Düringers Partei: Wutbürger ins Parlament

Seit einigen Jahren gilt der Kabarettist Roland Düringer auch als Systemkritiker und hat in dieser Rolle über seine Programme hinaus Popularität erlangt, seitdem er beim Sender Puls 4 in „Gültige Stimme“ zum „Verhör“ bittet. Da sich seine Kontakte aber nicht auf die Personen beschränken, deren Denken brav „mainstream“ ist, werden ihm alle möglichen Etiketten umgehängt. Dies umso mehr, als dass er inzwischen die Partei „GILT“ angemeldet hat, die bei Nationalratswahlen antreten soll.

Im Mainstream und auch abseits davon wird berichtet und diskutiert, weil Düringer mehrere Bereiche bedient, gerade weil er sich nicht festlegen lässt. Da er mittlerweile weniger mit Kabarett zu tun hat als vielmehr mit manchmal witzigen Vergleichen und Anekdoten vor Publikum philosophiert, muss man auf ältere Videos zurückgreifen, will man ihn in seiner ursprünglichen Rolle erleben. Hierbei fällt auf, dass er am besten wirkt, wenn er andere Personen verkörpert und mit anderen gemeinsam auftritt, wie man unten sehen kann, wo Festansprachen, Bundesheer-Angelobungen und das Heer selbst aufs Korn genommen werden.

Düringer als Aufklärer, Kritiker und „Wutbürger“ hinterlässt ambivalente Reaktionen, während man über die Darstellung eines Bürgermeisters befreit lachen kann, weil hier Realität stark überzeichnet wird, aber das eine oder andere Detail bekannt vorkommt. Übrigens wurde Düringer zum „Wutbürger“, als er diesen bei „Dorfers Donnerstalk“ im ORF darstellte und das Publikum nicht sicher war, ob es gespielt oder ernst ist. Tatsächlich wurde Düringer zum „Aussteiger“, der auf Handy, Internet und Auto verzichtete und mit der Familie in einen Wohnwagen neben seinem Haus zog. Freilich braucht er ein Umfeld, das alles regelt, was mit modernen Kommunikationsmitteln zusammenhängt, und er kann sich diese Lebensform leisten, weil er in gewisser Weise privilegiert ist.

Dabei unterstützt er sowohl Behinderte als auch Flüchtlinge und will sich mit der Partei nicht persönlich profilieren, sondern sieht sich als „Taxler“, der anderen eine Plattform anbietet, mit der sie ins Parlament kommen können. Aber was sollen sie dort tun? Den anderen etwas wegnehmen, nämlich die Mandate, die sonst die anderen Parteien unter sich aufteilen würden. „Es geht um nichts, es ist eh vollkommen sinnlos“ meint er auf die Frage des Interviewers von der „Gruppe 42“, die schon mal Ken Jebsen oder Daniele Ganser nach Wien eingeladen hat, ob GILT Anträge und Anfragen stellen soll. Dann bleibt aber nur ein Dagegen-Sein, das weit entfernt ist von Besti flokurinn, der „Besten Partei“, die als „Spaßpartei“ den Bürgermeister von Reykjavik stellte.

Der Komiker Jon Gnarr (den ich auch einmal interviewen konnte, als er in Wien zu Gast war) amtierte von 2010 bis 2014 als Bürgermeister und war ein Glücksfall für die Stadt. Er sanierte die Finanzen, ordnete den öffentlichen Verkehr neu, machte die Verwaltung schlanker und transparenter und bezog die Bevölkerung stärker ein. Wenn er gewollt hätte, wäre er auch nach der Wahl 2014 Bürgermeister geblieben, doch ihm stand nicht der Sinn danach, in der Politik zu bleiben. Auch GILT müsste sich Realitäten stellen, was jedoch nicht zu Düringers Plan zu gehören scheint und ihm deswegen berechtigte Kritik einbringt. Zum Teil wird er aber deswegen attackiert, weil seine Ansichten und seine Gäste bei „Gültige Stimme“ zu wenig mainstream sind:

„Die Programmplaner des österreichischen Privatsenders Puls 4 haben einen seltsamen Sinn für Humor. Zuerst eine wunderbar kritische Diskussion zur ‚Freeman-Bewegung‘. Gleich im Anschluss eine Sendung mit Eso-Heilguru Rüdiger Dahlke und dem scharf ins Nirvana abgebogenen Ex-Kabarettisten Roland Düringer.“ Die aus den USA kommende „Freeman-Bewegung“ bietet auf den ersten Blick Eskapismus an, soll aber wohl Protest kanalisieren, indem von den wahren Ursachen politischen Versagens und der massiven transatlantischen und globalistischen Einflussnahme abgelenkt wird. Das Konzept bei „Gültige Stimme“ ist, dass jede/r ohne jede Zensur und ohne Schnitte alles sagen kann, was sie/er sagen will. Auf diese Weise gibt sich Puls 4 den Anschein, nicht der gleichen Agenda zu dienen wie der ORF und die Printmedien, sondern „kritisch“ zu sein oder zumindest Freiraum zu bieten.

Düringer als „Wutbürger“

Vor einigen Wochen zeichnete der Sender eine Pro- und Contra-Diskussion mit Moderatorin Corinna Milborn zum Thema „Verschwörungstheorien“ auf, bei der der ehemalige Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE Willy Wimmer vorgeführt werden sollte. Als er einiges bei den Abläufen des 11. September und der darauf folgenden Ereignisse zu bedenken gab, fielen andere Teilnehmer über ihn her, ohne dass Milborn eingreifen konnte. Milborn ist typisch Mainstream, machte sich beliebt mit Buch über Flüchtlinge, ist deswegen auch hier und dort eingeladen, redet bei Kundgebungen und erhielt den Heinrich Treichl-Humanitätspreis des Roten Kreuzes. Dies wurde u.a. so begründet: „Sie hinterfragt Autoritäten, kritisiert die, die Macht missbrauchen und stellt sich schützend vor jene, die diesen Mächten ausgeliefert sind“ (sagt der Sender). Die Jury meint: „Besonders aufgefallen ist uns bei Corinna Milborn, dass sie über Menschen berichtet, die oft dem üblichen journalistischen Blick entgehen.“

Puls 4 hat wie alle anderen Medien den Refugees-Hype kreiert, um der Bevölkerung einzureden, sie habe es nicht mit illegaler Masseneinwanderung zu tun; soziale Nöte und krasses Unrecht in Österreich hat sie bislang nicht interessiert. Keineswegs „hinterfragt“ Milborn „Autoritäten“, sondern sie dient jener Agenda, die Nationalstaaten destabilisiert, um sie aufzulösen. Damit ist sie Handlangerin von „Machtmissbrauch“ und stellt sich gegen jene Menschen, die „Schutz“ auch insofern brauchen würden, als dass Medien ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen müssten, statt Propagandawerkzeug zu sein. Detail am Rande. Heinrich Treichls Sohn Andreas ist CEO der Erste Bank und im Advisory Board von George Soros‘ Open Society Foundations. Die Stiftung der Ersten arbeitet immer wieder mit den Foundations zusammen, und der „Bevölkerungsexperte“ der Stiftung Rainer Münz sieht in Zuwanderung in der Größenordnung von 10.000 Personen pro Tag, die der Staat zur Gänze erhalten soll, kein Problem (er weiss offenbar nicht, wieviele Tage das Jahr hat udn wieviele EinwohnerInnen Österreich).

heinzlmaier

Armin Wolf vom ORF postet auf Twitter Auszug aus dem Standard

Der Vergleich von Roland Düringer mit dem Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier weist in die richtige Richtung. Denn auch der „Experte“, der für alles und jedes zu haben ist, betreibt Politikbashing und Parteispaltung. Zu den Ergebnissen der Bundespräsidentenwahl fantasierte er über die „Rohheit des ungebildeten Mannes, der in Feindbildern denkt und von inhumaner Macht angezogen wird“ und dessen „Bildungsferne“ immer wieder betont wird. „Roh“ sind für ihn und seinesgleichen freilich nie „Schutzsuchende“, die übereinander und über uns herfallen, sondern immer nur diejenigen, die sich der Agenda aus welchen Gründen auch immer widersetzen. Doch so leicht ist Düringer nicht einzuordnen, wenngleich er manchmal nach wie nach den Anschlägen in Paris im Jänner 2015 recht konventionell klingt. Seine „Verhöre“ fördern Interessantes zutage, etwa wenn Dirk Müller sich zum One World Government bekennt, das George Soros und Co. anstreben.

Man findet Düringer auch  beim Nachhaltigkeitstag an der Universität für Bodenkultur in Wien, was darauf hinweist, dass er durch das „Aussteiger“-Image auch viele Fans im Öko-Bereich hat. Dass er dem politischen System an sich und damit demokratischen Strukturen eine Absage erteilt, fällt wenigen auf (und es passt in die Agenda der Globalisten).  Geradezu verrissen wird GILT bei Vice Alps, einem Portal, dem KritikerInnen Verzicht auf Recherche und vorgefaßte Meinungen vorwerfen. Balkanstories ist differenzierter: „Düringers Partei mag kein Programm haben. Einen Gründer hat sie. Dessen politischer Weg in den vergangenen Jahren lässt das Doch-nicht-Satireprojekt alles andere als harmlos wirken. Völlig unabhängig davon, ob diese Bewegung jemals in irgendeine gesetzgebende Körperschaft gewählt wird. Es ist davon auszugehen, dass die Partei im Wesentlichen auf Düringers Ego-Trip der vergangenen Jahre basieren wird. Alles andere wäre ein Bruch, der die Bewegung so unglaubwürdig machen würde, dass man von einer Totgeburt sprechen kann. Die Partei und Düringer eint mehr mit der FPÖ als dem Gründer bewusst und lieb ist.“

Das kann auch daran liegen, dass Düringer kein Mann des geschriebenen, sondern des gesprochenen Wortes ist. Dies sah man auch bei der Präsentation seines Buches „Weltfremd?“ im November 2015 im Naturhistorichen Museum in Wien, auf die ich hier eingehe. Auf der Webseite „Gültige Stimme“ führt Düringer seit langem ein Videotagebuch und befasst sich in Folge 272 mit der Parteigründung. Wie bei seinen „Verhören“ und allen Auftritten kann das Verbale dazu dienen, sich über Fragen der inhaltlichen Substanz hinwegzuschwindeln. Viele Menschen wollen sich alternativ informieren, lassen aber lieber mal ein Video im Hintergrund laufen, als selbst zu recherchieren, längere Texte zu lesen, das Puzzle selbst zusammenzusetzen. Diesem Bedürfnis kommt Düringer entgegen, wobei bereits „Informierte“ auch bei Gehörtem unterscheiden können, ob jemand Dinge wirklich gecheckt hat oder bloss SchaumschlägerIn ist.

Medien wirken als Verstärker bei Düringers Mission, wie man am Reigen der Berichte sieht, in denen auch Politikberater wie Thomas Hofer zu Wort kommen, der in Düringer einen „Brachial-Populisten“ sieht, dessen Partei angesichts der Politikverdrossenheit durchaus Potenzial habe. Unvermeidlich auch, dass Rudi Fußi seinen Senf dazu gibt, der „seines Zeichens ebenfalls politischer Berater und Freund Düringers“ ist: „Es herrscht Unzufriedenheit mit der Politik. Spätestens Beppe Grillo hat bewiesen, dass man diese auch im Wahlergebnis sichtbar machen kann.“ Für Andreas Koller in den Salzburger Nachrichten ist er ein „Wutpolitiker“ und der Standard macht ihn zum „Kopf des Tages“ nebst Artikel. Sieht man sich das weiter oben eingebundene Interview mit der „Gruppe 42“ an, wird deutlich, dass Düringer für „Suchende“ attraktiv ist, die Politik auch auf internationaler Ebene durchschauen wollen, aber nur Brocken erfasst haben wie etwa, dass „Occupy Wall Street ja auch von den Geheimdiensten zersetzt wurde“ (wissen sie, welche Rolle Soros dabei hat?).

2 Gedanken zu “Düringers Partei: Wutbürger ins Parlament

  1. Vielen Dank für diesen Artikel! 2 kleine Anmerkungen dazu:

    1.) Dirk Müller „bekennt sich“ nicht zum One World Government. Er spricht sich zwar dahingehend aus, dass ein solches angestrebt wird bzw. bereits existiert, aber er bekennt sich nicht dazu, denn letzteres würde zum Ausdruck bringen, dass er ein solches befürworten bzw. für ein solches eintreten würde. Zwar „bekennt“ er die Existenz eines One World Government (er gesteht ein, dass ein solches Konzept seiner Meinung nach existiert), aber er „bekennt sich“ nicht dazu (wie dies etwa bei Soros der Fall wäre).

    2.) Es war wahrscheinlich weniger so, dass Milborn nicht eingreifen konnte, sondern eher so, dass sie nicht wollte bzw. (gemäß Regieanweisung?) nicht sollte. Genau deshalb wurden Jordan & Frey wohl auch eingeladen. Und gerade zu deren Vorteil zeigte Milborn ja, dass sie sehr wohl eingreifen kann, wenn sie will. Bei Minute 2:51 (in oben verlinktem Video) sagte Milborn etwa mit aller Nonchalance: „Herr Wimmer, bitte lassen Sie den Herrn Frey (auch) ausreden“, und ihr ganz unverzagter Eingriff sollte sich hier als äußerst erfolgreich herausstellen…

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  2. Als Ing. Engelbert Breitfuß war Düringer genial…. ob er das auch als Politiker sein könnte, da habe ich auch so meine Zweifel. Doch daß ihn die „Ruhrbarone“ in die Eso-Ecke verschieben, spricht mE wiederum für ihn.

    Aber wie heißt es oft in Kommentaren: Schlechter wie die, die jetzt am Ruder sind, kann es kaum jemand machen. Wie das „Rudern“ im politischen Alltag aussieht, das erklärt z.B. auch Rudi Fußi gut in „Die gültige Stimme“.

    Selbst eigentlich nichts zu wollen, sondern nur anderen ihren Parlamentssitz WEGZUNEHMEN, ist uU zu negativ geprägt. Logisch wäre es demnach, für die Nichtwähler die entsprechende Zahl an Abgeordneten ins Parlament zu schicken, was meiner anarchistischen Ader durchaus engegenkäme……😀

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