Das Heer muss weiblicher werden!

An die 3% Frauen dienen derzeit beim Heer, es sollen mindestens 10% werden – Grund genug für Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil, die ehemalige Abgeordnete Irmtraut Karlsson als Beraterin zu engagieren. Auffällig ist, dass sie vor allem mit der Frauenhausbewegung, dem Schwangerschaftsabbruch und mit Johanna Dohnal in Verbindung gebracht wird. Zwar unterstützte sie den Kampf gegen Landminen, noch ehe das Bundesheer seine Bestände vernichtet hat – aber reicht das allein schon für sicherheitspolitische Kompetenz?

Als Dohnal-Weggefährtin oder Vertraute bezeichnet man sie gerne, was an diverse Kreisky-Weggefährten in der SPÖ erinnert. Im untenstehenden Video von einem Seminar der Sozialistischen Jugend sieht man nach der heute im „refugee“-Bereich aktiven Laura Schoch auch Irmtraut Karlsson, die von der Gründung des ersten Frauenhauses in Wien 1978 erzählt. Es gab zu „ihrer Zeit“ nichts, wo Frauen hinflüchten hätten können, sie hatten Gewalt eben auszuhalten und sich zu ducken.  Ein weiterer Film berichtet über eine Veranstaltung des Renner-Instituts im Februar 2015, bei der es um die Fristenregelung ging.

Als neue Ministerberaterin loben sie  Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek und Geschäftsführerin Andrea Brunner mit diesen Worten: „Es ist eine sehr gute Entscheidung, dass Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil Irmtraut Karlsson als Beraterin engagiert, um den Frauenanteil im Bundesheer zu erhöhen“. Sie habe „am frauenpolitischen Aufbruch in Österreich entscheidend mitgewirkt“, etwa bei Gleichbehandlungsgesetz, Familienrechtsreform oder Gewaltschutzgesetz. Und jetzt soll „das Bundesheer  für Frauen Arbeitsplätze mit guter Ausbildung und Aufstiegschancen bieten. Gemeinsam mit Irmtraut Karlsson wird es Hans Peter Doskozil gelingen, dafür die richtigen Weichen zu stellen.“

Vor der Wehrpflicht-Volksbefragung im Jänner 2013 waren Heinisch-Hosek und Co. auch vielen tollen Jobs für Frauen beim Bundesheer auf der Spur, da man das „Profiheer“ in Richtung weibliche Bevölkerung so verkauft hat. Dazu gehörte auch eine Studie, nach der zahlreiche „High Potentials“ zu militärischer Laufbahn bereit wären, freilich ohne zu erwähnen, dass akademische Qualifikation die Mühen der Ebene nicht erspart. Im Grunde flackerte Interesse der SPÖ-Frauen am Heer auch nur kurzfristig auf, ohne dass über verschiedene Modelle und deren sicherheitspolitische Bedeutung diskutiert wurde. Bereitwillig bogen auch Frauen Datenmaterial über Männer so zurecht, dass es nun hieß, diese würden massiv an Lebensverdienst einbüßen wegen des „Zwangdienstes“.

Dass der Gender Pay Gap in Österreich kleiner sein müsste, wenn Behauptungen zutreffen, leuchtete einigen nicht ein. Überhaupt machten sich plötzlich viele Frauen eine Menge Gedanken darüber, was junge Männer (sinnvoller) mit ihrer Zeit anfangen könnten und zerbrachen sich den Kopf über volkswirtschaftliche Auswirkungen der Wehrpflicht. Nicht auf dem Tapet stand aber die durch das „Profiheer“ eingeleitete Entwicklung in Richtung eines kleinen reinen Berufsheers, das man dann (mit oder ohne Betritt zur NATO) inKampfeinsätze schicken würde. Wie die SPÖ-Frauen heute mit Karlsson posieren, die sie bestimmt als „eine starke Stimme für Frauen“ oder was auch immer bezeichnen würden, hat Parallelen zu damaligen Aktivitäten.

Mit einem Mix aus Dohnal, Frauenhäuser, Fristenregelung, Gleichbehandlung und Landminen ist Karlsson eher begrenzt geeignet, die spezifische Situation von Frauen beim Bundesheer zu verstehen. Bezeichnender Weise beginnt ein Artikel im „Standard“ mit körperlichen Anforderungen, über die dann gleich mal unter den UserInnen diskutiert werden kann, ob dies gegenüber Männern fair und gerecht ist. Nicht nur deswegen „dümpelt“ aber der Frauenanteil beim Heer dahin, da es auch eine Frage des Zugehörigkeitsgefühls ist, das sich bei manchen Frauen erst dann einstellen würde, wenn sie häufiger sind. Nach wie vor haben Frauen nur ein Kommando inne, mit der von der ersten Frau Brigadier geleiteten Sanitätsschule, und wurden bei der Vergabe von Leitungsfunktionen durch Doskozil nicht bedacht.

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Screenshot von „Frauen für ein Berufsheer“ 2012/2013

Der „Standard“ schreibt: „Doch obwohl Frauen bei Erfüllung der Kriterien – im Gegensatz zu anderen Armeen – im Bundesheer grundsätzlich alle Funktionen – also von der Panzerfahrerin bis zur Pilotin – offenstehen und für sie längst Mentoring-Programme angelaufen sind, zieht es die unter 35-Jährigen nach wie vor kaum zum Militär. Zum Vergleich: Bei der Bundeswehr, wenn auch ein Berufsheer, stellen die Soldatinnen bereits mehr als zehn Prozent der Truppe. Um beim schleppenden Frauenanstieg mehr Tempo zu machen, hat Doskozil (‚Es geht mir auch darum, dass Frauen beim Bundesheer bleiben‘) jetzt eine langjährige Parteikollegin zu seiner Beraterin bestellt – und zwar Irmtraut Karlsson (72), einst Vertraute der ersten Frauenministerin Johanna Dohnal (SPÖ) und Mitbegründerin des ersten Frauenhauses in Wien, die sich in den Neunzigern auch als Abgeordnete mit ihrem Engagement gegen Anti-Personen-Minen einen Namen gemacht hat. Über den Sommer wird Karlsson die bisherigen Fördermaßnahmen beim Heer evaluieren und Best-Practice-Beispiele in anderen Staaten sichten – um dann neue Vorschläge zu liefern.“

Karlsson will dabei u.a. auf der „positiven Entwicklung bei der Exekutive“ aufbauen, einzig wohl deswegen, weil es hier 14% Frauenanteil gibt. „Weil das Bundesheer auch in der Flüchtlingskrise recht gefordert ist, findet die Psychologin, dass sich Soldatinnen zum Beispiel auch bei allfälligen Konfliktregelungen gut einbringen können – ‚und zwar nicht wegen ihres biologischen Geschlechts, sondern wegen ihrer Erziehung‘. Und: Auch weiblichen Flüchtlingen etwa falle wohl ‚eine spontane Kontaktaufnahme‘ mit einer Uniformierten leichter als mit deren männlichen Kollegen. Ebenfalls ein Anliegen von Karlsson: ‚Dass angesichts der angespannten Arbeitsmarktsituation künftig mehr Frauen eine gute Ausbildung in einem großen Beschäftigungskörper kriegen.'“ Anscheinend weiss sie noch nicht, dass Frauen beim Bundesheer in nichts von Männern beim Bundesheer unterschieden werden wollen, egal ob man(n) ihnen mit „Erziehung“ oder „Biologie“ kommt.

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Aus dem Newsletter der SPÖ-Frauen

Die eigentliche Herausforderung besteht aber darin, verknöchterte Rollenvorstellungen zu entstauben, wie sie beim Heer und vor allem bei denen, die sich etwa in wehrpolitischen Vereinen in dessen Umfeld tummeln und die Debatte beeinflussen, nach wie vor dominieren. Auf diese Weise werden weder MinisterInnen und andere Politiker noch Medien oder Zivilgesellschaft realistisch betrachtet, wie es einer Lagebeurteilung angemessen ist. Heere müssen sich nicht nur den vorerst theoretischen Fall eines offenen Krieges vorbereiten, sondern auch verdeckte Formen der Kriegsführung in Betracht ziehen. Es erscheint logisch, dass hierbei auch in der Weise getäuscht und getarnt wird, dass man falsche Vorstellungen von Situationen und Personen kreiert.

Und hatten viele rund ums Heer meine zivilgesellschaftliche Erfahrung lange eher abgetan oder als weniger wichtig betrachtet, dürfte ihnen spätestens mit der lancierten Masseneinwanderung letztes Jahr ein Licht aufgegangen sein. Manche müssen anscheinend erleben, wie das Heer überfordert ist und damals zudem mit Gerald Klug einen Pseudominister als formalen Chef hatte. Bedenkt man, dass US-Think Tanks, -Stiftungen und -Geheimdienste ein Interesse an Destabilisierung haben und beobachtet man das seltsame Verhalten diverser SprecherInnen etwa von „NGOs“, wird klar, wie hier vorgegangen wird. Nicht von ungefähr spricht Doskozil von einer „Destabilisierung der Bevölkerung“, die man im Übrigen in meinem Blog nachvollziehen kann.

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Tweet des außen- und europapolitischen Beraters Doskozils

Wie man(n) in Heeresnähe nach wie vor oft gestrickt ist, zeigt das Beispiel des roten „Quotenmannes“ Otto Pendl, der mit Ehrungen überhäuft wird, aber nie gecheckt hat, was sicherheitspolitisch wirklich Sache ist. Es ist kein Zufall, dass der weitaus besser als Sicherheitssprecher (Inneres und Verteidigung) geeignete Ex-Minister Norbert Darabos für den SPÖ-Parlamentsklub mit Obmann Andreas Schieder nicht in Frage kam. Darabos war unter anderem gegen den US-Raketenschild und gegen US-Militäroperationen, was selbst in einem formal neutralen Land offenbar ein No-Go ist. Und dass fast niemand mit ihm reden konnte, hat eine einfache Erklärung: nicht weil er nicht wollte, sondern weil man ihn nicht ließ.

Damit sind wir wieder bei Rollenverhalten, denn als betont „nicht martialischer“ Politiker passt Darabos da auch nicht ins Konzept, ebenso wenig wie Frauen, die sich nicht auf die Rolle schmückenden Beiwerks beschränken. Hier hat aber nicht nur das Bundesheer, sondern auch die Politik etwa in der SPÖ Nachholbedarf, denn welche Rollen gibt es hier? Frauenpolitik als Schrebergarten der Frauenorganisation, da und dort eine Mandatarin oder ein Regierungsmitglied der Jugend wegen und immer wieder auch Frauen, die als Tochter von, Ehefrau von, Freundin von Karriere machen. Frauen, die zu allem eine eigene Meinung haben, die sich zu Wort melden, ohne eine ganze Gruppe hinter sich zu haben, sind hingegen höchst selten anzutreffen, was natürlich auch die Frage aufwirft, welchen Stellenwert eigene, nicht über andere(s) definitierte Leistung hat.

 

 

 

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