Flaggen, Nationalismus und Inzucht

Deutsche Flagge bei der Fußball-EM zeigen verletzt die Gefühle von Minderheiten, sind die Grünen angeblich überzeugt, und überhaupt: wie nationalistisch ist das denn, von „Nationalmannschaft“ zu sprechen? Damit soll Masseneinwanderung gepusht werden, wie auch aus der Warnung von Finanzminister Wolfgang Schäuble, der gerade die Bilderberger trifft, vor „Inzucht“ hervorgeht.

Die Grüne Jugend wetterte schon vor ein paar Jahren gegen „WM-Nationalismus“ und muss ihre Aussendungen nur ein bisschen umschreiben. Im Grunde ist auch die Bezeichnung „Mannschaft“ obsolet, weil es gerade auch nach grüner Überzeugung schon längst ganz viele Geschlechter gibt und man sich da mit SPD und Linken einig ist. Bereits bei der WM wurden im Netz echte oder vermeintliche Auswüchse der Beflaggung dokumentiert. Heute wird der grünen Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt (früher Mitglied der Atlantikbrücke) nachgesagt, sie wolle keine Flaggen, der Minderheiten in Deutschland wegen.

Dies ist zwar erfunden, aber die Grüne Jugend besorgt ohnehin dort das Geschäft, wo AltpolitikerInnen seriöser wirken müssen. Auch so gibt es Schlagzeilen, wie man an der Berichterstattung der „Bild“-Zeitung erkennen kann. „Nationalismus ist eine Form von Patriotismus“, wird die Grüne Jugend zitiert, deren Agenda aber das Unterminieren des Nationalstaates als Organisationsform ist, indem jedwede Identität als StaatsbürgerIn und Mann oder Frau in Frage gestellt wird. Auf Twitter sieht man Göring-Eckardt jetzt als Fan des deutschen Teams, das seit einem Jahr offiziell „Die Mannschaft“ heisst. Da Fußball etwas ist, wo sich Deutsche stark fühlen können, während sie sonst Leidtragende der politischen Unterwerfung unter die USA sind, erscheint logisch, dass sich Göring-Eckart für wenige Tage mit Deutschland identifiziert.

goeringeckhart

Facebook-Fund, Quelle angeblich ZDF und dpa

Sonst aber dient sie blindlings der Welcome-Agenda („Wir bekommen Menschen geschenkt!“), ist gegen „sichere Drittstaaten“ und will die Grünen in die nächste Bundestagswahl führen. Über Patriotismus empört sich nicht nur die Grüne Jugend, sondern auch die Linksjugend und der sächsische Grüne Jürgen Kasek: „Denn Bürger, die sich stark mit ihrem Land identifizieren, seien anfällig für intolerantes und ausländerfeindliches Gedankengut.“ Übrigens leben in Deutschland anerkannte traditionelle Minderheiten, Dänen, Friesen, Sorben, Roma und Sinti – ob sie auch jene Probleme beim Public Viewing haben, die sich die Linksjugend schon früher  vorgestellt hat?

In Österreich ist es bereits ein grosser Erfolg, diesmal bei der EM dabei zu sein; entsprechend gibt es an vielen Orten Public Viewing, wenn „wir“ spielen. Bislang waren Diskussionen wie in Deutschland nicht auszumachen, eher schon wird sachlich informiert, welche Beflaggung an Autos erlaubt ist. Dass es überhaupt möglich ist, geht übrigens auf die Zeit zurück, als Österreich 2008 EM-Gastgeber und der ehemalige Bundeskanzler Werner Faymann Verkehrsminister war. Gibt man auf Twitter  „Deutschlandflagge“ oder „Österreichfahne“ ein, werden Unterschiede erkennbar: In Deutschland geht es jetzt stark um Beflaggung zur EM, in Österreich mehr darum, wer wo eine Fahne geschwungen hat, was von DemonstrantInnen reicht, die andere ins rechte Eck stellen, bis zu TürkInnen, die in Wien leben.

Der Grünen Jugend schenken die Science Files ordentlich ein: „Die Nation ‚Deutschland‘, der Solidarverband dessen Mitglieder sich auf bestimmte Institutionen, Regeln und Ordnungskriterien verständigt haben, z.B. eine Verfassung, die die politische Ordnung regelt, ein Strafgesetzbuch, das die pönale Ordnung regelt, einen Satz ethischer und moralischer Überzeugungen, der das Miteinander regelt, sie alle sind in ihrer typisch deutschen Ausstattung ein Ergebnis des entsprechenden Nationalismus, ohne den es Deutschland nicht gäbe. Zu den Regeln der deutschen Nation, der deutschen Solidarordnung gehört auch, dass Institutionen wie die grüne Grüne Jugend von Steuerzahlern finanziert werden.“

Und dass derlei Organisationen gefördert werden, wird denn auch zum Problem für den Staat: „Steuergelder werden nicht eingesetzt, um das Humankapital der Besten und Intelligentesten zum Nutzen aller zu kaufen, sie werden dazu eingesetzt, den letzten Naiven und Dummen dafür zu finanzieren, dass er die Öffentlichkeit mit seiner Unkenntnis belästigt und in vollkommener Selbstüberschätzung meint, er könne von anderen etwas verlangen oder fordern, z.B. von Fußballfans, dass sie ihre Fahnen runter nehmen.“ Göring-Eckardt postete im Mai auf Facebook: „Über das dieser Tage verbreitete Fake-Bild, mit dem angeblichen Zitat, ich hätte was gegen das Fahnenschwenken, haben wir hier im Team herzlich gelacht. Nicht weil es lustig wäre, sondern weil es meilenweit von der Realität entfernt ist. Also: Habt Spaß bei der EM, feiert mit euren Nachbar*innen, egal ob sie gegenüber wohnen oder aus Frankreich, Italien, der Türkei oder Syrien kommen. Genießt ein paar tolle Tage und glaubt einfach nicht alles, was im Internet steht.“

patriotismus

Grüne Jugend auf Facebook

In einem Interview, das die „Frankfurter Allgemeine“ vor zehn Jahren gemacht hat, erzählte Göring-Eckardt noch vom geneinsamen für die deutsche Mannschaft Fiebern: „Ich war bei einem Spiel mit Jürgen Trittin und bin Claudia Roth in dem Shirt begegnet – wir hatten viel Spaß beim Spiel gegen Polen, aber keine Debatte über mein Deutschland-Shirt. Es hat ein bißchen gedauert bei uns, das stimmt schon. Aber die Grünen haben bei dieser WM eine eigene Veranstaltung gemacht, da wurden sogar schwarzrotgoldene Winkelemente verteilt. Bei der letzten WM hatten wir eine Großbildleinwand im Tipi am Kanzleramt organisiert, wo wir als Fraktion eingeladen hatten. Da stand über der Einladung ‚Für Deutschland‘. Damals gab es in der ersten Reihe einen kleinen Brasilien-Tisch, da waren Claudia Roth, Christian Ströbele und ein paar andere. Ansonsten waren wir für unsere Mannschaft.“

Ihre Kinder hatten im Garten eine Fahne aufgehängt, was sie auch okay fand, aber Fahne schwenken geht nicht: „Da habe ich mit der DDR-Vergangenheit meine Schwierigkeiten. Am 1. Mai mußten wir die Fahnen raushängen und durch die Stadt ziehen. Aber alles andere, was Spaß macht, dafür bin ich zu haben.“ Und sie erregte Aufsehen, weil sie ihr Deutschland-T-Shirt sogar im Bundestag getragen hat. Davon sind die Grünen heute weit entfernt, wo sie ihr Land unkontrollierter Masseneinwanderung ausliefern und das Bekenntnis zum eigenen Staat als nationalistisch diffamieren. Denn sie sind sich mit einem anderen Atlantiker einig: „Schäuble erteilt den Vorstellungen eine Absage, Europa solle sich gegenüber Einwanderung abschotten: ‚Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe.'“ Ausgehend von diesem Zitat schreiben die Science Files:

„Derzeit drängen sich in Deutschland 229 Einwohner auf einem Quadratkilometer und somit 70% mehr als 1942, so dass man feststellen kann, dass heute, im Vergleich zu 1942 eine höhere Bevölkerungsdichte herrscht. Hohe Bevölkerungsdichte ist gut gegen Inzucht, wenn man Wolfgang Schäuble soweit folgt. Deshalb ist Einwanderung notwendig, um zu einem Zeitpunkt, zu dem 229 Einwohner sich auf einem Quadratkilometer klumpen, die negativen Folgen von Inzucht zu vermeiden, die sich dann einstellen, wenn weniger, deutlich weniger (?) Menschen pro Quadratkilometer das Land der Deutschen bevölkern.

Als Wolfgang Schäuble geboren wurde, war Deutschland nicht ansatzweise so dicht besiedelt, wie dies heute der Fall ist: 135 Einwohner teilten sich einen Quadratkilometer. Der Zweite Weltkrieg war dabei, den Genpool der erwachsenen, vor allem der erwachsenen männlichen Bevölkerung zu reduzieren, so dass man sich angesichts der Schäubleschen These fragen muss, welche Konsequenzen sich daraus für ihn selbst ergeben.“ Es geht hier um die Zucht von Menschen, mit der sich ja bereits die Nazis befasst haben, die ebenfalls wesentliche Fakten außer Acht gelassen haben. Der Wikipedia-Eintrag zu „Inbreeding“ verweist auf Forschung über tierische wie menschliche Populationen unter anderem aus dem Iran, aus Qatar und anderen arabischen Staaten. Es gibt auch eine Weltkarte, auf der Regionen nach ihrem Grad an Inzucht eingezeichnet sind, mit dunklen Feldern etwa in Afrika und im Nahen Osten.

consanguinity

Verwandtschaftsgrad der Bevölkerung, soweit erfasst

Man sieht, dass in Europa der Verwandtschaftsgrad in der Bevölkerung nur 1 bis 4 % beträgt, während er in jenen Ländern, aus denen „refugees“ einwandern sollen, bei 20 bis 50 % und mehr liegt. Man weiss, dass Eheschliessungen unter Verwandten durch religiöse und andere Vorschriften begünstigt werden, wie man dies ja auch früher in unseren Dörfern beobachten konnte. Zudem bringen Einwanderer ihre Gepflogenheiten mit, wie man z.B. bei Türken sehen kann, die ihre Ehefrau im Heimatort finden und dann nachholen. Gemeinsame Vorfahren zu haben ist in den noch bestehenden Königshäusern üblich, wie man bei Queen Elizabeth und Prinz Philipp erkennen kann, beide Nachkommen von Queen Victoria und Christian von Dänemark. Der Wikipedia-Eintrag „Erbkrankheiten beim Adel“ wird auch mit Habsburger-Beispielen illustriert und man zitiert den Schriftsteller Gregor von Rezzori:

„Gewiß, es ist wohl zu vermuten, daß Vetter und Cousine, die denselben Blödian zum Großvater haben, wenn sie miteinander copulieren, eher einen gleichen Blödian als ein Genie zur Welt bringen werden. Indes, auch da können sich Rechenfehler einschleichen. Und ist auch der Prozentsatz an Blödianen im Adel sehr hoch, so doch nicht höher als im gemeinen Volke. Das adelige Milieu, in jedem Fall, war stets und ist auch heute noch von einem scharfen Zusatz Pferdedunst gekennzeichnet.“ Im Eintrag ist auch vom Historiker David Sabean die Rede, der feststellte, „dass Heiraten mit Cousinen und Cousins ersten oder zweiten Grades in Europa zwischen 1740 und dem Beginn des 20. Jahrhunderts sowohl in katholischen als auch in protestantischen Gesellschaften in den besitzenden Bevölkerungsgruppen, also von Bauern über Bürgerliche bis hin zum Adel, sehr häufig waren.“

Da mit jeder Generation, die wir zurückzählen, die Anzahl der AhnInnen verdoppelt wird, landen wir im Mittelalter bei mehr VorfahrInnen als damals Menschen in Europa lebten. Mithin sind wir alle sehr entfernt verwandt und weisen viele AhnInnen mehrfach auf, doch dies ist noch keine Inzucht: „Der Genealoge Hans Peter Stamp untersuchte 12.531 europäische, vor allem hochadelige Vollgeschwistergruppen aus 17 Jahrhunderten und kam im Jahre 1999 zu dem Schluss, dass selbst bei dieser Untergruppe des Adels stärkere Inzucht ‚eher die Ausnahme und nicht der Regelfall‘ sei. ‚Von den 12531 Gruppen hatten 10587 einen Inzuchtkoeffizienten von weniger als 1 %, eine Mehrheit von ihnen sogar 0 %:'“ Haustiere, die Zuchten entstammen, sind meist ingezüchtet, wie man sehen kann, wenn man Stammbäume in Datenbanken zurückverfolgt und bei einigen wenigen Namen landet.

Ein Beispiel ist eine finnische Russisch-Blau-Katze, deren Vorfahren über sechs Generationen nur auf einen Siamkater und eine blaue (= graue) Hauskatze zurückgehen, die während des 2. Weltkriegs lebten. Das Englische Vollblut stammt von drei Hengsten ab, da nur ihre Linien sich durchsetzen konnten; andere Hengste sind nur indirekt über die etwas breitere Stutenbasis in den Stammbäumen präsent, die bis Anfang 18., Ende 17. Jahrhundert zurückreichen. Das bedeutet, dass alle heutigen Vollblüter auf wenige Familien zurückgehen, die in ihren Abstammungen mehrfach vorkommen. Auch bei Rassehunden gibt es Inzucht, weniger wegen wiederkehrender Namen am Ende der Stammbäume, sondern weil manche Rassen in Mode kommen und z.B. ihre Grösse imponiert. Mittels DNA-Analyse weiss man heute, wie Haustierrassen miteinander verwandt sind und wo gemeinsamen Vorfahren erst Jahrhunderte oder Jahrtausende früher gefunden werden. Was Schäubles Vorstellungen betrifft, zeigen auch die Beispiele aus der Tierwelt, dass im Vergleich dazu bei EuropäerInnen von „Inzucht“ keine Rede sein kann.

8 Gedanken zu “Flaggen, Nationalismus und Inzucht

    1. Wobei man aufpassen muss, dass Göring-Eckardt auch Aussagen zugeschrieben werden, wie ich ja erwähne; aber die haben was von „gut erfunden“…

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      1. Dazu passt gut ein selten dümmliches „Malmot“ der Parteivorsitzenden der österreichischen Melonenfraktion aus dem Jahre 2012 zum ESM (ein europäischer Fallschirm aus Beton zur weiteren Demontage nationaler Unabhängigkeit): Alles unbedacht gut zu finden ist ziemlich „stupid“…

        Das FS3 warnte wiederholt vor den neuen, undemokratischen Mechanismen des aufbindbaren Brüsselbären mit seiner überbezahlten Armee von Lobbyisten, Apparatschiks und ungewählten Handlangern, mit der Lizenz ganze Nationen zu töten…

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