Machiavelli für Merkel

Während es für die deutsche Kanzlerin immer enger wird, warnt sie davor, dass es im von ihr ausgelösten Asylchaos auch zum Einsatz des Militärs – und zwar am Balkan – kommen kann. Merkel und anderen sei hiermit nahegelegt, doch einmal „Der Fürst“ von Niccolo Machiavelli zu studieren. Der bekannte italienische Autor und Politiker brachte es bis zum Staatssekretär der Republik Florenz, zuständig für Außen- und Sicherheitspolitik. Seinen Erfahrungen nach sind schon mal Armeen, die aus dem Volk kommen, Söldnerheeren vorzuziehen. In diese Richtung geht aber die Entwicklung nicht nur in Deutschland mit dem Aussetzen der Wehrpflicht, sondern auch in Österreich, wo die Demontage des auf Wehrpflicht und Miliz aufgebauten Bundesheers auf das Konto der SPÖ (mit zu wenig Widerstand der ÖVP) geht.

Machiavelli schrieb im 16. Jahrhundert: „… ihr werdet es noch sehen, welchen Unterschied es ausmacht, Bürger-Soldaten nach Tüchtigkeitsauslese und nicht nach Korruption zu bekommen“. Generell wollte Machiavelli Leistung und Verdienst zur Grundlage von Funktionen im Gemeinwesen der Republik Florenz machen, was (nicht nur)  zu seiner Zeit ein recht moderner Gedanke war. Er riß der Politik den Schleier herunter und wollte nach seinem Biografen Volker Reinhardt, „hinter die Fassaden der Propaganda blicken und die Kräfte aufzeigen, die ungerechte Sozial- und Staatsordnungen zusammen hielten: Täuschung und Gewalt auf der Seite der Mächtigen, Angst und Aberglaube bei den Unterdrückten“. (1)

Wer in der Politik erfolgreich sein will, müsse die Kunst beherrschen, „den richtigen Schein zu erzeugen“, denn „die Menschen urteilen im Allgemeinen nach dem Augenschein, nicht mit den Händen. Sehen nämlich kann jeder, verstehen können wenige. Jeder sieht, wie du dich gibst, wenige wissen, wie du bist. Und diese wenigen wagen es nicht, sich der Meinung der vielen entgegen zu stellen. Denn diese haben die Majestät des Staates zur Verteidigung ihres Standpunkts.“ In den Zeiten des Internet ist dies auf den ersten Blick nicht mehr zutreffend,  weil andere Meinungen ja doch artikuliert werden; man muss sich aber fragen, was sie konkret bewirken und was jenen widerfährt, die besondes präzise Fehlentwicklungen benennen. Auch Passivität oder Panikmache dienen im Übrigen nicht der Veränderung, sondern dazu, die bestehende Situation einzuzementieren.

Im 4. Kapitel des „Fürsten“ stellt Machiavelli das türkische und das  französische Reich gegenüber und analysiert, welches man mit welcher Strategie erobern kann. Wenn man sich damit auseinandersetzt, bemerkt man, „dass es schwer ist, das türkische Reich zu erobern: Sobald es aber erobert wäre, würde es leicht sein, es zu behaupten.“ Denn hier kann der Eroberer „nicht durch inländische Fürsten herbeigerufen werden“ und auch nicht auf die Unterstützung von Rebellen hoffen; auch Bestechung wird wenig ausrichten, da alle „Knechte“ sind, unter anderem als Beamte, die der regierenden Familie dienen. Machiavelli folgert daraus, dass man die Türken nur von außen mit einer Armee angreifen kann, aber wenn diese die türkischen Streitkräfte besiegt hat, „ist nichts mehr zu fürchten“, außer dass man die regierende Familie unschädlich machen müsse; niemand wird aber im Volk genug Unterstützung haben, um gegen die Eroberer zu rebellieren.

„So wie der Sieger vor dem Sieg auf niemanden hoffen konnte, so hat er nach demselben niemanden mehr zu fürchten“, schreibt Machiavelli; hingegen ist es in Frankreich „leicht einzudringen, sobald man einen der hohen Reichsbeamten gewonnen hat, unter denen sich immer Unzufriedene  und  Neuerungssüchtige finden“. Dies hängt damit zusammen, dass der König – anders als der Sultan, dem alle dienen und der alle ein- oder absetzen kann – von Fürstenhäusern umgeben ist, deren Herrschaft von den Untertanen anerkannt wird. Der König kann die Vorrechte dieser Fürsten „nicht ohne Gefahr antasten“. Hat man „Unzufriedene  und  Neuerungssüchtige“ gefunden, ist es jedoch vergleichsweise einfach,  sich den Weg in ein auf diese Weise regiertes Reich zu bahnen „und den Sieg zu erleichtern“. Dann aber „gibt es unendliche Schwierigkeiten, sich darin festzusetzen; sowohl mit denen, die Beistand geleistet haben, als auch mit den Überwundenen.“

Es gibt noch viele Parallelen, doch belassen wir es vorerst dabei; klar ist, dass man mit dem französischen Modell die förderale Struktur Deutschlands und Österreichs in Verbindung bringen kann. Von Interesse sollte auch sein, dass Machiavelli meint, wer Städte und Stadtstaaten erobert, deren Bürger daran gewohnt sind, frei zu sein, müsse diese zerstören, denn sonst werden sich früher oder später diese Menschen gegen ihn wenden. Man kann also auch davon ausgehen, dass Errungenschaften, wie wir sie mit  der Zeit nach Machiavelli in Verbindung bringen, durch intendierte Veränderungen auf unserem Kontinent in Gefahr sind. Würden Merkel und Faymann Machiavelli lesen, wäre ihnen klar, dass „die EU“ längst zu einer Falle geworden ist, in der Nationalstaaten ihre Souveränität und damit ihre Handlungsmöglichkeiten opfern sollen. „Unzufriedene  und  Neuerungssüchtige“ haben ihren Beitrag dazu geleistet, ganz nach dem Plan derjenigen, die (noch) keinen Beamtenstaat nach altem türkischem Modell erobern können.

Man sollte als aufmerksame Bürger und aufmerksamer Bürger sein Augenmerk auch auf Angriffe auf den Föderalismus richten, die nicht immer so massiv sind wie in diesem Kommentar, mit dem die ironischer Weise von der Republik Österreich herausgegebene „Wiener Zeitung“ auf die Koalition zwischen SPÖ und FPÖ  im Burgenland reagierte: „Wenn also die Bundesländer als Körperschaften nicht nur eine Geldvernichtungsmaschine sind, sondern auch politische Instabilität fördern, bleibt nur eine logische Konsequenz: Abschaffung der Bundesländer. Wenn sie als Genussregionen weiterbestehen, die einmal im Jahr auch Landesausstellungen veranstalten, genügt das vollkommen. Als gesetzgebende Körperschaft haben sie ihre Berechtigung verloren. Volkswirtschaftlich sind sie – siehe Haftungen – eine Anmaßung. Und als politische Körperschaft werden sie – siehe Burgenland – zur Bedrohung der Stabilität.“ (2)

„Bedrohung der Stabilität“ oder nicht eher – ganz im Sinn Machiavellis – ein Schutz gegen Eroberung durch eine fremde Macht? Das Beispiel Frankreich bietet auch eine andere Interpretation für Fragen wie jene, was um alles in der Welt in Merkel gefahren ist, denn man kann dies leicht bewerkstelligen, stößt aber auf weitere Schwierigkeiten. Gegen Nationalstaaten, wie wir sie kennen, spricht sich übrigens auch der vielfach als Merkel-Nachfolger gehandelte Finanzminister Wolfgang Schäuble aus. (3) Es ist ja kein Zufall, dass der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) meint, Merkel wolle in Wahrheit einen anderen Staat – und damit wären wir wieder bei den Bundesländern, die sich so einfach nicht auf Linie bringen lassen. Allerdings muss man auch beachten, dass PolitikerInnen in der Regel suggestiven manipulativen Fragen ausgesetzt sind, die unterstellen, dass alles gröbste Menschenrechtsverletzung ist, das nicht damit einher geht, Fremden unser gesamtes Sozial- und Gesellschaftssystem zu überantworten. Dies kann man z.B. an einem Interview mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) im Radio gut erkennen, mit dem heute viele Menschen in Österreich  ihren Tag begonnen haben. (4)

Während Machiavelli von „guten Fürsten“ erwartet, dass diese jedes Terrain darauf überprüfen, wie man dort kämpfen kann, um sich selbst zu in Taktik zu schulen, scheinen Merkel und Co. mit anderen bekannten Anforderungen an die Sicherheit ihrer Staaten überfordert. Auf der anderen Seite warnt die Kanzlerin jetzt davor, dass es zum Einsatz der Armeen kommen kann, wenn der von ihr mit ins Leben gerufene Zug nach Europa an Grenzen innerhalb der EU angehalten wird. (5) Dies, obwohl auch in Deutschland selbst die Bevölkerung, die Kommunen, die Länder zunehmend meinen, das Maß sei voll, und obwohl sich Länder wie Österreich dem Andrang nur dann trotz Erschöpfung noch irgendwie gewachsen fühlen, weil alle in Deutschland landen sollten. Freilich hat niemand einen Plan B für den Fall, dass Deutschland dichtmacht, zumal immer weniger Personen aus Österreich weitergelassen, vor allem aber nicht in Österreich erfasst  werden, sodass sie – wenn aus Deutschland abgeschoben – von Österreich nicht weitergereicht werden können. (6)

Was die Situation in Syrien betrifft, die ja mitverantwortlich ist, wird weiterhin behauptet, es gäbe „gemäßigte“ Terroristen, in deren Hände die deutschen Grünen sogar die Regierung des von Assad verteidigten Landes legen wollen. (7) „Danke, Angela“, kann man nur sagen, wenn man liest, dass laut einem Geheimpapier die Anzahl der in Österreich gestrandeten „Transit-Asylwerber“ rapide ansteigt. Innerhalb weniger Tage waren nämlich die Notquartier-Plätze des Bundes in Oberösterreich und Salzburg beinahe ausgelastet: am 20.10. waren 6.300 von zunächst vorgesehenen 13.200 Schlafstellen in Verwendung; am 31.10. waren bereits 21.200 Notquartiere beim Krisenstab der Bundesregierung in Betrieb und davon schon 20.300 Plätze belegt. „Wir kommen mit der Organisation neuer Notquartiere fast gar nicht mehr nach. Und ständig treffen in Spielfeld neue Flüchtlingsströme ein“, wird ein „hochrangiger Mitarbeiter im Krisenstab“ zitiert, der einen Kollaps des bisherigen „Asyl-Durchreich-Systems“ nach Deutschland fürchtet. (8)

Sowohl die besorgte Bevölkerung als auch die Flüchtlinge selbst korrigieren zunehmend das über Monate vermittelte Bild. So findet man auf den Autobahnen in der Gegend von Passau Kennzeichen, die sonst kaum zu beobachten waren; ausserdem werden pro Tag und das auf lange Zeit hinaus geplant zwischen 5000 und 7000 Personen mit dem Zug weiterbefördert, also täglich eine mittlere Kleinstadt an Menschen, die versorgt und betreut werden wollen. (9) Ein 28jähriger Afghane, befragt an der Grenze zwischen Slowenien und Österreich, macht seiner Enttäuschung über Europa Luft, denn es ist kalt hier und keiner kümmert sich um ihn. Es sei der größte Fehler seines Lebens, sich auf den Weg nach Europa gemacht zu haben, zitiert ihn die „Welt“. (10)

Was mögliche Nachfolge für Merkel und Faymann betrifft, so geht es stets auch darum, welche Kabinette sich Regierungschefs zusammenstellen. Dies war zu Machiavellis Zeiten nicht anders, als Fürsten Räte ernannten, die man schon damals als Minister bezeichnet hat. „Man urteilt zunächst über ihn und seinen Verstand aufgrund dessen, wie die Personen beschaffen sind, die ihn umgeben. Sind sie der Sache gewachsen und getreu, so wird er immer für einen weisen Mann gelten, weil er sie als das erkannte, was sie waren, und sie treu zu erhalten wusste.“

Machiavelli hat auch unter Ministern „drei Arten von Köpfen“ ausgemacht, nämlich jene, die alles von selbst einsehen; andere, die dann verstehen, wenn es ihnen dargelegt wird, und die, die nichts einsehen, weder selbst noch durch die Bemühungen anderer. Man müsse „an den Fürsten“ denken und nicht in erster Linie an sich selbst, um vertrauenswürdig zu sein, doch zugleich muss der Fürst diese Loyalität belohnen, erklärt Machiavelli. Es versteht sich von selbst, dass vor Schmeichlern gewarnt wird und dass Fürsten selbst genug Verstand haben sollten….

(1) siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Niccol%C3%B2_Machiavelli – es wird u.a. auf Reinhardts „Machiavelli oder die Kunst der Macht“ Bezug genommen; den „Fürsten“ kann man hier online lesen: http://gutenberg.spiegel.de/buch/buch-vom-fursten-121/1
(2) http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150605_OTS0140/wiener-zeitung-leitartikel-von-reinhard-goeweil-schafft-die-laender-ab
(3) siehe dieser Ausschnitt: https://www.youtube.com/watch?v=Xganww9S2K0#t=41
(4) hier zum Nachhören: http://oe1.orf.at/artikel/422861
(5) http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fluechtlinge-merkel-warnt-vor-militaerischen-konflikten-durch-grenzschliessung-a-1060785.html
zur zunehmenden Kritik an Merkel siehe auch https://alexandrabader.wordpress.com/2015/11/02/abgesang-auf-angela-merkel/
(6) http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151103_OTS0053/fluechtlinge-stronachlugar-asyl-auf-zeit-ist-unnoetig
(7) siehe http://hinter-der-fichte.blogspot.de/2015/11/moderate-terroristen-die-verschwiegene.html und http://hinter-der-fichte.blogspot.de/2015/10/ardzdf-grunen-funktionar-will.html
(8) http://www.krone.at/Oesterreich/14.000_Asylwerber_mehr_im_Land_-_in_nur_elf_Tagen-Geheimpapier_zeigt_-Story-479971 – im Vergleich dazu die offizielle Linie: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151103_OTS0089/ministerrat-bk-faymann-zu-asyl-notwendige-quartiere-in-koordination-mit-landeshauptleuten-schaffen
(9) https://buergerstimme.com/Design2/2015/11/passauer-parallelwelten/
(10) http://www.welt.de/politik/ausland/article148342236/Junger-Afghane-total-enttaeuscht-von-Europa.html

10 Gedanken zu “Machiavelli für Merkel

  1. Ich hoffe mal, daß es nicht Ihr Ernst ist, Frau Merkel Machiavelli zu empfehlen. Ein Mann, der empfiehlt daß wenn das Volk mault, man es nur härter strafen müsse. Ein Mann, der Gewalt und absolute Unterwerfung als Lösung empfiehlt,… Ich würde mal sagen, wir sind in der Situation, weil Merkel und Co zu viel Machiavelli gelesen haben.

    Wir haben diese Flüchtlingsströme, weil sie ihre Interessen mit denen der USA verknüpft hat, und diese in Syrien mit Sanktionen und Gewalt auf Kosten des Volkes hat durchsetzen wollen, um den Weg für Arabische Energie nach Europa frei zu kriegen, und gleichzeitig Russland zu schwächen. Diese Leute verlassen ihre Länder, weil Merkel und Co sich auf Teufel komm raus, Machiavellihaft verhalten haben. Und es ihnen scheißegal war, was mit den Menschen dort passiert.

    Gewalt erzeugt nur Gewalt, es sei denn, man empfiehlt eine Totalauslöschung, nach dem es nichts, aber nun auch gar nichts mehr an Gegnerschaft gibt, was eine Gegengewalt erzeugen könnte, also einen Genozid, sodaß alles nach des Fürsten Nase tanzt, und er dann natürlich auch leicht loben kann.

    Daß es im Balkan nun bald knallen wird, ist nicht mehr aufhaltbar. Wer so selten blöd ist und nach Machiavellistischer Methode vollkommen radikal seinen Willen gegen Völker durchsetzt, muß sich nicht wundern, wenn sich diese anfangen zu bewegen. Man kann sie nicht strömen lassen und man kann sie nicht aufhalten.

    Das Sie nun mit noch mehr Machiavellismus antworten wollen, zeigt, wie sehr es sich bewahrheitet, daß Gewalt noch mehr Gewalt erzeugt. Davor hatte uns Friedrich der Große Gott sei Dank bewahrt, auch wenn er sich am Ende fragte, ob Machiavelli nicht vielleicht doch recht hatte, aber das kam aus einer Resignation heraus, weil er glaubte, daß er zu wenig erreicht hätte.

    Sorry Machiavelli war ein Speichellecker, der den Herrschern empfohlen hat härter gegen das Volk zu sein, weil, wenn man es vollkommen unterworfen hätte, es zahm, und gut regierbar würde.

    Schönen Gruß

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    1. Es sollte klar sein, dass Machiavelli natürlich in seine Zeit gehört und sich vielfach auch dieser entsprechend verhält; zugleich aber setzt er auf empirisches Wissen und kommt zu ähnlichen Schlüssen wie später Max Weber, was das Wesen der Politik betrifft. Daher ist er ist zu einem gewissen Grad zeitlos, sodass manche Beispiele auch uns noch einiges sagen können. Nicht von ungefähr habe ich zitiert, welche Strategien es gibt, fremde Reiche zu erobern und dies mit der Situation unserer Nationalstaaten und Bundesländer in Verbindung gebracht.

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      1. Sich auf empirisches Wissen berufen, bedeutet das alles bleibt wie es ist. Es ist dem Leben diametral entgegengesetzt, weil sich dies in Entwicklung befindet, und täglich sucht, aus sich, etwas noch nie dagewesenes zu erzeugen, auch wenn es ihm nicht immer gelingt, und es dadurch durchaus zu Wiederholungen kommt, die man in einer Empire zusammenfassen kann, was aber nicht dem Sinn des Lebens und dessen Entwicklung entspricht. Einen Staat auf Empire aufzubauen, bedeutet also das Leben in das Gewesene einzuschließen. Was soll daran bitte gut sein?

        Es hat das britische Empire, und in Folge die USA hervorgebracht, welche wissenschaftsgläubig, das Leben durch Dieselbe einschließt, indem es vorschreibt, was gehen darf und was nicht.

        Machiavelli hat sich auch nicht unbedingt typisch seiner Zeit verhalten, sondern war eher ein Extremist seiner Zeit. Letztendlich hat er in einer Zeit in der Humanismus noch etwas galt, die absolute Diktatur der Herrscher von oben herab gepredigt. Finden sie, daß Merkel noch mehr Lektionen in Sachen Diktatur nötig hat?

        Ich möchte Ihnen sicher nicht zu nahe treten, aber ich glaube, Sie haben sich da gerade etwas vergriffen wenn sie Merkel Machiavelli empfehlen, denn handelte sie nach seinem Prinzip, dann kann sie als Herrscherin machen was sie will, da sie dadurch, daß sie sich an die Spitze gebracht hat, und Herrscherin ist, auch gleichzeitig das Optimale Leben darstellt, dem alles zu folgen hätte, und je mehr sie ihr Volk schlüge, wenn es murrte, desto glorreicher würde ihr Sieg ausfallen, da dies dann nicht anders könne, als so optimal, wie sie selbst zu werden.

        Ich schaue ab und zu in ihren Blog rein, und bei dem, was Sie sonst so schreiben, mag ich wirklich nicht glauben, daß sie das wollen.

        Schöne Grüße

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    2. Ich finde die Analyse hervorragend. Ob Machiavelli „Speichellecker“ war oder nicht, ich weiß es nicht, aber das interessiert auch überhaupt nicht.
      Alexandra Bader ist mit der historischen Rückschau und Analyse der gegenwärtigen Situation ein sehr gutes Stück gelungen. Vor unser Augen löst sich das Konstrukt EU auf und die einzelnen Staaten treten wieder hervor, mit ihrer jeweiligen Historie und dem was ich innere Verfasstheit nenne.
      Die Dinge werden klarer. Der Gedanke Europa, also Europäische Union, ist nicht mehr zu retten. Er wurde auch willentlich dorthin gesteuert, denn niemals was das Ziel eine der größten Demokratien zu werden. Ganz das Gegenteil wurde angezielt und auch erreicht.
      Ob die Nationalstaaten diesen General – Angriff überleben, wird man sehen.

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      1. Da stimme ich zu, ob Machiavelli ein Speichellecker war, ist ziemlich nebensächlich, deswegen wundert es mich auch, daß Sie sich auf diese Nebensächlichkeit meiner Aussage stürzen um sie für unwichtig zu erklären? Möchten Sie, daß es so aussieht, als wäre der Rest dementsprechend auch unwichtig, oder wollen Sie sich bloß nicht damit auseinander setzen, weil es eben schon dahin führen würde, daß es beim besten Willen nicht unbedingt gelungen ist, hier Machiavelli heran zu ziehen?

        Das Machiavelli jemand war, der die absolute Diktatur des Herrschers empfahl, ist bekannt, und dann seine Schriften Merkel empfehlen?

        Selbstverständlich treten die Nationalstaaten nun wieder hervor, nur was nützt das, wenn die nun auch nichts anderes können, als ihre Menschen im so heraufbeschworenen Krieg zu verheizen?

        Und in so einer Situation Machiavelli zu empfehlen? Ich habe nichts dagegen, wenn sie sich dem jeweiligen Nationalherrscher unterstellen wollen, und für ihn in die Schlacht ziehen wollen. Nur zu. Ich für meinen Teil lehne das ab. Was sind Nationalstaaten wert, wenn sie nicht dem Menschen dienen, sondern, den Menschen zum Dienst am Herrscher versklaven wollen? Genau das predigte Machiavelli jedoch.

        Aber es ehrt sie, daß sie ihrer Freundin zu Hilfe kommen wollen. Ich bleibe jedoch dabei, Machiavelli in so einer Situation heranzuziehen, ist für einen Vergleich, um ein Zeitlosigkeit im Verhalten von Menschen und die innere Verfasstheit von Staaten heran zu ziehen, nicht unbedingt gelungen.

        Es genügt, wenn man einen eigenen Standpunkt in dieser Situation einnimmt, dann streiten wir uns vielleicht, und das ist ja auch ok., aber in dieser Verfahrenen Situation die Nationalstaaten heraufzubeschwören, wird nur die Nationen untereinander in Konkurrenz, und damit in Krisenzeiten wie jetzt, in Kriegsgefahr bringen, daß hat der Anteil des Zeitlosen in der Historie auch gelehrt.

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      2. „Argonautike“ Wenn ich Zeit habe, werde ich Ihnen ausführlich antworten. Nichts ist so wie es scheint, und schon gar nicht ist es so, wie Sie es darstellen.
        Eines nur vorweg. „Ehre, Freundin Bader“: Ich hoffe doch, dass Frau Bader auch in Ihnen einen Freund hat.

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  2. Wieder mal eine wunderbare Analyse. Die Betrachtung aus historischer Sicht finde ich sehr wertvoll, eben weil das Verhalten von Menschen und die innere Verfasstheit von Staaten einen mächtigen Anteil an Zeitlosigkeit in sich tragen. Danke Alexandra.

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    1. Danke, lieber Bernhard, genau so war es auch gemeint, als: manche Dinge ändern sich nie, und: sehen wir uns doch mal an, was andere vor Jahrhunderten darüber dachten🙂

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  3. @ Argonautiker: Sie verwechseln offenbar „Empire“ und „Empirie“; nichts anderes unterschied aber Machiavelli von anderen, denn er hielt nichts von moralischen Phrasen, die nicht eingelöst werden, und riß den Schleier der Täuschung von der Politik, indem er ihre Mechanismen erklärte. So viel anders schienen die Debatten jener Zeit in der Toskana nicht gewesen zu sein, denn es gibt z.B. auch Wandgemälde, die eine „gute Regierung“ zeigen (in einem Sitzungsaal in einer der Städte). Ich hätte auch „Machiavelli über Merkel“ schreiben können, denn gerade das Beispiel Frankreich vs. Türkei bei Machiavelli erklärt, was in Deutschland passiert sein könnte, kann also eine Antwort auf „was um alles in der Welt ist in Merkel gefahren“ sein.

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    1. Nein ich verwechsele nicht Empire mit Empirie. Das war nur ein Wortspiel das sich anbot, weil sich das britische Empire eben auf Empirie stützt, also wissenschaftlich orientiert, beziehungsweise sogar fixiert ist. Aber Sie haben recht, da ich es das ein oder andere mal rechtschreiblich falsch geschrieben habe, hätte es sein können, daß ich es inhaltlich verwechselt haben könnte, wobei der Inhalt des Textes eigentlich keine Verwechselung mutmaßen lies.

      Natürlich wollte Machiavelli aufklärend wirken, nur was war sein Ziel? Eine absolute Diktatur des Herrschers, unter vollkommener Vernachlässigung der Befindlichkeiten des Volkes.

      Zur Moral
      Moral ist das aus dem Empfinden entstehende Verhältnis, zu sich, in Form des Gewissens, und zu Anderen. Da ist nichts falsches dran. Jedenfalls nicht für einen Menschen. Ein Herrscher kann natürlich in Ausübung seines Amtes nicht nach subjektiven moralischem Empfinden handeln, als Mensch aber schon.

      Das Merkel sich also hinstellt und ihr moralisches Empfinden gegenüber den Flüchtlingen, zum Grund einer politischen Handlung macht, geht gar nicht. Das sollte sie nicht vertauschen. Sie könnte natürlich selbst Flüchtlinge aufnehmen, aber die Entscheidung ob man die Grenzen einfach so öffnet, darf sie sicherlich nicht aufgrund ihrer Moral treffen.

      Machiavelli predigte aber quasi das Auslöschen der Moral des Einzelnen als solches, und das ist falsch, weil man als Mensch dann das Verhältnis zu seinem Gewissen und zum Anderen verliert und zu einer Funktion der Empirie wird. Als Herrscher müssen sie meines Erachtens quasi Räume schaffen, in denen der Mensch auch moralisch, also emotional orientiert sein kann.

      Das schaffen sie, indem sie die Summe der Moral der Einzelnen fördern, wobei die Summe der einzelnen Moral, die aus Freiwilligkeit im Zusammenleben entstehenden Sitten sind, denn die Schnittmenge der Moral der Einzelnen, geht in den jeweiligen Sitten auf. Wohlgemerkt, freiwilligen.

      Machiavelli nutzt die Empirie um das Emotionale, sei es in Form von Moral des Einzelnen, oder in Form vor freiwilligen Sitten, als etwas schlechtes darzustellen, was vom Herrscher ausgemerzt gehört.

      Ich für meinen Teil finde Moral sehr gut, ich möchte nicht, daß es da einen Führer gibt, der in mein emotionales Verhältnis von mir zu meinem Sein, oder das emotionale Verhältnis von mir zu meinen Nächsten mittels Empire eingreift, da Empirie eben nur der derzeitige Zustand der gemachten Erfahrungen ist, und trotz aller erkennbaren Strukturen eben doch in Veränderung ist.

      Diese Empirie also als ein absolutes Maß darzustellen, bedeutet, daß man den Ursprung der Empirie abgräbt, denn in der Empirie kann man zwar so etwas, wie das, was sie als das Zeitlose beschreiben, erkennen, aber in Wirklichkeit ist es ist nicht Zeitlos, denn jedes Lebewesen kann nicht anders als in Zeit leben, denn ist seine Zeit abgelaufen, stirbt es, folglich ist seine empirischen Erfahrungen auch nicht wirklich Zeitlos.

      Wenn sie nun auf das Leben Zeitlose Strukturen anwenden wollten, dann töten sie es. Es ist ein Unterschied, ob sie aus der Summe der Erfahrungen die Empirie ziehen und dadurch Strukturen sehen, und für diese versuchen Entfaltungsräume zu schaffen, oder ob sie diese Strukturen, die sie in diesem einem Moment der Zeit sehen, nehmen wollen, und das Leben in diese Strukturen pferchen wollen und nichts anderes zulassen. Ersteres kann sich entwickeln, Zweites nicht. Kann sich etwas nicht entwickeln stirbt es.

      Die Annahme, daß die Strukturen, die Machiavelli empirisch ermittelt hat, auch für später Gültigkeit haben ist falsch. Das was sie als Zeitloses bezeichnen, gibt es zwar in der abstrakten Vorstellung, aber es bewegt sich doch, nur viel langsamer. Wenn sie die Momentaufnahme der Strukturen, die sie mittels Empirie gemacht haben, zum absoluten Maß für das Leben machen, dann rauben sie dem Leben, das wichtigste was es hat. Die Zeit.

      Machiavelli war einfach der Annahme, das wenn sich ein Herrscher, durch was auch immer, an die Spitze gekämpft hat, dann muß er auch das Optimum des Menschen darstellen, und hat dadurch das Recht, daß er seine Regeln, zum allgemeingültigen Maß machen darf, dem alle folgen müssen. Und, daß das dann auch gut für die Schwächeren sei, weil sie dadurch ebenso würden, wie er als Optimum, und das könne ja nur gut und richtig sein.

      Was aber, wenn es nicht so ist, daß es um das Siegen, und damit um das an die Spitze kommen im Leben geht? Sondern, was wenn das Leben nichts anderes ist, wie die zu Teilen gewordene Einheit einer sich ständig wandelnden singulären Kraft ist, die man hinlänglich als Gottes bezeichnet? Dann würde das Kämpfen um das Herrschen nichts anderes bedeuten, als wenn sich zum Beispiel die Hand eines Ganzen gegen den Fuß erhebt, und im Gewinnen denken würde, daß sie, (die Hand), nun, da sie gewonnen hätte, das Recht hätte „händische“ Regeln zu machen, denen alle zu folgen hätten.

      Machiavelli hat den Herrscher zum Monopolisten der Gesetzgebung gemacht und damit Gottgleich. So einem würde ich nie folgen, da ich schon ein Gesetz in mir habe. Einem Herrscher, der sich als Teil sieht, und der sich bereit erklärte, Räume zu schaffen, in denen der Mensch nach seinen in ihm liegenden Gesetzen leben kann, würde ich schon folgen.

      Vielleicht verwechseln Sie also da etwas, beziehungsweise setzen etwas, mit etwas gleich, was nicht gleich ist. Empirie kann selbst nur ein Anteil am wirklich Zeitlosen sein, nie aber das Zeitlose selbst, da zur Empirie Erfahrungen notwendig sind, und um Erfahrungen machen zu können benötigen sie Zeit. Machen sie die Momentaufnahme ihrer Empirie zum Zeitlosen Maß der Dinge, und wollen daran die Gesetzgebung aufhängen, pferchen sie sich Entwickelndes in eine fixierte Form, das geht nicht lange gut.

      Letztendlich wollen Sie aber sagen, daß die Entscheidung Merkels die Grenzen zu öffnen, vollkommen daneben war, und suchen es auch in der Historie zu begründen, und da stimme ich ihnen bei, das war vollkommen falsch und zwar aus Hunderten von Gründen.

      Nur eben im Machiavelli dazu heranzuziehen, scheidet sich unser Geist. Sie scheinen in seinen Lehren etwas ganz anderes zu sehen, als was ich in ihnen sehe.

      Beste Grüße

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