Die US-Wahl im Mainstream

Wenn man sich damit auseinandersetzt, wie die KandidatInnen Hillary Clinton und Donald Trump in „unseren“ Medien vorkommen, sieht man sich Tag für Tag bestätigt. Man findet stets die Fixierung auf Trumps Frisur, positive Erwähnung von Clinton und die Unterstellung, Trump sei zu narzißtisch und zu dunnhäutig, als dass man ihm die Verfügung über das US-Atomwaffenarsenal anvertrauen könnte.

in einem kritischen Artikel über den Einfluss der CIA aud Berichterstattung wird erklärt, was die Presse eigentlich tun sollte: „Wenn Journalisten ihren Beruf ernst nehmen, sammeln sie Informationen über Personen, Schauplätze, Ereignisse und Probleme. In der Theorie klären sie damit die Menschen über die Welt auf und stärken dadurch die Demokratie.“ Dabei kommt es häufig vor, dass der CIA mögliche Agenten durch ihre journalistische Tätigkeit auffallen:

„Wie viele andere Offiziere, die in der CIA Karriere gemacht haben, wurde auch Richard Helms, der sogar Direktor der CIA wurde, aus einem Presseunternehmen, dem Berliner Büro von United Press International, rekrutiert; sein eigener Chef warb ihn mit der Bemerkung – ‚Du bist ein Naturtalent.‘ – für das neu gegründete Black Propaganda Program des OSS an.“ Mit anderen Worten stand bereits beim CIA-Vorläufer OSS Mediendesinformation ganz oben auf der Agenda.

clintonkrone

Kronen Zeitung, 14.8.2016

Der Marshall Plan selbst diente zur Unterwerfung Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg, sodass z.B. die Marshall Plan Stiftungen in Deutschland und Österreich nach wie vor als Mittel zur Interessensdurchsetzung wirksam sind. Man merkt etwa dem früheren Präsidenten der Marshall Plan Stiftung Austria, Eric Frey vom „Standard“ stets an, welche Interessen er vertritt. Den jetzigen Präsidenten Wolfgang Petritsch sprach ich bei einer Diskussion vor einem Monat ohne Widerrede als Transatlantiker auf österreichische Medien als Sprachrohre der CIA an. Bereits zu Beginn der Geschichte des 1947 gegründeten US-Geheimdienstes (der der OSS-Tradition treu blieb, in erster Linie verdeckt zu operieren, um andere Länder zu steuern, statt Informationen zu sammeln und auszuwerten) konnte man auf wichtige Mitarbeiter der „New York Times“, bei „Newsweek“ oder beim Sender CBS verfügen, den eben Ex-CIA-Chef Michael Morell verlassen hat, um Clinton aktiv zu unterstützen.

Es ist bekannt, dass aus den Reihen der CIA Berichte und Kommentare in der Presse lanciert werden, die nicht nur den Regierungsmitglieder, sondern auch den CIA-Chef selbst überzeugen sollen. David Wise und Thomas B. Ross veröffentlichten 1964 das erste größere Buch über die CIA („The Invisible Government“) und schrieben einleitend: „In einem Ausmaß, das erst langsam wahrgenommen wird, greift diese Schattenregierung in das Leben von 190 Millionen US-Amerikanern ein. Wichtige Entscheidungen – wie die über Krieg und Frieden – finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ein informierter Bürger könnte vermuten, dass die US-Außenpolitik öffentlich in die entgegengesetzte Richtung laufen soll, wie die heimlich von der Schattenregierung betriebene.“ Während in den USA kritische alternative Öffentlichkeit aber CIA-Verbindungen darstellt und analysiert, haben Enthüllungen etwa über den Einfluss auf deutsche Medien noch Seltenheitswert.

Man darf nicht vergessen, dass man durch unbedachten Einsatz von Technologie auch selbst dazu beiträgt, für die CIA wie ein offenes Buch zu sein. Dank „Internet der Dinge“ und „intelligentes Haus“ (wo man den Geschirrspüler elektronisch startet usw.) können US-Dienste jede Person „von Interesse“ lückenlos ausspionieren, wie Ex-CIA-Chef David Petraeus bei einer Konferenz betonte. „The CIA owns everyone of any significance in major media“ sagte einst CIA-Chef William Colby, der übrigens im von Wikileaks ins Netz gestellten Clinton Body Count aufscheint. Wie können wir uns also das Zustandekommen von Artikeln wie dem oben abgebildeten in der Sonntagsbeilage der „Kronen Zeitung“ vorstellen?  Mit dem Titel „Die Streberin“ und einem großen Bild der jungen Hillary Clinton mit dicken Brillengläsern wird vorgegeben, wie wir über die Kandidatin denken sollen. Viele Frauen neigen dazu, sich in ihr wiederzuerkennen, weil auch sie viel leisten müssen, um ähnliche Anerkennung wie Männer zu erlangen.

Keinesfalls aber ist diese Frau eine Person, die man mit einem Body Count, mit Militärinterventionen siehe Libyen oder mit erkennbaren Gesundheitsproblemen in Verbindung bringt. „Hillary Clinton ist vielleicht die am besten geeignete Kandidatin für das US-Präsidentenamt, die es je gab“ beginnt der Text, denn sie ist „klug, fleißig und sehr ehrgeizig – zu ehrgeizig“ und daher auch bei vielen unbeliebt. Das kommt Frauen bekannt vor, die erleben, dass jeder leichte Anflug von Ehrgeiz oder auch nur der Wunsch nach Anerkennung ihrer Leistungen negative Reaktionen hervorruft, die bei einem Mann kaum denkbar wären. Doch es geht auch darum, Clintons Auftreten wegzuerklären, indem sie als „perfektionistische Streberin“ beschrieben wird, die zwar Smalltalk beherrscht, aber dennoch „scheint immer etwas zwischen ihr und den Menschen zu stehen“, als wenn sie sich „hinter einer Glaswand“ befände. Dass sie keine Pressekonferenzen gibt (die eine Frage souveräner Reaktionen sind, und dies live vor vielen ZeugInnen), ist hier ebenso wenig Thema wie das Abschirmen ihrer Person vor JournalistInnen bei Auftritten.

Die „Kronen Zeitung“ hakt Stationen ihrer Karriere ab, die in einer Anwaltskanzlei begann, um natürlich auch die „Lewinsky-Affäre“ zu streifen, als ob diese ein einmaliger Ausrutscher gewesen sei. Ein bißchen Kritik klingt an, da MitarbeiterInnen sie als „herrisch“ und „arrogant“ beschreiben und man ihr vorwirft, als Senatorin für den Irakkrieg 2003 gestimmt zu haben. Aber da wir wissen, dass Frauen anders beurteilt werden als Männer, ist all dies nicht so tragisch, denn „ihr Sieg am 8.November würde die gläserne Decke, die Metapher für die unsichtbare Barriere, gegen die Frauen trotz Qualifikation und Erfahrung im Berufsleben stoßen, endgültig sprengen“. Keine Überraschung ist, dass Clinton „offen um weibliche Wähler“ wirbt; so will sie auch das Handicap umgehen, dass sie „bisher zu den unbeliebtesten Bewerbern gehört, die in der modernen Zeit zur Wahl antreten“.

Im Politikteil der „Krone“ leistet Kommentator Christian Hauenstein Clinton unter dem Titel „So leicht geht der Atomkrieg“ Schützenhilfe. „Wir können einem Mann, der sich durch eine Internet-Kurznachricht provozieren lässt, nicht unsere Atomwaffen anvertrauen“ – ist ein Clinton-Zitat, das Hauenstein an den Anfang stellt. Dass wenig später der Inhalt eines Gesprächs zwischen Donald Trump und Außenpolitik-Experten bekannt wurde, ist für den Autor reiner Zufall. Dabei fragte der Kandidat der Republikaner mehrmals, warum die USA ihre Atomwaffen nicht einsetzen. Dass Clinton selbst einen atomaren Erstschlag gegen Russland oder den Iran aufs Tapet brachte, ficht die „Krone“ nicht an. Die „New York Times“ ließ einen Experten zu Wort kommen, der erklärte, dass es kein Veto gegen den Einsatzbefehl eines US-Präsidenten (oder einer Präsidentin) gibt. Nachzulesen ist dies übrigens auch im „Kurier“ unter dem bezeichnenden Titel „Wer könnte verhindern, dass Trump den Knopf drückt?“

trumpknopf

Kurier, 6.8.2016

Immerhin wird darauf hingewiesen, dass die Identität des Präsidenten vom Pentagon bestätigt werden müsse. Wir erfahren natürlich nicht, dass sich Präsident George W. Bush am 11. September 2001 nach seiner Flucht aus Florida zur Offutt Air Force Base in Nebraska begab, wo sich mit dem Strategic Command (STRATCOM) auch die Kommandozentrale für den Einsatz von Atomwaffen befindet, er also seine Identität vor Ort bestätigt hat und das erste Telefonat mit einem anderen Staatschef jenes mit Wladimir Putin war. Der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld meinte später in einen Interview zu Bushs Visite im STRATCOM: „…if you don’t know what’s going to happen on the ground and what might be vulnerable – and certainly if there was any word that would be appropriate to characterize what took place on September 11, it would be surprise – what one wants to do is to create as many options for continuity of government, and as many different options for the kinds of capabilities that conceivably could be called into play, and that means you simply scramble those kinds of assets that you have available. And even though you may not have a direct purpose for it, it’s just prudent.“

Die „FAZ“ verwendet beim Thema „Einsatzbefehl“ immerhin die Formulierung „ob Trump oder Clinton“, bildet aber nur in auf gewohnte Weise (eben ähnlich wie der „Kurier“) ab. Selbstverständlich „spielen“ nicht nur Trump UND Clinton mit der nuklearen Karte, denn dies tut auch Putin. Erwähnt werden müsste auch, dass die Welt immer wieder knapp am Atomkrieg vorbeischrammte, etwa während der NATO-Übung „Able Archer“ im Jahr 1983. Passenderweise war die Annahme dabei eine nukleare Auseinandersetzung mit Russland, sodass unser aller Leben in den Händen des Offiziers Stanislaw Petrow lag, der entschied, dass ein Alarm in seinem System  nur ein Fehler sein könnte, weil die USA nicht nur fünf Interkontinentalraketen auf die Sowjetunion abfeuern würde. Man beachte, dass hier nicht mehr von einem Einsatzbefehl die Rede ist, weil es um die Reaktion auf einen vermeintlichen Erstschlag geht. Dies ist für „unsere“ Medien ebensowenig Thema wie die Lagerung von ca. 400 US-Atomwaffen in Europa, die aus den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Italien und der Türkei Nuklearmächte per „nuklearer Teilhabe“ machen in Verletzung des Atomwaffensperrvertrags.

Die „Kronen Zeitung“ beendet ihre Ausführungen zu Trump als Befehlshaber über Atomwaffen übrigens so: „Niemand auf der Welt kann sich wünschen, dass ein derart dünnhäutiger und aggressiver Mensch wie Donald Trump eine derart furchteinflößende Macht hat!“ Wenn sich Politik auf zwei Personen konzentriert, kann man – siehe österreichische Bundespräsidentenwahlen – relativ leicht Gegensätze konstruieren, Schattenseiten des gepushten Kandidaten in der Auseinandersetzung um Aussagen und Verhalten des gebashten Bewerbers verschwinden lassen. JournalistInnen sollten wissen, dass zwischen Wahlkampfrhetorik, die ja auch mitreißen soll, und tatsächlichem Umgang mit politischer Materie und mit anderen Menschen Welten liegen. Doch Trump soll Clintons Hustenanfälle überschatten; die Frage nach seiner Steuererklärung überdecken, dass es seine, nicht aber ihre medizinischen Befunde gibt.

„Kaisers neue Haare“ ist die Überschrift einer Kolumne von Guido Tartarotti auf der Titelseite des „Kurier“ am 14. August 2016. Nach ein bisschen Bildung, wonach man(n) sich im alten Rom an der Haar- und Barttracht des Cäsaren orientierte, legt man uns nahe, froh zu sein, dass diese Zeiten vorbei sind. Denn wenn Trump gewinnen würde, hätten die USA vier Jahre lang „bad hair day“; aber da der Kandidat ein „klassischer Narzisst“ ist, „der sich selbst genügt“ („sagen Psychologen“), wird es wohl doch nicht soweit kommen. Er habe „besonders viele Spiegel zuhause“ („sagt sein Ex-Butler“) und hatte stets „Mut zum flexiblen Umgang mit der Realität“, was ihn sicher sehr von Clinton unterscheidet. Als eine Userin übrigens au einen ähnlich mit Zuschreibungen und Stereotypen gespickten Gastkommentar in der „Presse“ per Posting reagierte, wies die Zensur-Software ihn zurück. Dabei verwendete sie vor allem Zitate aus dem Text, der ganz in die Strategie der Globalisten passt, Trump zu dämonisieren und Clinton zu pushen.

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