („hat begonnen, bei oe24.at zu arbeiten“ – 3. April 2015) als auch Hrnjak halten sich auf Facebook sehr  bedeckt bzw. sind kaum aktiv.

Im Video sehen wir „die schöne Ehefrau vom knallharten FPÖ-Chef“, die „jung, schön und erfolgreich“ ist und „ihre Karriere“ mit 19 startet, indem sie einen Modelcontest gewinnt. Sie wird „eines der meistgebuchten Models ihrer Agentur“ und dann Pressesprecherin des Team Stronach; damit „positioniert sich die ehrgeizige Blondine erstmals politisch, doch sie will mehr und startet eine steile TV-Karriere“ (man sieht einen Ausschnitt aus einer Wetter-Ansage). „Ihr Schönheit bleibt auch FPÖ-Chef Heinz Christian Strache nicht verborgen; der mächtige Politiker verliebt sich unsterblich in das Model“ samt geheimer Treffen, bis man beim Jägerball im Jänner 2016 erstmals gemeinsam auftritt (wie „geheim“ angesichts von NSA und Co. gehen soll, erfahren wir leider nicht).

Seit damals sind jedenfalls „alle Augen auf das schönste Polit-Paar Österreichs gerichtet“, und das, wo „Österreich“ sonst doch eher wenig Werbung für Strache macht. Und noch ein Superlativ: jetzt haben sie „ihre Liebe mit der aufsehenerregensten Hochzeit des Jahres“ gekrönt. Philippa Strache wirkt ja nicht unsympathisch, erinnert aber an Fernsehformate, in denen Paare um die beste Hochzeit wetteifern, Vorbereitung und Aufregung aber in allererster Linie Frauensache ist. Sie klingt wie ein Mädchen, das romantische Vorstellungen von „Traumhochzeit“ hat und sich in allem nach ihrem „Traummann“ richtet. Straches Partnerinnenwahl mag wie jene Trumps bestätigen, dass er ein Macho der alten Schule ist – aber was unterscheidet ihn da von vielen Männern, die sich selbst als „links“ betrachten?

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